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Erschienen
Raider heißt jetzt Twixx – schmeckt aber wieder nach "Dhalia"
07/2005
Selten findet ein Musikensemble derartig viel Anteilnahme bei den Fans und der Kritik wie die aus der ehemaligen Formation „Wild Silk“ erwachsene Irish-Folk-Band „Dhalia“. Selten aber auch gelingt einer Gruppe nach einem massiven verfall aller vorherigen Grundwerte wieder ein Aufstieg in die alte Liga.

Die Musiker um die beiden verbliebenen „Silk“-Urgesteine Berk Demiray und Rainer Burgmer hatten in den vergangenen Jahren die zahlreichen Fans in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt: Mal eine neue Sängerin, dann neue Klänge und schließlich auch noch ein Soundcomputer – dem Folk-Liebhaber standen bisweilen die Haare zu Berge und noch 2003 haben wir selbst an dieser Stelle die Hinwendung zum Mainstream bedauert.

24 Monate später ist alles wieder ganz neu: Nach Auseinandersetzungen mit einem norddeutschen Buch- und Theaterverlag um die Namensrechte nennen sich die fünf Musiker „Dhalia’s Lane“, sie haben eine neue und sehr vielversprechende Sängerin in ihren Reihen und wieder so etwas wie irische Musik auf der Pfanne – der König ist tot, es lebe der König!

Mitte Juni präsentierte sich „Dhalia’s Lane“ erstmals in neuer Besetzung im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“, wo die Band seit vielen Jahren fest zum Programm gehört. Mit großer Spannung war der Auftritt erwartet worden, schon weit mehr als eine Stunde vor Beginn tummelten sich die ersten Fans im Garten des Musikschuppens. Und – man ist fast erleichtert, das in dieser Form sagen zu dürfen – sie wurden nicht enttäuscht.

Insbesondere die neue Sängerin Diana Hübner sorgte für reichlich Aufsehen und viel Bewunderung. Eine feine, leichtfüßige Stimme hat damit wieder Einzug gehalten, eine, die den melancholischen Balladen perfekt zupass kommt, die aber durchaus auch einmal ein wenig mehr Power geben kann, um den schmissigen Rhythmen den entsprechenden Sound aufzuerlegen. Die Darmstädter Pädagogik-Studentin wird derzeit zwar noch als „Gastsängerin“ vorgestellt, man darf aber durchaus feststellen: Wenn „Dhalia’s Lane“ sich diese Stimme nicht greift, um das musikalische Karussell endlich wieder anzuhalten und in geordnete Bahnen zurückzufinden, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen.

Aber, keine Bange, das wird schon. Ebenso, wie sich eine ganz prächtige Entwicklung an der Fiddle ergeben hat: Geigerin Helen Mannert ist ruhiger geworden, setzt jetzt mehr auf Musik, denn auf Faxen und siehe da – sie ist jetzt ein wertvoller Beitrag zum positiven Gesamtergebnis. Mit mal gefühlvollem, mal erstaunlich energischem Strich heizt sie gewaltig ein und bringt bisweilen selbst den alten Haudegen und Akzentesetzer Rainer Burgmer an der Flöte und dem Dudelsack zum Schwitzen.

Letzter, aber beileibe nicht unwichtigste Änderung: Man hat wieder zurückgefunden in den europäischen Musikkreis und lässt – trotz einiger durchaus legitimer und bereichernder Anspielungen aus anderen Musikregionen – wieder den klassischen Folk-Anteil etwas mehr zutage und dafür Percussionist Bergo Ibrahim etwas mehr in den Hintergrund treten. Wenngleich er für den einzig noch verbleibenden und von zahlreichen Fans in der Pause und nach dem Konzert auch lautstark kritisierten Wermutstropen verantwortlich ist: Den völlig deplazierten und auch absolut unnötigen Drum-Computer auf der Bühne.


Dennoch feierte „Dhalia’s Lane“ im „Pumpwerk“ mit alten Fans die bekannte Musik im neuen Gewand: Fetzig, mitreißend, aber auch tiefsinnig, melancholisch und anrührend. Eben noch in wildem Reigentanz schwitzend, dann in sanften Klängen eingehüllt leise vor sich hin wiegend genoss das Publikum den Auftritt wie ehedem: „Raider heißt jetzt Twix“ und „Dhalia“ nun „Dhalia’s Lane“ – aber beide schmecken – wieder - wie eh und je.



Weitere Infos im Internet unter www.dhalias-lane.de.