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Erschienen
Fingerpicking-Experte auf Jazz-Parkett - Sammy Vomáčka
09/2005
"Die Evolution hat zugeschlagen", so grinst es verschmitzt von der Bühne. Es greift deutlich zu weit, wenn man das Sinnbild von Raupe und Schmetterling bemüht, um in Worte zu fassen, welche eigentlich unfassbare Verwandlung der viele Jahre als Fingerpicking-Experte bekannte und geliebte Gitarrist Sammy Vomáčka aufs Parkett gelegt hat: Nicht nur, weil er gerade in seinem "alten Leben" in Blues und Ragtime beileibe keine Kriechtier war, sondern einer der ganz Großen der bundesrepublikanischen, aber auch der internationalen Folkszene. Vor allem aber, weil er zwar inzwischen zum farbenfreudigen Flattermann des Jazz avancierte, seine Entwicklung aber auch nach einigen Jahren im "neuen Leben" noch lange nicht abgeschlossen zu sein scheint. Mit Ende 40 hatte sich der erstklassige Musiker "auf eigene Initiative noch einmal gehäutet", wie er selbst seinen Genrewechsel in den Jazz bezeichnet – und die Metamorphose ist perfekt gelungen.

Am vergangenen Wochenende gab er zusammen mit seinem Jazz-Trio - dem Kontrabassisten Jean-Luc Miotti und dem Drummer Wolfgang Disch – im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" eine Kostprobe seines so anderen Könnens. Dass die Gäste in nicht ganz so großer Zahl erschienen waren, wie es der Qualität der Session angemessen gewesen wäre, brachte die drei Vollblutmusiker auf der Bühne des Pumpwerk-Zelts ebenso wenig aus der Ruhe, wie der zwischendurch einsetzende Regen.

Gediegen und in aller Seelenruhe jazzten sie sich durch gängige Standards, unter denen sich zwar auch einige wahrhafte Kleinodien fanden, die aber vor allem Größen wie Keith Jarrett und Charlie "Bird" Parker musikalisch die Ehre erwiesen. Was dabei auffiel, war die entspannte Atmosphäre, die sich unweigerlich auch auf Vomáčkas Publikum übertrug: Es fasziniert, wie ruhig und unaufgeregt der Sound daherkommt, wie harmonisch und natürlich, sodass sich fast zwangsläufig der Eindruck einstellt, es dürfe gar nicht anders sein. Dabei stehen Vomáčka, der Mann der leisen, sanften Töne, der nicht den Bruchteil einer Sekunde in der Gefahr steht, in alte Picking-Muster zu verfallen, der aber gerne auch einmal alleine in die Saiten greift, um seinem Instrument göttliche Töne und sphärische Musik zu entlocken, und Bassist Miotti auf gleicher Augenhöhe beieinander. Der Kontrabass kommt leichtfüßig daher, beschränkt sich kaum einmal auf die einfach Grundlinie, sondern der junge Elsässer versprüht sich in einfallsreichen Melodieläufen, die grandios und eigenständig auftreten können. Diese Eigenständigkeit hebt sich aber keineswegs unangenehm ab, sondern belebt das Große und Ganze, das die beiden Saitenkünstler in den zurückhaltend umfangenden Schlagzeug-Wogen Dischs spinnen können. Dabei bringen die Musiker die Hauptthemen der Standards zwei drei Mal, nur um sie im nächsten Durchlauf zu zerschmettern und ganz neu in reizvoll neuem Gewand zu präsentieren. Kongeniale Spielfreude, improvisatorischer Witz und exzellente Technik vereinen sich so zu einer entspannten und spannenden Jazz, der viel mit smoothy Lounge-Music gemein hat.


Ein brillanter Auftritt, der dem nasskalten Wetter fast zum Opfer gefallen wäre. Und damit wären wir dann doch wieder bei den Schmetterlingen.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.sammyvomacka.de/.