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Erschienen
Leipziger Buchmesse Tagebuch (1)
04/2005
Freitag 6 Uhr 30. Ein kurzer Blick aus dem heimischen Schlafzimmerfenster zeigt, dass die Fahrerin den Zeitplan verdammt ernst nimmt. Statt „so kurz vor sieben" also halb sieben, zu kurz nach dem ersten gequälten Blick in die aufgehende Sonne und noch vor dem Gang ins Bad. Nach einem halb geröchelten „Guten Morgen", einem kurzen Besuch der Zahnbürste im eigenen Gesicht, der erste, angsterfüllte „Hallo Wach" Moment bei dem Gedanken an sechs Stunden Fahrt zu viert im für japanische Verhältnisse geräumigen Twingo. Aber auch die gingen vorbei.

Dann endlich die Kulturmetropole der neuen Bundesländer Leipzig. So viele mit dicken Holzbohlen verbarrikadierte, verfallenen und vergammelte Altbauten kennt man sonst nur aus dem Fernsehen. Jetzt also das Gegenteil von Wohnraumknappheit und zwischendrin hochmoderne aber genauso leer stehende Hightech-Abschreibungsobjekte. Aber nett sind die Leute und schon das Sicherheitspersonal begrüßt einen im heimischen Idiom und sofort kommen in den DDR erfahrenen Mitfahrern ein Gefühl von Jugend und Heimat auf.

Die Messe ist am Freitag noch sehr ein Hort der Entspannung. Die mit Literatur gequälten Horden nachwachsender Jäger und Sammler haben sich schon die Hallen der Bildung mit prall gefüllten Taschen verlassen. Ausgiebig Zeit bekannte Gesichtern zu erkennen und über die und das mit Leuten zu erzählen, die man halt nur auf bedeutenden Veranstaltungen der Comic Gemeinschaft trifft.

Ehapa hat den sehr lesenswerten „Killer" Band eins stapelweise verteilt. Da werden wenigstens die Mülleimer gute Comics im Großraum Leipzig erfahren. Denn da landen für gewöhnlich die meisten der erbeuteten Drucksachen, die auch gerne im Zehnerpack die ebenfalls eingesammelten Besuchertragetaschen füllen. Bei Tokyopop gibt es die bekannten Traubenzucker-Lutscher, ein willkommener Energieschub. Den brauchen dann auch die bewegungswilligen Mangaleser, die sich beim Twister für kostenlose Taschenbücher verbiegen.

Was in Leipzig auffällt, ist der Platz, dem man dem Comic einräumt. Breite Gänge und überall Flächen für lesewilliges Publikum. Dazu zwei große Veranstaltungsflächen und ein Anime-Kino. Da gabs dann am Abend ein Gläschen Freibier für die Aussteller. Angenehmer Service. Was fehlte waren die Mangaleser, die man meist in großen Massen und sehr gedrängt aus den Pressebildern der Messe kennt.

Aber warum ist es im Osten so verdammt viel kälter als in der heimischen Nähe der französischen Grenze, die einem zu leichter Bekleidung beim Packen des Koffers verleitete? Aber da muss man durch und auch um Mitternacht gibt es noch genügend sehr freundliche Einheimische in der Leipziger Innenstadt, um selbst nach mehrfachem „ich weiß wos hingeht" trotzdem die angemietete Unterkunft zu finden. Nur die Sprache ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. „Weimöööööö" und „Laibzsch" – ein ereignisreicher Tag endet bei einer Partie Zombieschlachten als Brettspiel.


Lange Fahrt und eine ruhige Messe, angenehm. Vor allem viel Platz.

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Die Bildergalerie: