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Erschienen
"Man lässt ein Lied nicht neben der Garage liegen!" - Die "Stumpfes" in Hockenheim
02/2005
"I hab de Lothar scho gfrogt, ob die Stadthall he isch – dass die alle do hocke!" Was klingt wie die von SETI aufgeschnappten Signale außerirdischer Intelligenzen ist nichts weiter, als der Ausdruck echter Verwunderung einer zur frenetisch gefeierten Kult-Band aufgestiegenen Musiker-Formation angesichts einer offenbar mit mittlerer Gewalt in das viel zu kleine Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" gequetschten Fangemeinde. Und diese Band ist nicht außerirdisch, sondern rein schwäbisch. Betrachtet man sich die Jungs von "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle" allerdings genauer, dann kommen doch wieder Zweifel auf, ob nicht doch die Jungs aus Mountain View zuständig wären: Diese veitstanzartige Musik, die wild pendelt zwischen "Blues und Blüsle", ist jedenfalls mit menschlichen Kriterien kaum noch zu ermessen.

Entsprechend begeistert waren denn auch die Zuschauer beim jüngsten KonzertMitte Januar– wieder einmal. Schon seit Jahren sind die "Stumpfes" eine absolut sichere Erfolgsgarantie; da tat es diesem Konzert auch kaum einen Abbruch, dass das Programm in weiten Teilen bereits bekannt war. Die Formation um Leader Michael "Flex" Flechsler hat Suchtpotential, dem hierzulande das Volk schon völlig verfallen ist.

Mit begeistertem Jubel feierte man denn auch bekannte Gassenhauer wie "Mei Babba war a fauler Hond" oder "Got dia wirklich mit dem Seggl do?!" ebenso, wie die "Stumpfes"-Hymne "Posaune, Tuba, Quetschkommod ond ä Waschbrett mit ere Schell – wenn so was hörsch bisch sicher bei der Zieh- und Zupfkapell".

Es ist eben diese Mischung aus unkonventionellem Instrumentarium, ausgefallenem Liedgut und vor allem feixenden Zwischentexten, die den unnachahmlichen Erfolg der Truppe ausmacht. Umso mehr, als diesmal der "Show" noch deutlich mehr Raum gegeben wurde, als bislang: "Selle" (Marcel Hafner) machte mehr denn je den Pseudo-Koordinator und "Mann mit dem Joschka-Fischer-Gesicht", "Manne" Arnold spielte noch eine Runde mehr sein Spiel "Wer sitzt zuerst mit einem anderen Instrument", vor allem aber Benny "Banano" Jäger avancierte zum heimlichen Star der "Stumpfes". Mal räkelte sich der kleine Bassist lüstern auf seinem Instrument und skandierte ein laszives „I will so sei wia du“, mal nahm er den Viersaiter nach der Manier der Gitarre – was in Spanien normal sei, weil die so klein seien, dass sie sonst nicht an den Hals des Instruments kämen.

Es war diese neue Betonung auf dem Komödiantischen, das für die nicht enden wollende Begeisterung sorgte, was aber bedauerlicherweise auch das ein oder andere "Schmankerl" aus alten Tagen verkümmern ließ. Zwar gab es wieder selbstgeschmierte Brote für die Pause, doch kam das legendäre Schellenwaschbrett nur zweimal, das sagenumwitterte Plastik-Saxophon gar nicht zum Einsatz. Dem treuen Fan mag das Herz ein wenig geblutet haben – doch wurde er schnell verarztet mit einigen neuen Liedern, die zwar immer nur kurz angespielt wurden, die aber neugierig machen auf die neue CD "Sei wie Du": Mit einem augenzwinkernden "des brauch i alles irgendwann ganz gwiss" rückten sie in "Handtasche" einem der letzten Geheimnisse dieser Erde zu Leibe, bevor mit "Ha zum Fisch ghert ä Bier" der Reigen musikalischer Persiflagen eröffnet wurde. "Quantanamera" wurde bei den "Stumpfes" dann zu "I gang jetzt nauf und hol’s G’wehr na" und der "Notting Hill"-Titel "Love is all around you" zu "Koina isch so wia moi Modda". Dabei kopieren die Stumpfes nicht einfach einen fremden Titel, nein, sie holen die Musik, die man nur uns Deutschen – vor allem denen um "Bopfingen am Ipf" - geklaut hat ("Man lässt ein Lied auch nicht neben der Garage liegen!"), wieder heim.


Minutenlanger Beifall, ausdauernde "Zugabe"-Rufe und unablässiges Getrampel zwangen die Vier ein ums andere Mal auf die Bühne zurück – wo sie ihr Versprechen vom letzten Konzert einlösen konnten und "In the Jungle" wieder einmal in ein "Bemberle"-Wehklagen verwandelten.

Dann jetzt schon auf ein Neues im kommenden Jahr!



Weitere Informationen im Internet unter http://www.stumpfes.de.