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Heinz Ohff
Erschienen
Preußens Könige
01/2000
Piper Verlag, München
389 Seiten / € 24.-
In der Literatur gibt es eine Unmenge von Büchern, die sich mit dem Thema Preußen beschäftigen. Zumeist werden darin die allseits bekannten Vorurteile und Stereotypen über das einst so mächtige Land thematisiert. Die Geschichte Preußens anhand seiner Könige zu schildern, ist etwas Ungewöhnliches - aber sehr reizvoll.

In neun Kapiteln - so viele Könige hatte Preußen - berichtet der Journalist und langjährige Feuilletonchef des Berliner "Tagesspiegel" Heinz Ohff über Leben und Wirken der preußischen Könige. Die Kurzbiographien, die einen durchschnittlichen Umfang von etwa 40 Seiten haben, zeigen sich trotz ihrer Kürze recht umfassend.
Der Leser erfährt viel über die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der Könige, ihren Umgang mit den Frauen und vor allem über das Innenleben des preußischen Hofes.
Bei all der Verschiedenheit war doch ein gemeinsames Kennzeichen der Hohenzollern ihr Hang zum Cholerischen und das in allen Fällen schwierige Vater-Sohn Verhältnis.

Über den ersten preußischen König Friedrich I. erfährt der interessierte Leser, dass er sehr prunksüchtig war und dass seine Eigenkrönung im Januar 1701 Napoleon rund hundert Jahre später als Vorbild für dessen eigene Thronbesteigung diente.
Interessant ist, dass sein Nachfolger Friedrich Wilhelm der Erste, der als "Soldatenkönig" in die Geschichtsbücher eingegangen ist, keinen einzigen Angriffskrieg führte.
Im biographischen Abschnitt dessen Sohn, der als Friedrich der Große zum wohl berühmtesten aller Preußenkönige avancierte, überzeugt der Autor vor allem in der Abhandlung der Jugendzeit des "Alten Fritz".
Sein Neffe, der als Friedrich Wilhelm der Zweite den Thron bestieg, "zeichnete" sich durch sein umfangreiches "Mätressentum" aber auch durch seine Liebe zur Kunst aus. Er war leidenschaftlicher Cellist.
Friedrich Wilhelm der Dritte, der in der schwierigen napoleonischen Zeit Preußen vorstand, fand mit Hardenberg und Stein die Staatsmänner, die Preußen mit ihren Reformen aus der existentiellen Krise heraushalfen. Auch seine Liebesbeziehung zu seiner Königin Luise dürfte eine der wenigen in den Adelskreisen dieser Zeit gewesen sein.

Friedrich Wilhelm der Vierte ist als "Romantiker" in die Analen eingegangen, musste aber wegen einer Nervenkrankheit die Amtsgeschäfte 1858 an seinen jüngeren Bruder Wilhelm übergeben, der 1871 nach dem erfolgreichen Krieg gegen Frankreich erster Deutscher Kaiser des durch Bismarck geeinten Deutschlands wurde.
Bei Wilhelm fällt die unterschiedliche Beurteilung durch seine Untertanen auf. In jungen Jahren als "Kartätschen-Prinz" wegen seiner Rolle in der Revolution von 1848 verpönt, wurde er als Kaiser Wilhelm, "der mit dem Bart", von seiner Bevölkerung verehrt.
Mit seinem Sohn, dem 99-Tage-Kaiser Friedrich III., gelangte zum ersten Mal ein Preuße auf den Thron, der eine Universität nicht nur von einer Einweihung her kannte sondern sie auch in einer zweijährigen Ausbildung besuchte. Den Abschluss des "Drei-Kaiser-Jahres" 1888 bildete die Thronbesteigung durch Kaiser Wilhelm II., der bis zu seiner Abdankung in Folge des verlorenen Ersten Weltkrieges, drei Jahrzehnte die Geschicke Preußens, das 1871 im Deutschen Reich aufging, bestimmte.
Bei "Wilhelm Zwo" arbeitet Heinz Ohff besonders gut die private, nicht öffentliche Seite des Monarchen heraus. Wer hätte den schon geglaubt, dass der "großspurige" und "arrogante" Wilhelm ein begeisterter Holzhacker war?

Im Anhang des wahrhaft gelungenen Werkes befindet sich eine Zeittafel und eine ausführliche Bibliographieauswahl.


Heinz Ohff besticht durch seinen schon fast belletristisch zu nennenden Schreibstil und bringt uns damit das Thema auf gut verständliche Weise näher.