2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Sid Meiers Pirates!
01/2005
Atari, Frankfurt am Main
2 CDs / ca. EURO 45,-
Pirates!



Man, wie lange hat einen dieses Spiel durch die Computerspiel-Vergangenheit begleitet? Tage und Nächte sind an einem vorbeigegangen bei dem Versuch der gefürchteste Pirat zu werden. „Einen Verscuh noch“ und dann zur Schule gehen – das war für viele abendlicher Zeitvertreib. Dieses Spiel reiht sich ein in die Klassikerriege neben „Ports of Call“ und „Defender of the Crown“.

Und wie es das Gesetz der Marktwirtschaft so will, wenn die Jugend von einst erst einmal das große Auto und einen gut gefüllten Bausparvertrag hat, dann kommen die Begleiter der Jugend in irgendeiner Form wieder auf den Markt.

Bei Pirates! geht es um einen jungen Piratenlehrling - den Spieler. Der seglt auf einem kleinen Schiff durch die Karibik und begegnet vielen großen Schiffen der Spanier, Engländer, Franzosen und Holländer. Die kann man angreifen. Dann beginnt eine kleine Seeschlacht, die mit der Enterung des gegenerischen Schiffes und dem Sieg über den fremden Kaptain endete - hoffentlich. So räubert man sich nach oben, erhält Lob von den Feinden der gekaperten und macht sich deren Landsleute zum Feind. Nebenbei gilt es noch einen sagenhaften Schatz und die eigene Familie zu finden.

Das Spiel mit dem verklärten Blick der Jugenderinnerung:

Genauso und nicht einen Deut anders muss eine gelungene Wiederbelebung aussehen! Endlich stampfen die Segler bei den Wenden in den Wellen und endlich kriegen die Gegnerischen Kaptains das was sie verdienen! Da brennt der Ärmel oder der Feind geht über in 3D über Bord. Die Schwertkämpfe sind recht einfach und stellen auch Gelegenheitsspieler nicht vor unlösbare Aufgaben. Aber wer hat sich diese Tanzerein einfallen lassen? Das Herz der Gouverneurstochter zu erobern ist eine schöne Aufgabe, aber höfische Tänze sind in der Realität schon nicht ganz einfach und in Pirates! Definiert sich so das Gegenteil von intuitiv.

Dafür gibt es jetzt bei den immer noch zum Teil sehr langatmigen Segeltörn wunderschöne Wolken und Gewitterfronten. Die ziehen aber ereignislos vorbei – also eher schmückendes Beiwerk.

Und es gibt so viel zu tun als Pirat: Seine Familie finden, Schätze heben, ein gefürchteter Pirat werden – alles was man als Jugendlicher schon einmal versucht und vielleicht auch geschafft hat. Das leben kann so schön sein!

Das Spiel für Menschen ohne Vergangenheit:

Spieltiefe ist was anderes und wer sich die verpixelten 3D Modelle beim Entern anschaut, der bekommt spätestens hier einen Einblick in die Computerspiel-Geschichte. In Jeder Stadt geibt es die selbe Kneipe, der Leute dort sehen sich auch alle verdammt ähnlich und wer länger alass eine Stunde braucht, um alle Kapitäns-Models zu Gesicht bekommen zu haben sollte lieber Mau-Mau spielen. Bei der nett anzusehenden Spargrafik fragt man sich, warum muss da nachgeladen werden? So grobkantig wie sich der Gouverneur und seine Tochter bewegen, das sollte auf einen handelsüblichen Memory-Stick platz finden können. Und wer sich darüber streiten kann, ob die Animationen bei Doom 3 oder bei Half Life schöner sind sollte hier leiber wegschauen.

Man liest, dieses Spiel kann polarisieren. Eine programmtechnische Meisterleistung ist es sicher nicht, aber es hat verdammt viel Charme – auch ohne nostalgischer Verklärung. Und dieses Spiel nimmt sich nicht zu Ernst. Obwohl man sein Schiff richtig aufrüsten kann und auch der intelligente Handel eine Option für das berufliche Weiterkommen eines Piratenlehrlings ist, spätestens beim Tanzen nimmt sich dieses Spiel selbst auf die Schippe.

Und dann wäre da ja noch das sich an Land schleichen bei feindlich gesonnenenStädten oder die Kämpfe an Land – es gibt viel zu erobern: Herzen, Schiffe und Länder.


Computerspielnostalgie wie sie sein sollte.