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Werner Maser
Erschienen
Fälschungen, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin
07/2005
Olzog Verlag
482 Seiten / € 34.-
Werner Maser, dessen Hitlerbiografie zu den am meisten übersetzten der Welt gehört, versucht im vorliegenden Werk eine Schneise in das Dickicht der zahlreichen Hitler/Stalin-Darstellungen zu schlagen und die Fälschungen und Fehlern, welche sich in der Literatur über Jahrzehnte angehäuft haben, zu entlarven.

In 41 Kapiteln jeweils überschaubaren Umfangs desauviert Maser zum Teil renommierte Historiker-Kollegen wie Allan Bullock und Hugh Trevor-Roper, denen Maser nachweist, nicht optimal recherchiert zu haben; dabei zeigt er wie gegenseitiges Abschreiben und Übernehmen die historische Wirklichkeit sukzessive verbiegen.

Zu Masers Stärken zählt unzweifelhaft sein detaillierter Umgang und die formvollendete Arbeiten mit Primärquellen. Technisch gesehen arbeitet Maser zuerst anhand des Lebenswegs Adolf Hitlers die zahlreichen immer wieder gehörten Legenden ab. So verweist er beispielsweise das Werk Kimberley Cornishs über die Schulzeit Hitlers in Linz und das Zusammentreffen mit dem später weltberühmten Philosophen jüdischer Abstammung Ludwig Wittgenstein, das in den 1990er Jahren Furore machente, in das Reich zusammenphantasierter Geschichte.

Der Autor, dessen Interesse an Hitler unter anderem durch eine persönliche Begegnung als Schuljunge 1936 geweckt wurde, als er auf die Frage Hitlers, was er denn später werden wolle, angab, ein Geschichtsstudium zu planen und über ihn (Hitler) zu schreiben, arbeitet mit einem kriminalistisch anmutenden Gespür. Er weist nach, dass Hitler im Auftrag Stalins ein Ölgemälde geschenkt wurde, welches in der Geschichtsschreibung bisher unbekannt war.

Neben der Beschäftigung mit Lügen und Fälschungen über Hitler interpretiert Maser im geschichtspolitischen Sinne wichtige Aspekte der NS-Geschichte auf seine Art und Weise.

Anhand zahlreicher Quellen aus russischen Archiven deutet er den Kriegsbeginn mit der UdSSR 1941 nicht nur als Akt des deutschen Überfalls, sondern als eine Art, der Sowjetunion zuvorzukommen. Dabei weist Maser die Offensivkraft und Stellung der Roten Armee im Frühjahr 1941 nach.

Zum Abschluss des wichtigen Werkes legt der Historiker erstmals die Krankenakte Hitlers in diesem breiten Umfang dar.


Maser schreibt sachlich, aber dennoch in einem fließenden Stil für ein breiteres Publikum ohne jedoch auf die Guido-Knopp-Herangehensweise zu verfallen, die Maser mit einem Oscar-Wilde-Zitat kritisiert: "Lasst nie Fakten einer guten Story in die Quere kommen."

Kritikwürdig bleibt allerdings auch zu "Fälschungen, Dichtung und Wahrheit" anzumerken, dass das Buch eigentlich "Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler" heißen müsste. Stalin kommt im Verhältnis zu Hitler nur im marginalen Sinne vor.

Dennoch ein wichtiges, empfehlenswertes Buch.