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Waldemar von Suchodoletz (Hg.)
Erschienen
Therapie der Lese- Rechtschreibstörung (LRS)
11/2005
W. Kohlhammer Verlag GmbH
320 Seiten / € 35.-
Endlich, möchte man fast sagen, ein Überblick! Wer sich - aus welcher Richtung auch immer - der Therapie der LRS nähert, steht einer Fülle von Therapieansätzen und -angeboten gegenüber. Waldemar von Suchodoletz hat sich die Mühe gemacht, Wegweiser im Dickicht des Therapiedschungels aufzustellen. Zunächst umreißt er das "Spannungsfeld zwischen etablierten und alternativen Behandlungsverfahren", was heißt er definiert und charakterisiert Methoden und stellt die wissenschaftlichen Maßstäbe dar. Ergänzend hierzu kommen namhafte Experten der LRS-Szene zu Wort. Gerd Schulte-Körne beispielsweise stellt "Lerntherapeutisch begründete Therapieverfahren" vor, die sowohl schulisch als auch außerschulisch zum Einsatz kommen können. Da im Medienzeitalter der PC nicht außer acht gelassen werden kann, ist dem Thema "Computergestützte Trainingsverfahren" ein weiteres Kapitel gewidmet. Zu den Ergebnissen unterschiedlicher Therapiestudien verfasste Gerd Mannhaupt einen Überblick über die LRS-Interventionsforschung der letzten beiden Jahrzehnte. Zur Prävention der LRS schreibt Wolfgang Schneider, der mit seiner Würzburger Forschungsgruppe Maßstäbe in diesem Bereich gesetzt hat (Stichwort "Phonologische Bewusstheit"). Auch die Therapie schwerer LRS, sowie das Ordnungsschwellentraining kommen zur Sprache. Ein großer Teil des Werks widmet sich schließlich einem bisher noch nicht dagewesenen Überblick alternativer Therapieangebote wie beispielsweise der Tomatis-Therapie oder dem Training der Blicksteuerung, die dem Training psychischer Grundfunktionen zugeordnet werden, aber auch köperorientierter Verfahren, wie der Cranio-Sacral-Therapie oder spezieller Lernmethoden (unter anderem Davis-Methode) um nur einige davon zu nennen. Da es in Deutschland - mit Ausnahme weniger Bundesländer - nach wie vor keine Standards zur Ausbildung von LRS-Therapeuten gibt, sind verschiedene Verfahren regional sehr unterschiedlich verbreitet und populär. Obwohl - oder gerade weil - es nur zum Teil gelingt, gesichertes Wissen über die LRS-Förderung zu sammeln und viele Fragen nicht abschließend geklärt werden können, stellt das Fazit des Buches eine Grundlage dar. Einerseits zur Begründung der Notwendigkeit weiterer Forschung, andererseits aber auch für den Therapeuten selbst, sich und die Methoden, die er einsetzt, zu reflektieren und anzupassen. Die spannende Frage bleibt: Was wirkt? Was ist trainierbar im Sinne einer Verbesserung von Einzelfunktionen und was ist letztlich therapierbar im Hinblick auf die Reduktion der Symptomatik, der Verbesserung der Lese- und Rechtschreibleistung an sich.


Trotz individueller Schwerpunkte muss klar sein: Ergebnisse von Einzelfällen lassen sich nicht kritiklos übertragen, und ganz ohne die Inhalte Lesen und Schreiben werden sich auch keine Verbesserungen einstellen! Betroffenen beziehungsweise ihren Eltern kann das Buch helfen, geeignete Fragen zu stellen und Therapieangebote kritisch zu beleuchten, denn oft genug investieren sie viel Zeit und Geld in die Förderung. Die Ausgabe "Therapie der LRS" ist Pflichtlektüre und darf im Bücherschrank des LRS-Therapeuten nicht fehlen.

Manuela Bühler