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Erschienen
Die wahren Abenteuer sind im Kopf: "Blinklichter-Theater" in Hockenheim
02/2005
"Wenn Teddybären träumen", so hieß das neueste Stück, das das Kindertheater im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" am vergangenen Samstagnachmittag vor vollbesetztem Haus bot. Es hätte auch heißen können "Wenn erwachsene Menschen träumen".

Der Puppenspieler und Theatermacher Wolfgang Messner, auch im Musentempel der Rennstadt längst eine feste Größe, hat mit diesem Stück für kleine Menschen ab vier auch viele eigene Erlebnisse verarbeitet: Ein "gestandener Mann" findet durch einen Zufall seinen alten Teddybären Balthasar wieder – der war die ganze Zeit in einer Kiste auf dem Kleiderschrank eingesperrt, doch eine Maus befreit ihn. Plötzlich fängt der kleine Kuschelfreund an zu sprechen und für den inzwischen etwas älteren Kai, dem "die Haare verrutscht" sind, weil auf dem Kopf weniger und dafür im Gesicht als Bart mehr wächst als damals in Kindertagen, ist es wie eine Erweckung: In der ehemaligen Spielzeugkiste sah der große Kai nur "alten Plunder" – "so ist das, wenn kleine Jungs erwachsen werden". Aber mit Balthasar zusammen kann er die ganze grenzenlose Welt der Kindheit noch einmal nachempfinden: Auf dem Regenschirm fliegen sie zusammen zu den Sternen und Kai verwandelt sich – Phantasie sei Dank – flugs in den "Mann im Mond", der putzt und Geschichten erzählt. Der alte Deckel von Mutters Kaffeedose war schon einst der Ritterhelm des tapferen Balthasar und so reiten die beiden Edelleute, die sie auch jetzt wieder sind, gemeinsam aus, um Prinzessin Sauberfee, die ganz frappierende Ähnlichkeiten mit der badputzenden Mutti hat, aus den Klauen des Drachen Dagobert zu befreien.

Und sie finden – auch mehr aus Zufall – Kais ehemaliges Kuschelkissen Samantha wieder, das durch manchen Schrecken der Nacht geholfen hat.

Was "Wenn Teddybären träumen" macht, ist eine Art "Familienzusammenführung", wenn wieder zusammenwächst, was eigentlich nie hätte getrennt werden dürfen. Es ist ein Stück über die Sehnsüchte der Erwachsenen, sich ein wenig von der uneingeschränkten Alles-ist-Möglich-Menthalität der Kindheit herüberzuretten: "Die wahren Abenteuer sind im Kopf". Es ist aber auch ein Stück für die Kinder, das reich ist an Schätzen, lustigen Liedern, bunten Bildern und Geschichten, die so liebevoll aus der phantastischen Welt der kleinen Entdecker entnommen sind.

Inszeniert wird das ganze mit Handpuppen und einem Teddybären in einem einfallsreichen Bühnenbild, das – wie es sich für ordentliches Kindertheater gehört – mit wenigen Mitteln auskommt, die aber dafür umso phantasievoller eingesetzt werden. Eine Spezialität der "Blinklichter", das Schattenspiel, ist ebenfalls wieder eingebaut. Vor allem aber ist es diesmal Messner selbst, der als Archetyp des Erwachsenen in die Szenerie tritt, um in einer Rückbesinnung auf Zeiten, in denen nicht alles an ihm hing, eine wurmlochartige Verbindung zwischen Erwachsenenwelt und Kindheit zu schaffen: Aus dem "Erwachsene spielen nicht mit Teddys" wird schnell wieder ein "Das ist mein Teddybär ohne den ich traurig wär".

Nach diesem intensiven Wiedersehen mit Balthasar und Samantha braucht es eigentlich keiner neuen Symbole mehr: Die beiden Stofffreunde aus Kindertagen werden der eigenen Tochter Lena "weitervererbt" damit die neuen Drei ebenso spannende Abenteuer miteinander erleben können – der große Kai kann jetzt auch ganz alleine wieder Klein sein. Und ist es nicht das, was das wahre Glück des Erwachsenseins ausmacht?


Ein brillant schönes Stück zum 25-jährigen Bühnenjubiläum des "Blinklichter-Theaters", das Wolfgang Messner und sein Partner Wolfgang Ries in diesem Jahr begehen – unter anderem mit einem Theater-Wochenende am 25.-27.02.2005 im Walldorfer Kulturzentrum "Jump". Dabei können alle zu kurz gekommenen auch noch einmal mit "Teddybären träumen".



Weitere Informationen im Internet unter http://www.blinklichtertheater.de.