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Edgar Allen Poe
Erschienen
Die Maske des Roten Todes
12/2004
LübbeAudio, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach
1 CD / ca. EURO 6,-
Wie macht man aus einer klassischen Kurzgeschichte ein Hörspiel? Keine leichte Aufgabe, deren Lösung der vierte und letzte Teil der Poe Hörspielreihe bei Bastei folgte. Es beginnt mit einem Erinnerungslosen. Wo kommt er her, was hat er getan? Können seine Albträume darüber Auskunft geben? Die sind aber so grausam, das der Unbekannte sie am liebsten im Alkoholrausch vergessen möchte. Und so bestellt er noch einen Drink. Ist es die seltsame rote Maske mit den Blutspritzern, die seinen Traum auslöst?

Dort spult sich ein historischer Seuchen Thriller ab.

Fürst Prospero ist ein eigenwilliger Herrscher. Wenn es seinen Amüsement zu gute ist, dann darf auch das Volk feiern – aber eben auch nur dann. Und schlecht darf es dem Volk schon gar nicht gehen – das passt nicht in des Herrschers Planung. Es wird also kommen wie es kommen muss. Geradlinig wie eine Fahrt in der Ubahn nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Zwei Geschichten sind es also, die hier für gepflegte Gänsehaut sorgen sollen. Aber so richtig gruselig wird es nicht, wahrscheinlich ist man im Laufe von „Aliens“ oder „Resident Evil“ einfach zu viel gewohnt, als dass eine Krankheit einem das Blut gefrieren ließe. Auch die Berichte über eine masakrierte Familie – wohlmöglich Opfer des Erinnerungslosen – sind eher zahm in die Geschichte eingebaut.

Kein Horror, kein Nervenkitzel, aber gepflegte Unterhaltung. Okay, Prospero ist etwas schwer zu deuten. Mal klingt er fast gütlich und nur selten so richtig egozentrisch – aber zum Schluß ordentlicher Hörspielkost nimmt die Geschichte etwas an Fahrt auf und so bleibt auf jeden Fall kein schlechter Gesamteindruch zurück.

Ob ganz zum Ende der CD dem Hörer dann doch noch kalter Schweiß den Rücken herunterrinnt liegt ganz an der Einstellung des Ohrenmenschen zur deutschen gewichitgen Oberschullehrermusik. Heinz Rudolf Kunze kann gestandene Männer zum Weinen bringen – mal aus Rührung und mal aus Grauen.

Die Maske des Roten Todes soll das schwächste der vier Hörspiele sein. Gerade erst im Preis gesenkt tut auch diese Anschaffung für knappe sechs EURO nicht weh. Pfennigfuchser sollten sich den Weltbildprospekt zu Gemüte führen. Dort gibt es alle vier Hörspiele für einen papierenen EURO Zehner.


Gepflegte Unterhaltung. Nicht mehr und nicht weniger.