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Erschienen
"Santa Klaus Gaa is coming to town"
01/2005
Es ist mal wieder "Christmas-time in the city" und aus allen Lautsprechern werden die glücklicherweise wieder etwas konsumfreudigeren Deutschen angebrüllt mit wunderherrlicher Weihnachtsmusik. Bedauerlich nur, dass es auf der "Dezember-CD für Einzelhändler" ausschließlich "Jingle Bells", "Little drumer boy" und "White Christmas" zu geben scheint.

Entsprechend genervt reagiert ein stetig steigender Anteil der Bevölkerung, wenn er "Alle Jahre wieder" mit demselben Titel berieselt wird.

Dass auch die traditionelle Musik zur Advents- und Weihnachtszeit noch einen gehörigen Reiz ausstrahlen kann, das hat am vergangenen Wochenende eine musikalische Formation um das Jazz-Schwergewicht Klaus Gaa bei einer "Weihnachtsgala" im Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof" unter Beweis gestellt.

Gemeinsam mit Sängerin Ingrid Schwarz, Christoph Tischmeyer am Saxophon, Josef Zahs an der Gitarre, dem absoluten Ausnahme-Kontrabassisten Hans Grieb und Michael Quast am Klavier präsentierte Gaa "Christmas goes Jazz", ein Programm, das unter Beweis stellen sollte, dass auch gut bekannte Weihnachtslieder beileibe keine "alten Hüte" sein müssen.

Gelungen ist das allerdings nur mit Einschränkungen.

Eines ist unbestritten: Es war ein spannender, ein unterhaltsamer, ein ganz bemerkenswerter Abend, den Gaa und Konsorten ihren Zuhörern bescherten: Warmherzig gesungene Titel wie "Let it snow" (heute bekannt vor allem durch die letzte große Reprise im Bruce-Willis-Streifen "Die hard") aus Tischmeyers Kehle, eine atemberaubende Interpretation von Frank Sinatras "Have yourself a merry little christmas", mit der Ingrid Schwarz, die ansonsten leider nicht immer in allen Lagen Tiefgang und Botschaft in die Stimme legen konnte, in einer tieferen Partie mit einem angenehm erdigen, warmen und natürlichen Ton mit viel Charme punkten konnte und ein ganz entzückendes "Winterwonderland", bei dem Gaa die Trompete beiseite legte und mit einer keineswegs weniger experimentierfreudigen Stimme beeindruckte.

Wenngleich die Jungs auf der Bühne ganz offensichtlich ihren Spaß hatten und dieser ohne jede Frage auch auf das angetane Publikum überschwappte: In einigen Stücken blieben die Musiker in ihren Improvisationen ein wenig stecken. Da lösten sie flugs die weihnachtlichen Originale ab durch eine einfache Aneinanderreihung traditioneller Jazz-Themen. Das war vor allem deshalb schade, weil es wirklich reizvoll wurde, wenn sie sich tatsächlich improvisatorisch mit den Originalen beschäftigten: "Süßer die Glocken nie klingen" in einem ganz neuen Gewandt, "O Tannenbaum" durch Gaas gedankliche Mühlen gedreht – das war, was den Abend wertvoll machte. Da waren die traditionellen Lieder der christlichen Weihnacht nicht mehr ganz so lamettabehängt und prächtig, wie wir das von der Heiligen Nacht kennen – aber mit einem eigenen, eher geheimnisvollen Glitzern.


Die letzte Veranstaltung in diesem Kalenderjahr hat dem Kulturtreff "Alter Bahnhof" durchaus zur Ehre gereicht. Kein Wunder, wenn es heißt "Santa Klaus Gaa is coming to town".