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Erschienen
Den Geist der grünen Insel zum Geschenk
03/2005
Torffeuer im offenen Kamin, durch die Dämmerung strömen Männer und Frauen in eine Hütte, die nach außen noch so kärglich aussehen mag – die in Wirklichkeit aber einen der größten Schätze birgt. Denn wenn einer der Männer eine Fiddle dabei hat und eine der Frauen dazu anfängt zu singen, wenn man die Türe aushängt, um darauf traditionellen Stepp zu tanzen und nach und nach alles in diese ursprüngliche Form des Vergnügens einfällt, dann ist es ein wahres Geschenk.

Folgerichtig haben Ursula und Frank O’Keeffe ihr neues Programm, das sie ende Januar im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" brachten, "Fairing" genannt, ein vom irischen féirín (Geschenk) abgeleitetes Wort, in dem die deutsch-irische Zusammenarbeit der beiden zum Ausdruck kommt: Zwischen der Frau, die das irische Blut und den irischen Geist mitbringt und dem Mann, der zumindest mit dem Herzen schon ganz Ire ist. Die Musik ihrer Heimat Kenmare im County Kerry, der weiten Hills darum und vor allem den besonderen Sound von Sliabh Luachra, einer sagenumwitterten, lange Zeit in einer Art gesellschaftlichen Inseldasein sich entwickelnden Region, die zu den ganz besonderen Brutstätten traditioneller irischer Musik zählt, pflegen die beiden Musiker in einer ganz ungewöhnlich naturbelassenen Form zu präsentieren: Ungekünstelt, unangepasst, unkonventionell. Sicherlich ist es insbesondere diese außergewöhnliche Darreichungsform, welche die O’Keeffes zu einem Geheimtipp ausschließlich für echte Irland-Fans macht. Sie lassen viel von dem besonderen Geist der grünen Insel auferstehen, geraten allerdings auch sehr leicht in den Geruch beschaulicher Familiennachmittage, bei denen jeder alles "vorführen" darf. Brillant sind beide zumindest an den meisten ihrer zahlreichen Instrumente: Ob Frank zur Mandola oder Ursula zu den Uilleann Pipes greift, ob die Gitarre und Tin Whistle kombinieren – immer wieder kommen bezaubernde, neue Kombinationen heraus, die den eigentümlichen Charakter, der der grünen Insel anhaftet, unterstreichen. Gleiches gilt für die Lieder aus Ursulas Mund: Eine zwar unverblümte, dafür aber auch unberührte Stimme, in der Emotion und Tiefe weiten Raum greifen können.

Schwieriger wurde es, wenn Frank zur Fiddle griff oder sang oder Ursula kleine Tanzeinlagen lieferte: An diesen Stellen gewann der Abend für manchen Gast einen zu deutlichen Hauch von Volkshochschule, war nicht mehr nur ungestelzt, sondern schlicht und ergreifend zu laienhaft.

Der Irland-Kenner und –Liebhaber dagegen fühlt sich gerade durch dieses "Jeder für Jeden" an die Traditionen der unzähligen Treffen im Freundes- und Bekanntenkreis erinnert, an Geschichtenerzählen und gemeinsamem Musizieren, bei dem es nicht auf die Kunst, sondern ausschließlich auf den Geist ankommt.

Den haben die O’Keeffes perfekt eingefangen: Mit reizvollen Dias der Landschaften und Charaktertypen, die die Lieder jeweils beschrieben, ließen sie "Dingle Bay", "Mount Massey", "Kingwilliamstown", die "Cliffs of Dooneen" oder die wilde "Kitty Magee" sehr nah kommen, in Liedern, in Anekdoten, witzigen und auch nachdenklichen Geschichten und eben auch in Bildern.


So wurde der Abend im Pumpwerk ohne Frage ein Scheideweg für die Irland-Liebhaber und die reinen Irland-Urlauber. Und ein Beweis dafür: Irland ist keine Gegend, sondern ein "state of mind", eine Geisteshaltung.