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Erschienen
"Uff de Durchrääs" - Marcel Adam im Pumpwerk
06/2005
Im Juni 2004 – kurz nach seinem letzten Auftritt in der Rennstadt – landete er mit seinem nachdenklichen Titel "De Passage" auf Platz fünf der monatlichen Liederbestenliste des Vereins deutschsprachige Musik e.V., wo sich sonst Reinhard Mey, Hannes Wader und aktuell Konstantin Wecker tummeln.

Einen ganzen Sack deutsch-französisch-lothringischer Lieder, Texte und Geschichten hatte Marcel Adam und seine Band "Au bout du monde" dabei, als sie Anfang Mai im bis auf gezählte sieben Plätze ausverkauften Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" wieder einmal ihr Stelldichein gaben. Im vergangenen Jahr stellte Adam seine neueste CD "De Passage - Uff de Durchrääs" vor, diesmal kündigte er seine nächste CD "Starge Fraue - Femmes de caractère" an, die im Frühjahr 2006 auf den Mark kommen wird.

Dass es sich auch dabei um eine Scheibe mit Spitzenreiterpotential handeln wird, machte der Vorgeschmack deutlich, den Marcel Adam in sein aktuelles Programm einfließen ließ.

Beispiele dafür sind das Gebet an den "Gott für Freudenmädchen" ("wenn es den gibt"), "Lyane ´98", das an Zärtlichkeit und emotionaler Spannung kaum zu übertreffen ist, oder das ganz neu geschriebene "Donja", das Adam – mit ebensoviel Tiefgang wie Präsenz – seiner Frau und einem Kollegen widmete, der sich umbrachte: "Sie basst uff disch uf wie ä Mudderkatz uff sin Klänes".

Dazwischen streuten die drei Künstler, die in Hockenheim jeweils einen eigenen Kreis von abgöttisch liebenden Fans vorfanden, Altbekanntes und ganz Neues: Den Flamenco "L´Espagne", der diesmal nicht im Lachanfall auf der Bühne unterging, den Karat-Klassiker "Das kann keiner so wie du" und als ganz neues Lied, das aber wohl niemand verstehen wird, weil es "eine Geschichte zwische zwei drei Leude" sei, so Adam, "De kleene Dod vun Papasitas".

Mit diesem Konzert stellten Marcel Adam und seine beiden Musiker einmal mehr unter Beweis, für was sie von ihren treuen Fans so verehrt werden: Auch wenn Marcel Adam sich diesmal mit seiner selbst mitgebrachten Tonanlage etwas selbst im Weg stand, weil diese an den Sound des "Pumpwerks" bei weitem nicht heranreichen konnte und insgesamt deutlich zu dumpf und flach klang, gelang es den drei musikalischen Geschichtenerzählern mühelos, die symbiotische Beziehung zwischen Musik, Text und Präsentation herzustellen, die ohne Zeitverlust auf das Publikum übergehen konnte. Beim in französischer Sprache präsentierte "Suzanne" war die Begleitung von Laurent Kremer an der Gitarre allein schon ein Genuss. Kommen dazu noch die warme, weiche Stimme Adams und die weit ausladenden thematischen Exkursionen am Akkordeon Vincent Carduccios, dann ist Gänsehaut-Feeling vorprogrammiert.


So streichelten sie ihre Instrumente und mit ihrer Musik gleichzeitig auch die Seelen der Zuhörer, ließen die "Wolfsjäger" auf Pirsch gehen und beschworen mit "Sommer 61" die Vergangenheit und den Wechsel in der Gegenwart. Dazwischen dann noch "De lothringer Jodeler" gestreut und zum Ausgleich das nachdenkliche "Sommer an der Saar" – fertig war eine perfekte Mischung, die nicht nur den Abend selbst zu einem Genuss machte, sondern die auch vorhält bis zum nächsten Auftritt Marcel Adams – spätestens im kommenden Jahr.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.marcel-adam.de.