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Erschienen
"Schoofwoll-Unterwäsch" als Aphrodisiakum
01/2005
Als aufrechte, wackere Badener haben wir den Schwaben ja noch nie etwas Gutes nachgesagt. Gelacht haben wir aber über die immer noch ungeliebten Brüder und Schwestern im „Ländle“ schon immer sehr gerne.

Entsprechend durfte es nicht verwundern, dass Mitte Dezember im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" eine ganze Masse an Publikum gespannt auf den Auftritt des schwäbischen Mundartkabarett-Duos "I-Dipfele" wartete.

Seit 1994 sind Sabine Schief und Gesa Schulze-Kahleyß aus Schwaikheim ein wortgewaltiges Doppelgespann. Was einstens als "Zwangsauftritt" bei einer Geburtstagsparty begann, hat sich inzwischen zu vier Programmen ausgelebt, die durchaus einiges in sich haben.

Die Produktion "Reizwäsch" lässt einmal mehr die beiden Standardtypen der beiden quirligen Frauen zu Wort kommen: Emma und Bertha sind zwei rüstige Rentnerinnen von nebenan, die mit immer neuen Geschäftsideen versuchen, der geriatrischen Langeweile zu entfliehen. Dabei bleiben sie auch von ausgefallenen Gedankenblitzen nicht verschont. Dass es im Schwabenländle durchaus "Gebisseinbeißerinnen" geben könnte, die billige dentale Importware aus China für den heimischen Markt "bequembeißen" müssen, kann einen Badener nicht eben verwundern. Ebenso "Schoofwoll-Unterwäsch" als Aphrodisiakum – denen da drüben trauen wir schließlich alles zu. Dass aber auch rüstige Rentnerinnen in der Telesexbranche zugange sind, das lässt selbst uns Badener ins Grübeln geraten.

Mit diesen und ähnlichen Ausflügen ins geschäftsmäßige Grenzensprengen konnte "I-Dipfele" bemerkenswert gut unterhalten. Ist ja auch eine charmante und durchaus an der Praxis orientierte Idee, wenn eine Seniorin mit straßenverkehrstauglichem "Wägele" ("Rentner-Jopper") im McDrive steht und Handzettel für altengerechtes Fastfood verteilt: „Wenns pressiert, glei bassiert – nimms püriert“.

Allerdings muss man auch feststellen, dass das Duo Schief/Schulze-Kahleyß auf ein besonders begeisterungsfreudiges Publikum gestoßen ist; tatsächlich mussten die Freunde des Lachens nämlich auch die eine oder andere Länge hinnehmen – und einen im hinreichend witzigen Umfeld völlig deplazierten umgetexteten Werding-Song "Mein Freund der Baum, er lebt".

Was wirklich zum Brüllen war, das waren die "Schlappgosche" der beiden Protagonistinnen selbst. Wenngleich man zumindest der "Emma" kaum ein Dasein jenseits der Rentengrenze abnehmen mag, so stellen doch beide – vor allem in solistischen, weniger gelungen auch in gemeinsamen Passagen – unter Beweis: "Die Gosch is des natürlichste weibliche Organ". Und was so "ä richtige schwäbische Gosch" diesbezüglich produzieren kann, das ist selbst für den Fachmann bisweilen erstaunlich. Runde zwei Stunden plapperten sich die beiden also von Thema zu Thema, gaben zwischenzeitlich auch die LKW-Fahrerin mit abgebrochenem Scheibenwischer, die Putzfrau und die SM-Veteranin mit "Leder-Muggebatscher", um schließlich ihre Show in einem an Zeiten von „Marrys und Gordys“ Abschminknummern erinnernden angedeuteten Strip zu kulminieren.

Bedauerlicherweise wurde das anfangs durchaus passable Programm gegen Ende eher etwas seicht und bemüht – "I-Dipfeles" "I hän denkt, di reißts vum Hocker. Aber i gäb net uff" kam insofern nicht ganz von ungefähr.


Was bleibt nach einem solchen Abend: Die Erkenntnis, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben soll. Die Gewissheit, dass uns noch ganz wilde Senioren bevorstehen. Und die Bestätigung unseres uralten Wissens: Den gerechten Badener begeistern Schwaben immer mehr – "10 Prozent dätet drin sein".



Weitere Informationen im Internet unter http://www.idipfele.de.