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Erschienen
Le Clou: Schmerz und Lebensfreude in musikalischer Einheit
05/2005
"Verite", Wahrheit, heißt das 12. Album der aus dem Rheinland und dem Elsass stammenden Musikerformation "Le Clou", die Mitte März im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" ihr Gastspiel gab. Ein verwirrender Name, wenn man bedenkt, dass es kaum möglich ist, die Musik, die die fünf Mann von sich geben, in irgendwelche Kategorien einzuordnen: Sie machen "Cajun", eine Musik irgendwo zwischen Folk, Blues, Rock- und Popkultur, die eben noch hemdsärmlig-bissig daherkommt und mit donnernden Beats auf das Publikum einhämmert, im nächsten Moment aber schon sehnsuchtsvolle und melancholische Züge trägt. Dieser unaufhörliche Taumel zwischen ungebremster Lebensfreude und tiefsinniger Nachdenklichkeit kommt nicht von ungefähr, ist "Cajun" doch ursprünglich die Bezeichnung einer frankophonen Bevölkerungsgruppe im US-Bundesstaat Louisiana, wohin die Acadiens im 18. Jahrhundert von den Atlantikprovinzen Kanadas vertrieben wurden. So vereinten sich der Schmerz über die verlorene Heimat mit den Chancen eines Neubeginns und den in den Sümpfen des Mississippi-Deltas vorgefundenen kulturellen Gegebenheiten zu einer musikalischen Zerrissenheit, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat: "Cajun Swamp Groove" nennt "Le Clou" das selbst.

Seit Mitte der 1970-er ist die Truppe bereits Botschafter der frankophilen Musikdelikatesse, seit dem Durchbruch 1982 in dieser Besetzung, die es wirklich in sich hat: Neben Gero Gellert am Bass und dem Drummer Ralph Schläger ist es vor allem das musikalische Dreigespann Michel David, Yves Gueit und Johannes Epremian, die den faszinierenden Charakter der Band ausmacht. Unterschiedlicher könnten die Drei zwischen 40 und 60 kaum sein: Hier der humorvolle Epremian, der an der Fiddle den Teufelsgeiger gibt und dazwischen aus der Slide-Gitarre das klassischen Südstaaten-Feeling herauspresst, dort der ruhige Gueit, dessen Cajun-Akkordeon so viel wendiger ist, als das große Pendant und dessen zahlreiche Blasinstrumente vom Saxophon über die Bassflöte, die Klarinette bis zur Tin-Whistle viel zum besonderen emotionalen Tiefgang der Musik beitragen. Dazwischen die erdig-raue Stimme Davids, der die Schlaggitarre gerne mal mit dem Waschbrett vertauscht und dessen französischer Charme binnen Sekunden die Herzen der Zuhörer erobert.

So unterschiedlich die Frontmänner von "Le Clou" sein mögen, so schlafwandlerisch ist ihre musikalische Übereinkunft: Vereint produzieren sie Klänge, deren enormer Rhythmus derart zielsicher durch Mark und Bein geht, dass sich auch bei diesem Auftritt wieder kaum einer der rund hundert Gäste ruhig auf dem Stuhl halten konnte. "Wir machen Tanzmusik", stellten sie grinsend fest und gaben dann ordentlich Gas: Der Titelsong der neuesten CD "Verite" hämmerte den Südstaaten-Drive ins Publikum, mit massig Fiddle und einem drängenden Akkordeon heizten sie mit "Mamon two Step" gründlich ein. Dazwischen – hier sind wir wieder bei der Undurchschaubarkeit und Unberechenbarkeit des Cajun – streute die Band, die bereits zwei Mal mit dem "Preis der deutschen Schallplattenkritik" ausgezeichnet wurde, ihren Chart-Stürmer "Le Printemps Cadien", einen sehnsüchtigen Instrumentaltitel, den vor allem Yves Gueit an der "Okarina", einer kleinen Tonflöte, die wahrscheinlich bereits von den Maya, Inka und Atzteken benutzt wurde, hochemotional auflud.

Bedauerlich an diesem durch und durch rassigen Konzert war allein die Tatsache, dass der Soundmix nicht so ganz gelingen wollte: Zu laut vertrieb er einige Zuhörer aus den vorderen Reihen und insgesamt gingen die Einzelinstrumente in einem undifferenzierten Brei unter. Vielleicht hätte man den Ton lieber Michael "Volli" Vollendorff überlassen sollen, der das "Pumpwerk" schon so viele Jahre auch in tontechnischer Hinsicht kennt, statt auf einen mitgebrachten Techniker zu setzen.


Seis drum, der Stimmung tat es insgesamt kaum einen Abbruch: Der Saal brodelte unter den mitreißenden Beats, das Publikum hielt den Atem an bei den ruhigen und gefühlvollen Stücken – Cajun eben.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.leclou.com.