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Erschienen
Erfolg für die "kleine dicke Ritterin" in Hockenheim
04/2005
In einem fernen Land weit weit weg kommen die Fragen der Emanzipation auf eine ganz neue, äußerst eindrucksvolle Art und Weise auf die Tagesordnung, wie an einem Samstag Nachmittag Anfang März ein "ganzer Stall voll Kinder" im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" erfahren durfte: Lillibeth, die Tochter des Ritters Erkenfried, hat überhaupt keine Lust auf Heiraten, Kinderkriegen und ein "und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute glücklich und zufrieden zusammen" – sie will lieber in die Fußstapfen von Vater und Opa treten und Heldentaten vollbringen. Nun hat sie die Natur nicht eben mit den besten Voraussetzungen ausgestattet: Sie war ein wenig zu sehr den Schokoladenkuchen der Mama zugetan und überhaupt war sie - ein Mädchen. Können denn Mädchen Ritter werden?

Für Lillibeth keine Frage: Sie können nicht. Aber dafür Ritterin!

Sie macht sich auf in fremde Länder, durch Urwälder und Vulkanlandschaften, in die hintersten Eckenn der Erde und sogar durch Hockenheim. Schließlich will sie Prinzessin "Rosabella die Schöne", die aus ihrer Heimat, dem Land der kleinen Leute, entführt worden ist, retten.

Klar, dass sie dabei in mache Gefahr gerät, aber sie hat ja vom Opa noch das Handbuch "Wie werde ich Ritterin?" – und ein Schwert, das im Notfall den rechten Weg weisen kann. Vor allem hat die kleine Dicke aber einen klugen Kopf und viele kleine kluge Helfer im Publikum – wer braucht da Macht und Stärke?

So erlebt sie, dass Drachen manchmal ziemlich nett sind und Zauberer meistens ziemlich dumm – wenn sie einen durch Ritterinnenhand veränderten Zauberspruch vorlesen und sich selbst in Zwergspitzmäuse verwandeln.

Am Ende rettet sie natürlich die Prinzessin, bringt der Drachin ihr Junges zurück und wird vom stolzen Papa doch noch ganz offiziell zur Ritterin geschlagen.

Das Kindertheaterstück "Die kleine dicke Ritterin" ist vor allem anderen zunächst einmal eine ganz bemerkenswert liebenswerte Geschichte – eine vom Älterwerden, eine vom Spaßhaben, eine von Vorurteilen, von Freundschaften und vor allem eine davon, dass jeder alles kann, wenn er nur will. Doris Batzler, die mit ihrem "Theater Fannys Nachf." mit den Stücken um die "Kleine Hexe Wackelzahn" nach wie vor große Erfolge feiert und daneben auch "Theater für Erwachsene" im Programm führt, hat in eine einfach angelegte Geschichte viele spannende Elemente gepackt: Den Drachen, in dessen Augen man überallhin auf der Welt sehen kann, oder den Zauberer "Grimmbart" mit der schwarzen Hand, der nicht nur Rosabella, sondern auch ein Drachenei stielt, um aus allen Landen das Lachen zu verbannen.

Ebenso liebevoll und detailverliebt das Bühnenbild: In einem riesigen Buch verstecken sich dreidimensionale Bühnenbilder, durch die sich die kleine dicke Ritterin in vollem Ritterornat hindurcherzählt – Knalleffekte und Vulkanrauch inklusive. Dabei bindet sie die kleinen Zuhörer immer wieder ein, ist richtiggehend von ihnen abhängig, wenn sie nach neuen Ideen für ihre vielen Probleme sucht. Und die Kleinen helfen natürlich gerne – bisweilen muss Batzler die Ritteranwärter im Publikum gar zurückhalten, weil denen immer wieder neue Ideen kommen und sie der Story bisweilen einen Schritt voraus sind.


In rund einer Stunde entfaltet Doris Batzler vor den Kindern und den Erwachsenen eine anrührende Geschichte in bunten Bildern und kessen Szenen und mit Hilfe der Kinder kann sie alle Zauber brechen: "Es ist unheimlich wichtig, gute Freunde zu haben".



Weitere Informationen im Internet unter http://www.doris-batzler.info.