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Erschienen
Lyambikos Raum aus Klang, Gefühl und Stimmung
01/2005
Bisweilen gelingt es einigen ganz wenigen in der Szene doch, auch Wunder zu bewirken. So verschaffte der Hockenheimer Kulturmanager Lothar Blank Anfang Dezember im "Pumpwerk" seinen reichlichen Gästen das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben: Wie vor fast auf den Tag genau einem Jahr präsentierte Blank am zweiten der Jazz- und Bluestage eine Kombination aus bodenhartem Opener und anschließend samtweichem Schimmer.

Als Einheizer betätigten sich die "Freygish-Brothers", eine sechsköpfige Formation aus der Region, die – bedauerlicherweise – nur allzu selten gemeinsam auftritt. In ihr sind Top-Musiker vereint, die im Zusammenspiel einen unschlagbar fetzigen, alle Grenzen des Konventionellen sprengenden Sound auf der Pfanne haben. Kein Wunder also, dass sie mit ihrer CD "Shlamasl", einer Sammlung ganz individuell interpretierter Klezmer-Klassiker "in kreativer Schräglage", entsprechenden Erfolg erzielen konnten. In Hockenheim waren die "Freygishs" auf jeden Fall mehr als eine Vorgruppe: Eine Band, in der sich jeder einzelne ohne Scham hervortun kann, in der ein Lömsch Lehmann am Saxophon und der Klarinette zu ungeahnten Höhenflügen ansetzt, die aber auch im Tutti einen enorm tiefgründigen und spannungsgeladenen Sound abgibt, taugt nicht nur zum Steigbügelhalter, sondern macht aus dem Vorprogramm ein eigenes Highlight.

Trotzdem, das war fast mit Händen zu greifen, machten auch die "Freygish Brothers" mit ihrem Auftritt die große Verbeugung für "her Majesty": Wie bereits vor einem Jahr krönte "the most beautiful voice in swing, latin and world jazz" das Festival. Sanft bereiteten ihre drei Instrumentalisten, die – Marque Lowenthal am Klavier, Robin Draganic am Kontrabass und Torsten Zwingenberger an den Drums – durchaus einen eigenen Besuch wert gewesen wären, mit einfallsreichen Spielereien, vor allem aber einer auf den Punkt austarierten Mischung aus feinem Rhythmus und nuancierter Dynamik den Boden für eine der ganz Großen: Lyambiko. Sowohl ihre Musiker, als auch das Publikum, das dem gesamten Rest des Abends in einer Spannung verharrte, die man auch im "Pumpwerk" nur ganz selten zu sehen bekommt, feierten die "Norah Jones aus Thüringen" denn auch wie einen Stern in der Nacht.

Und tatsächlich: Sie verzaubert die Menschen mit ihrem Gesang, mit ihrem Liebreiz, ihrer in allen Kategorien bis zur Perfektion gesteigerten Gabe. Der erste Ton schon nimmt Mann und – man höre und staune – Frau sofort uneingeschränkt ein. Tiefgang, perfekte Intonation, Strahlkraft, Feeling, Groove, Emotion – die Liste, in der die junge Frau die Superlativen belegt, ließe sich endlos fortsetzen. Kein Wunder also, dass sie bereits nach ihrem ersten Album "Out of this moon" einen kometenhaften Karrierehöhenflug erlebte, der mit der zweiten CD "Shades of delight" nur noch in seiner Geschwindigkeit beschleunigen konnte.

An diesem Abend gab sie für all die Gründe, warum das Publikum, die Band und auch die Kritik Lyambiko so abgöttisch liebt, einmal mehr beste Beispiele: Nina Simones rassiger Fetzen "Love me or leave me" gab den Künstlern viel Raum für Spielereien, brasilianische Standards dagegen brachte Lyambiko ganz zart, ganz liebevoll, ganz mit Leib und Seele, wobei sie sich gemeinsam vom irdischen loszulösen schienen und ihr Publikum mitnahmen in einen Raum, der ausschließlich aus Klang, Gefühl und Stimmung bestand. Mit Mose Allisons "Your mind is on vacation" swingten sich die vier auf der Bühne mit massig drive eins, nur um dann mit "I don´t have to got to bed" wieder einen zartschmelzenden Song aus purer Leichtigkeit zu präsentieren.


Auch wenn es in diesem Umfeld von Begeisterung und Freudentaumel kaum zu integrieren ist: Das Publikum sollte der Mannheimer Eichbaum-Brauerei für diesen Abend danken – ohne deren Sponsoring wäre ein Auftritt dieses Kalibers sicherlich nicht möglich gewesen. So aber ist es Lyambiko einmal mehr gelungen, selbst die unempfindlichsten Gemüter zu beeindrucken und in die Augen ihrer Zuhörer den Ausdruck ehrfürchtigen Entzückens zu zaubern.
Weitere Informationen im Internet: http://www.lyambiko.com.