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Erschienen
Einblicke in das gefühlsmäßige Sein - Katja Hess im "Alten Bahnhof"
04/2005
Das Kulturzentrum "Alter Bahnhof" in Neulußheim hat sich in den vergangenen Jahren einen ganz besonderen Ruf in der regionalen Kunstszene erarbeiten können: Die Räume sind trotz einiger verbesserungswürdiger Details in der Beleuchtung wie geschaffen für die Präsentation künstlerischer Werke – atmet der Raum selbst doch einen ganz eigentümlichen, einerseits gemütlichen, andererseits optimistischen Odem. Der längst zum "Neulußheimer Kunstpapst" avancierte Wolfgang Treiber kann deshalb nicht ohne Grund immer wieder ganz bemerkenswerte Künstler für Ausstellungen in den altehrwürdigen Räumen gewinnen.

Mitte März stellte die Heidelberger Künstlerin Katja Hess rund 40 Werke aus ihrem breiten Schaffen aus. Dabei wählte sie bewusst und aus aktueller persönlicher Neigung ausschließlich Acrylbilder ihrer jüngeren Schaffensperiode aus, die sie unter dem Titel "Landschaften", der in seiner inhaltslosen Sterilität die einzige Schwäche dieser beeindruckenden Werkschau darstellte, zusammen.

Besonders fesseln konnten die in klassischer Aufteilung und einer Art "modus vivendi" daherkommenden "Roten Landschaften", in denen ein glühendes Land, ein geheimnisvoller, feiner, lockender, in jedem Falle aber verheißungsvoller Horizont und darüber weit gespannt der Äther, der mal auf aufgewühlte Weise lebendig und belebt, mal sphärisch und klar in unzähligen Abstufungen von Weiß, Grün, Rot und Gelb krönend wirkte, eine nur vorläufig wirkende Zusammenstellung bilden.

Dabei zentriert Hess das sehende Auge auf die an der Nahtstelle zwischen Himmel und Erde entstehende Vibration, die das harsche Zusammentreffen der Elemente auslöst.

Die Malerin, die zunächst als Germanistin und Anglistin fast 25 Jahre an einem Heidelberger Gymnasium unterrichtete und erst nach Studienaufenthalten an der Art School Ewijkshoeve und an den New Yorker Instituten Cooper Union School und Art Students League (berühmte Absolventen unter anderem Jasper Jones und Roy Lichtenstein) 1997 ihrer schon seit der Kindheit bestehenden und immer wieder aufflammenden Neigung zur bildenden Kunst nachgab, hat sich inzwischen von der Form weitgehend gelöst: Ihr Hauptaugenmerk gilt mehr der Atmosphäre als der inhaltlichen Bedeutung, mehr der Stimmung als den Stimmen, mehr dem emotionalen Wertgehalt des Gesehenen als dem Geschehen selbst. In enger Anlehnung an die Spätimpressionisten gelingt es ihr durch ihre staccatoartige Malweise, die erst mit einem gewissen Abstand auch den gemalten Gegenstand enthüllt, die Essenz ihrer Objekte herauszuarbeiten.

Die Modulation der Empfindung tritt insbesondere bei dem aus Einzelgemälden zusammengefügten, in dieser Ausstellung aber perfekt zu einem Gesamtwerk inszenierten Zyklus "Himmel und Erde" zutage: Zwölf quadratische Tafeln, die wie in einem Kaleidoskop aus der Landschaft gebrochene Stimmmungsbilder zu einem packenden Eindruck vereinen. Sie malt mit wenigen Elementen, die in unzählige Einzelteile zerfallen, Bilder hin, die auf das Elementare reduziert sind, die aber das Auge des Betrachters in ihren feinen Strukturen, den Farbnuancen und Tönen gefangen nehmen – die wahre Landschaft entsteht erst im Kopf des Rezipienten.

"Atmosphäre pur" vermittelten denn auch die Bilder "Nebel I" und "Nebel II": Fein heben sich die Schwaden aus dem nur angedeuteten Wald, die "gefühlte Situation" ist perfekt festgehalten.

Überhaupt entdeckt Katja Hess hierin ihre einzigartige Stärke: In der Stimmung, im emotionalen Status, im gefühlsmäßigen Sein.

Dabei traf einmal mehr das Empfinden, dass der "Bahnhof" für manche Künstler einfach zu klein ist: Nicht nur, weil die rund 80 Besucher der Vernissage am Freitag Abend den Raum zu sprengen drohten, sondern auch, weil man gerne noch viel mehr Hess gesehen hätte.


Denn an Katja Hess Werken kann man sich kaum sattsehen – gibt es ein größeres Kompliment für einen Künstler?!



Weitere Informationen und eine beachtliche Auswahl an Abbildungen der Werke Katja Hess im Internet unter http://www.katjahess.com.