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Erschienen
Hockenheim verliert Vorreiter in Sachen Kulturentwicklung
12/2004
Das Jahreskonzert des "Orchestervereins Stadtkapelle" Mitte November in der Stadthalle (eigener Bericht) sollte das offizielle Ende der musikalischen Leitung des bisherigen Dirigenten Rüdiger Müller sein. Auch wenn dieser zum Neujahrskonzert noch einmal den Taktstock über "sein" Orchester schwingen wird, um seinem Nachfolger den Einstieg zu erleichtern, mischte sich zur großen Freude über die einmal mehr beeindruckende Leistung der Musiker auch viel Wehmut und es flossen reichlich Tränen.

Müller startete vor rund 20 Jahren seine musikalische Laufbahn am Bariton bei der Stadtkapelle, wechselte allerdings rasch auf das Fagott, das er bis heute meisterlich beherrscht und mit dem er auch weiterhin auftritt.

Über das Verbandsjugendorchester Karlsruhe, das Landesblasorchester Baden-Württemberg und den Gebirgsmusikkorps 8 in Garmisch-Partenkirchen fundierte Müller seine instrumentalistischen Fertigkeiten.

Parallel dazu baute er sich aber auch einen gehörigen Ruf als Orchesterleiter auf. Nachdem er bereits einige Jahre das Jugendblasorchester der Stadtkapelle geleitet hatte, wurde er vor knapp zehn Jahren zum Dirigenten des Orchestervereins berufen. Gleichzeitig studierte das junge Ausnahmetalent Orchestermusik und Musikerziehung an der Musikhochschule Saarbrücken. Nach erfolgreichem Studium absolvierte Müller 2001 den Master of Arts im Fach Blasorchesterdirigieren an der kanadischen University of Calgary.

Seit dieser Zeit ist Rüdiger Müller Freischaffender Instrumental-/Dirigierlehrer und Dirigent für symphonische Blasorchester und leitet neben dem Blasorchester des Orchesterverein Stadtkapelle Hockenheim die Blasorchester in Niederschopfheim, Berghaupten und Mahlberg.

Seiner fundierten Ausbildung hat es die Stadtkapelle Hockenheim zu verdanken, dass sie in den vergangenen fast zehn Jahren einen Quantensprung in der Entwicklung von einer reinen Blaskapelle zu einem reifen, gut aufgestellten, sicheren und ausdrucksstarken symphonischen Blasorchester geschafft hat. Technische Perfektion ist dabei nur ein Augenmerk gewesen, auf das Müller Wert legte. Mindestens ebenso wichtig war ihm die persönliche musikalische Entwicklung jedes einzelnen Instrumentalisten; heute reproduziert der Klangkörper nicht mehr nur die großen Stücke der Weltliteratur, sondern ist auch in der Lage, diesen Werken Seele zu geben und eigenständige Interpretationen anzubieten.

"Er brachte uns dazu, unsere Emotionen in der Musik auszudrücken, Stücke nicht einfach herunterzuspielen, sondern Musik mit dem Herzen zu machen“, so die Vorsitzende des Orchestervereins, Gabi Christ, in ihrer Dankesrede.

Insofern wurde das Jahreskonzert – bei aller musikalischen Qualität – doch auch "ein trauriger Anlass".


Hockenheim verliert mit Rüdiger Müller nicht nur einen begnadeten Musiker und umtriebigen Macher in Sachen Nachwuchsförderung.

Vor allem verliert die Rennstadt mit ihm einen Vorreiter in Sachen Kulturentwicklung, der eine Lücke hinterlassen wird, die auf längere Zeit sicherlich nicht geschlossen werden kann.