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Erschienen
"Rentier-Cup Racing" auf dem Hockenheimring - Heiner Knallinger in der Rennstadt
12/2004
Es ist nicht einmal ein Jahr her, dass der "Radio-Regenbogen" Comedian Jochen Kneifeld alias "Heiner Knalligner" zuletzt in der Rennstadt zu Gast war. Mitte November trat er zum zweiten Mal mit seinem Programm "Total durchgeknallt live" in der Hockenheimer Stadthalle an, um die Telefongags, die bei den "Radio Regenbogen"-Hörern längst so etwas wie Kultstatus erlangt haben (täglich zu hören zwischen 6 und 10 Uhr), auch denen nahe zu bringen, die nicht ständig "on air" sind. Allerdings hat die Anziehungskraft in den vergangenen elf Monaten spürbar nachgelassen: Während man Ende 2003 noch die Wandelhalle zum Zuschauerraum umfunktionieren musste, reichte es diesmal aus, den großen Saal zu drei vierteln zu bestuhlen. Das mag natürlich auch daran gelegen haben, dass einige Knallinger-Fans das Programm bereits beim letzten Mal gesehen haben; vor allem aber darf man den Grund sicherlich darin suchen, dass sich inzwischen jeder Sender eine Knallinger-Kopie leistet – angesichts all der "Bodo Bachs" und "Paul Panzers" ist mancher Hörer des Telefonstreichs als solchem überdrüssig geworden.

Das ist einerseits bedauerlich, denn Kneifeld, der dem gemeinen Telefonanruf zu einer gewissen Renaissance verholfen hat und diesbezüglich mit Fug und Recht zum legitimen Nachfolger von Ulk-Urgestein Karl Dall gekürt werden darf, kann hier einen absolut unangefochtenen Trumpf ausspielen: Seine unschlagbare Kreativität und Spontaneität.

So hatte er bei seinem jüngsten Auftritt in Hockenheim nämlich zumindest was die Anrufe angeht eben gerade nicht das Programm vom letzten Mal dabei; ganz im Gegenteil hat er dem Spontananruf einen deutlich größeren Raum zugebilligt. Und diese kurzentschlossenen Telefonate, die teilweise aus dem Publikum vorgeschlagen wurden, waren echte Kracher. Um der im Bruchsaler Krankenhaus beschäftigten Schwesternschülerin Marina zu einem Gastauftritt im OP zu verhelfen sprach er – nach einem wahrhaft köstlichen Anruf mit der Krankenhauspforte – dem Chef der Chirurgischen Abteilung, Prof. Dr. med. Hanshelmut Thiele, als vermeintlicher Vater aufs Band ("Isch wees, wu Dei Audo steht!") und der Schwester einer Besucherin hängte er die aufdringliche Urlaubsbekanntschaft „Stephano“ aus Rom an.

Brillant auch Knallingers Anruf bei der Hockenheimring GmbH: Als angeblicher Organisator eines "Rentier-Cup Racing" brachte er die bedauernswerte Frau Hellmann dazu, ihm die Boxengasse samt Boxen zur Unterbringung der Tiere zu vermieten. Der half alles Pokern nichts ("aber die Endreinigung wird nicht ganz billig"), schließlich sagte sie zu, ihr bestes zu geben. Hätte die tüchtige Ringmanagerin nicht zwischen zwei von Knallingers Anrufen PR-Sprecher Tesseraux erreicht, sie wäre wahrscheinlich am nächsten Morgen um acht am Ring gestanden, um die weihnachtlichen Renngetiere in Empfang zu nehmen.

Hier zeigte sich auch einmal mehr der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad, den die Kunstfigur Heiner Knallinger längst erreicht hat: Bei Kneifelds letztem Anruf war deutliches Erzürnen in der Stimme der Gefoppten zu hören, nachdem sie hinter den Scherz gekommen war. Sofort als sie den Namen "Knallinger" vernommen hatte, war die gute Frau aber bereits wieder versöhnt – wer etwas auf sich hält, versteht schließlich Spaß.

Einmal mehr bedauert werden musste allerdings auch an diesem Abend, dass Kneifeld sich nicht auf das zu beschränken verstand, was er wirklich kann. Neben den Telefonanrufen produzierte er nämlich einmal mehr kleine Zwischensketche, die an Plattheit kaum zu überbieten waren: Das stereotype Herbeten tumber Stereotypen mag ohne Zweifel den ein oder anderen Lacher sichern, mit seinen Figuren "Mario aus Monnem" und "DJ Dieter" unterbot er allerdings selbst das schlechteste, was man üblicherweise unter dem Titel "Comedy" präsentiert bekommt: Seichter Witz, einfallslose Performance und billigste Parodien. Ebenso Kneifelds Fahrlehrer-Archetyp "Herbert Kratzer".

Diese völlig unter Niveau auflaufenden Tollheiten hinterließen auch auf der blankgeputzten Knallinger-Ikone ihre Spuren. Leider.


Nach rund zweieinhalbstündigem Programm blieb – wie bereits vor einem Jahr – die Feststellung, dass Kneifeld ohne Probleme die saudummen Comedy-Sketche hätte weglassen können.

Mit seinen Anrufe nämlich ist Kneifeld ein absoluter Knaller, mit dem Rest dagegen allenfalls ein Knallkopf.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.knallinger.de.