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Erschienen
Killen ist menschlich - Detlev Schönauer in Hockenheim
03/2005
"Es is wie mit de Kakerlake – Saarländer trifft man überall". Was klingt wie eine Mischung aus Kant und "Brehms Tierleben" ist in Wirklichkeit eine der – mitunter zu lapidaren – Feststellungen des aus dem Saarland herüber geeilten Kabarettisten Detlev Schönauer. Einmal mehr gab er Ende Januar im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" den "Jaques", einen aus Paris ins beschauliche Saarbrücken exilierten Bistrobesitzer, der diesmal richtig "Palaver" an der Backe hatte: Zuerst geht die gute Lisbeth über den Jordan und dann wird beim Leichenschmaus – bekanntlicherweise dem schönsten Fest im Leben des Saarländers – auch noch Pastor Engelbrecht mittels vergifteter "Schnittscher" ermordet.

Folgerichtig hat Schönauer sein neuestes Programm "Mord in Jaques Bistro" mit einem reißerischen "Killen ist menschlich" überschrieben.

Der in eine etwas konstruiert wirkendee Story eingebettete "Mitmach-Krimi", bei dem "Jaques" gemeinsam mit seinem Publikum, das den Rennstadt-Musentempel bis auf das letzte Plätzchen füllte, auf Mörderjagd ging, hatte bedauerlicherweise wenig Reiz und schien doch eher auf einer modischen Welle mitzuschwimmen. Dennoch kam Schönauer in seinem rund zweistündigen Programm immer wieder darauf zurück, wenngleich seine tatsächlichen Stärken auf ganz anderen Gebieten liegen. Der studierte Physiker, Kirchen- und Orchestermusiker hat ein besonders feines Gespür für die menschlichen Abgründe, die sich in der lange tradierten Feindschaft zwischen den einzelnen deutschen Stämmen auftun. So versteht er es meisterlich, die Pfälzer gegen die Saarländer, die Schwaben gegen die Badener und eigentlich jeden gegen den anderen aufzubringen. Die einen "kennt kein Wutz": Immerhin ist das Saarland "wie Luxemburg – nur das Gegenteil". Die anderen lassen sich erst gar nicht verstehen ("Ich hab gedenkt, die spreche Deutsch – is aber in Wirklichkeit so ein Art Bantu-Dialekt") – kein Wunder also, dass Schönauer zwischen der Pfalz und dem Saarland die "Grenz zwischen Genie und Wahnsinn" ausmacht.

So plappert sich der hochdekorierte Kabarettist durch den Abend, bleibt bei keinem Thema richtig, lässt aber alle Fragen zu. Der "Tatort" wird ebenso gewürdigt ("Wenns kein Tatort gäb, müsste mir uns das blöde Politikergeschwätz bei der Christiansen schon um viertel nach Acht anhöre") wie der allzumenschliche Gang aufs "Stille Örtchen", von dem auch Bundeskanzler und Papst nicht verschont sind. Ganz nebenbei klärt man dann noch die beiden Morde auf und hat die Schuldige im Sack.

Bedauerlich ist, dass Schönauer dabei so zwanghaft an seinem "Jaques" festhält. Die wirklich brillanten Passagen des Programms bestreitet er nämlich eben gerade nicht in dieser Rolle des allwissenden aber etwas tumben Franzosen. Ganz im Gegenteil. Wenn Schönauer ab und an versehentlich aus dieser Kunstfigur fällt und einfach nur der original Saarländer mit Pfälzer Wurzeln ist, dann kommt er am glaubwürdigsten. Und am witzigsten. "Oh, isch hans mol mitgenomm – bevor dass ´s wegkommt" ist doch eine ebenso typisch saarländische Haltung, wie das Ergebnis des permanenten "Frickelns": "Sieht beschisse aus, aber es halt".

Wenn er sich mehr auf dieses Talent und auf seine durchaus beachtlichen musikalischen Fertigkeiten besinnen würde, dann könnte er sich wilde Dialekt-Reigen sparen, die schön gedacht aber weniger schön gemacht für die ein oder andere Länge im Programm sorgten.


So bleibt nach zwei Stunden "Jaques Bistro" nur ein Saarländer Resumee: "Oh leck – Pfthhh. Jo".



Weitere Informationen im Internet unter http://www.schoenauer.de/.