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Erschienen
Vive l’accordéon: Lydie Auvray in Hockenheim
03/2005
Mit geschlossenen Augen durchlebt sie jeden ihrer Töne, verleiht den Melodien Flügel und schickt sie mit aller Wärme auf die Reise direkt in die Herzen ihrer Zuhörer: Wieder einmal machte Lydie Auvray, die "Grande Dame" des Akkordeons, im Hockenheimer Pumpwerk Station, wo sie bei ihrem Auftritt Ende Februar erneut eine treue Schar wirklich vernarrter Fans gefunden hat, die schon lange im Vorfeld für ausverkauftes Haus gesorgt hatten und den Musentempel bis auf den letzten Platz füllten.

Seit inzwischen 28 Jahren ist die in der Normandie geborene Künstlerin unterwegs, immer wieder als Begleitung großer Namen wie Klaus Hoffmann, Hannes Wader und Reinhard Mey, seit 23 Jahren aber auch gemeinsam mit ihrer eigenen Band, den "Auvrettes" und mit ihrer jüngsten, der 16. CD "Pure", nun endgültig auch einmal ganz allein.

Wobei "allein" bei Lydie Auvray ein irreführender Ausdruck ist: Zusammen ist sie immer mit ihrem Instrument, zu dem die Endvierzigerin eine Art symbiotische Beziehung unterhält. Wenn sie sagt, sie wolle zeigen, was in einem Akkordeon drinstecke, dann müsste man richtiger sagen: Sie zeigt, was sie aus dem insgesamt eher wenig beachteten Instrument, dem "Klavier der Armen", herausholen kann.

So verzauberte sie einen ganzen Abend lang die Hockenheimer Fans, die trotz der Enge, die sie ins "Pumpwerk" getragen hatten, mit einer unglaublichen Konzentration lauschten – keinen Ton verpassen, keine Nuance versäumen, alle Geschichten hören und alle Gefühle spüren.

Das ist, was die Auvray so einzigartig macht: Sie entlockt dem Knopfakkordeon einen so gewaltigen, einen so mitreißenden Ton in unbeschreiblicher emotionaler Tiefe und mit so viel Botschaft, dass sich jedes Wort eigentlich erübrigen würde. Wenn sie dennoch ab und an auch singt, dann dient das allein, um die Geschichten, die Lydie in Tönen erzählt, noch weiter auszumalen.

So plauderte sich diese Frau, die so unkompliziert mit ihrem Publikum umgeht, wie sie das auch umgekehrt gestattet, durch ein abendfüllendes Programm mit den leisesten, zartesten Tönen, die das Instrument hergibt bis zu den lebenslustigsten Tänzen in altbewährte Musette-Tradition. "Feuilles mortes" und "Guinguette" können dabei als durchaus neugierig machende Vertreter von der neuen CD – also Lydie allein – betrachtet werden, die dem "Balg", wie sie selbst zu sagen pflegt, einen weiten Raum gewähren.

Aber auch wenn sie mit ihrer Band zusammenspielt, dann transportiert die Auvray eines in überreichem Maß: Lebensfreude pur!

Ob es mit dem "Tango Taquin" ist oder mit der – entsprechend vor Esprit sprühenden - Hommage an die Freundin Elke Heidenreich "Für Else", mit dem lasziv umschmeichelnden "Tango des amants" oder dem der kleinen Tochter Cannelle im Kampf gegen Vorurteil, Hass und Verachtung "von Deiner Schokoladenhaut" gewidmeten "J’ai rêvé": Lydie Auvray trifft immer den rechten Ton. Das mag ohne Frage auch für die technische Seite gelten, für die enorme Fingerfertigkeit, für die Perfektion im Umgang mit dem Instrument, vielmehr noch aber für den Tiefgang, für das Spiel mit dem Herz und für die Sinne – diesbezüglich ist sie eine Zauberin.


So brachte es der Jubel zwischen den einzelnen Stücken und ein nicht enden wollender Schlussapplaus auf den Punkt: "Moi je vous dis: Vive l’accordéon. Bien sûr je ne parle qu’en mon nom". (Ich sage Euch: Es lebe das Akkordeon. Aber natürlich spreche ich nur für mich.)



Weitere Informationen im Internet unter http://www.lydieauvray.de/.