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Heinz Dieter Kittsteiner
Erschienen
Mit Marx für Heidegger -
Mit Heidegger für Marx
05/2005
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn
240 Seiten / € 24,90
Denker und Philosophen unterschiedlicher Jahrhunderte zusammenzuführen ist eine schwierige und gewagte Aufgabe. Heinz Dieter Kittsteiner versucht die Philosophien Karl Marx und Martin Heideggers miteinander zu verbinden. Dabei ist ihre Wirkungsweise unterschiedlicher, als man gemeinhin annehmen wollte.

Karl Marx diente - gewollt oder nicht - als geistige Legitimation einer sozialistischen/kommunistischen Bewegung, die weltweit Anklang fand und zum Teil noch findet, während Heideggers Wirken über akademische Kreisen hinaus kaum wahrgenommen wurde - wenn er überhaupt verstanden wird. Ein weiterer Unterschied besteht ferner darin, dass Heidegger glaubte, die Erfüllung zum Denken im Nationalsozialismus zu besitzen und den "Führer" führen zu können. Der Nationalsozialismus heideggerscher Prägung sei, wie Kittsteiner deutlich macht, nicht mit dem Hitlers identisch und der Denker aus der badischen Provinz habe relativ schnell den Irrweg, auf dem Adolf Hitler sich bewegt habe, erkannt.

Was aber ist Marx und Heidegger gemeinsam? Zuallererst das Empfinden des Lebens in einer geschichtlichen Krisenzeit was bei Marx zur Selbstentfremdung des Menschen, bei Heidegger zum Geworfensein des Menschseins führt. Bei Heideggers Krisendenken spielen dabei die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges eine zentrale Rolle. Der Mensch stehe nun nicht mehr im Sinne des Philosophen Wilhelm Dilthey im Einklang mit der Geschichte. Beide übten in ihren Schriften Zivilisationskritik und fragten nach dem Sinn von Sein und Leben.

Kittsteiner, Philosoph und Kulturwissenschaftler an der Universität Frankfurt/Oder präsentiert in diesem hochwissenschaftlichen und mit Fußnoten übersäten Werk Lebenswirklichkeiten der beiden berühmten deutschen Denker. Insbesondere Heideggers Verhältnis zum Nationalsozialismus beschreibt Kittsteiner einfühlsam und ohne ideologische Verve.


Das Buch ist in seiner Gänze für philosophisch kaum vorgebildeten Leser nicht lesbar, zumindest nicht verständlich lesbar. Das Zusammenführen beider Meisterdenker gelingt nur selten. Zum Ausklang versöhnt der Autor, indem Kittsteiner schreibt: "Der eine stellt dar, was ist (Marx Anmerkung des Rezensenten); der andere erdenkt, was fehlt. Beide zusammen erst bilden ein Ganzes. Mit Marx für Heidegger- mit Heidegger für Marx".

Was fehlt? Ein lesbares Buch zum Buch.

PK