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Bernhard von Mutius (Hg.)
Erschienen
Die andere Intelligenz.
Wie wir morgen denken werden
12/2004
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart
336 Seiten / € 24.-
Wir leben in einer Zeit voll Dynamik, Veränderungen, Reformen. Menschen ähneln immer mehr dem berühmten Meerschweinchen im Käfig auf dem Laufrad - ständig rennend doch nicht der Hauch einer Chance, von der Stelle zu kommen. Eingezwängt in die Maschinerie des Alltagsstress kommen wir immer seltener zum Denken, Nachdenken, Andersdenken.

Der Sozialwissenschaftler und Philosoph Bernhard von Mutis hat mit 22 Intellektuelle aus verschiedenen Richtungen ein Buch erarbeitet, dessen Intention es ist "verbindenden Muster der neuen Denkansätze, die über Disziplingrenzen hinaus das Alltagsdenken bereichern könnten und die einen Erkenntnisstand markieren, hinter den man in den Diskursen dieser Zeit nicht mehr zurückfallen sollte" (S.14) zu finden.

Diese Impulse werden dem Leser in Textbeiträgen unterschiedlicher Länge (zwischen zehn und achtzehn Seiten) vermittelt. Auch die Form der Darstellung ist dabei recht variabel. Der überwiegende Teil der Autoren schreibt Einzelbeiträge. Zwei Texte werden im Interview- beziehungsweise im Gesprächsstil wiedergegeben. Mehren Beiträge einleitend vorangestellt - als eine Art visueller Abhebung angedacht - sind auf grauem Hintergrund Zitate berühmter Denker in großen weißen Lettern.

Beim Lesen der "anderen Intelligenz", in die sich unter anderen Philosophen, Literaten, Theologen, Hirnforscher, Psychologen, Mediziner, Volkswirte, Informatiker und Manager eingebracht haben, kommt immer wieder eines zur Sprache: Die Menschen müssten äußeres wie inneres Schubladen- und Ausgrenzungsdenken beenden und eher die seit Jahrtausenden aus dem chinesischen Kulturkreis stammenden ganzheitliche Methode des Denkens annehmen. Nicht das "Entweder-Oder", "Gut oder Böse", sondern das "Sowohl als auch", das "In-Beziehungen-Denken".

Die Herangehensweise der Autoren erinnert an die Hermeneutik, für die Philosophen wie Hans-Georg Gadamer stehen - mit dem berühmten Hermeneutischen Zirkel besagen diese, dass sich im Verlauf von Kommunikation zwei verschiedene Positionen aufeinander zubewegen. Voraussetzung dafür sei allerdings Offenheit für andere Meinungen.

Wie sollten wir also in Zukunft anders denken und gestalten ?

Die Zukunftsforscher Eckard Minx und Harald Preissler sehen im anders Denken einen Prozess, in dem drei Elemente zusammenkommen müssen: "Die Abkehr von Schlagwortgefechten und die gedankliche Erweiterung und Vertiefung der Diskurse; die Akzeptanz von Alternativen anstelle des Glaubens an Sachzwänge; der Mut zu sozialutopischen Geschichten, in denen nicht nur Abstraktionen, sondern wesentlich auch Vorstellungen über reale Lebensbedingungen von Menschen einen Platz haben" (S. 265).

Das Buch endet wie es beginnt. Der Kreis schließt sich mit einem Beitrag des Herausgebers Bernhard von Mutius. Darin wiederholt dieser Kernaussagen des Buches und gibt Auskunft zu dessen Entstehungsgeschichte. Im Anhang finden sich ausführliche Informationen über den beruflichen Lebensweg der Autoren.


Bernhard von Mutius "Andere Intelligenz" ist ein Buch, das für breitere Leseschichten zum Teil schwer zu lesen sein wird. Seine Stärken liegen auf einer anderen Ebene. Deshalb sind es eher die Nachwirkungen, die dem Werk seine Brisanz geben, das Festsetzen von Gedankengänge mit zeitlicher Verzögerung. Dabei sind die Denkansätze und die Idee von der "anderen Intelligenz" weder alt, noch besonders neu - sie sind zeitlos und es gibt sie wahrscheinlich, seit menschliches Bewusstsein vorhanden ist.

Ein Buch für ein mehr Miteinander.