2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
„Prometheus Ltd.“ ringt mit Macht und Ohnmacht - Franz Bellmann stellt in Neulußheim aus
12/2004
Er ist nicht nur ein Künstler, er ist ein Lebenskünstler: Der Endfünfziger Franz Bellmann, der Mitte November eine beachtenswerte Ausstellung im Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof" hatte, war in seinem Leben schon so vieles – studierter Bautechniker, Soziologe, Politologe. Sein ganzes Leben lang hat er sich aber ununterbrochen vor allem auch der Kunst gewidmet und schon immer auch künstlerisch gearbeitet.

Diesen Reifegrad kann man – was nicht unbedingt eine logische Folgeerscheinung ist – denn auch jedem seiner Werke, die er unter dem Titel "Von der Macht und der Ohmacht – sponsored by Prometheus Ltd." in seiner jüngsten Werkschau zusammenstellte, entnehmen.

Der seit 1985 mit seinem Atelier in Mannheim ansässige Künstler, der bereits 1972 seine erste Künstlerwikrungsstätte in Karlsruhe gründete und insbesondere in den 1990er-Jahren mit spektakulären Performances einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreichte, liebt die Auseinandersetzung mit seiner Gegenwart und ihren Licht- und Schattenseiten. Insofern ist auch "Macht und Ohnmacht" stets mit deutlich politischem Unterton zu verstehen.

In kräftigen, teilweise grellen Farben widmet er sich den Problemen unserer Zeit: Da ist der "Tod eines Straßenmädchens", der mit einer abstoßenden Teufelsfratze eher negativ geprägte Patriarch in "Trois tetés", dessen Leib aber – den bisweilen schizophrenen Grundcharakter unserer Welt kennzeichnend – die Frau und das Kind in der Unterdrückung auch zu beschützen scheint.

Die "Prometheus Ltd." sei natürlich ein Hirngespinst, so der weltoffene, bei allem künstlerischen Genius völlig bodenständige Denker. Dennoch lässt sich auch in seiner ganz persönlichen Wiederauferstehung des griechischen "Vordenkers", was der Name wörtlich übersetzt bedeutet, die stets in den Realraum hineinreichende Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Sein ablesen: Prometheus, der in der Zeit der Scheidung der Menschen von den Göttern als (einziger) Menschenfreund auftritt, raubt den Göttern das Feuer – damit ermöglicht er erst die Grundlage der menschlichen Kultur, er entreißt Zeus und den Seinen damit aber auch einen Teil der Macht über die bislang ohnmächtigen Menschen. Das Feuer ist dabei auch als Grundlage für irdische Mächte zu sehen: Kriege sind ohne die Gewalt des Feuers kaum vorstellbar. Prometheus wird – auch hier wieder der Gegenstand der Macht – von Kratos und Bia, den Göttinnen der Macht und der Gewalt, gefangen und aufs übelste bestraft: Vögel fressen seine immer wieder nachwachsenden Organe. Doch selbst hier ergibt sich der Menschenliebhaber nicht in sein Schicksal. Durch eine List befreit er sich erneut aus der Umklammerung der Götter.

Nicht verwunderlich also, dass Bellmann mit dem quadratischen, eineinhalb Meter großen Bild von der "Prometheus Ltd." das künstlerische Zentrum seiner Ausstellung schuf: Die vital zu Gesichtern bemalten Dosen erinnerten ebenso wie die beiden Skulpturen, die den Ausstellungsraum deutlich prägten, an seine Zeit als Performance-Künstler.

Diese Vitalität, das bei aller gesellschaftskritische Anklage auch optimistische Schaffen Bellmanns setzt sich auch in allen übrigen Werken fort. Dabei bevorzugt der Künstler, der neben der explosiven Farbe und der sich häufig in ein chaotisch scheinendes Szenario auflösenden Bildgestaltung auch außergewöhnliche Töne wie sattes flächiges Violett einsetzt, als weitere Dreingabe durch einen sehr pasteusen Farbauftrag und ausgeprägte Spachteltechnik eine fast reliefhaft wirkende Strukturierung der Leinwand, die den Esprit seiner Bilder noch unterstützt.


Einmal mehr hat eine herausragende Ausstellung ihren Weg nach Neulußheim gefunden, die ohne jeden Zweifel dazu dienen wird, den ohnedies schon guten Ruf des "Alten Bahnhofs" als Hort der Kunst weiter zu verbreiten.