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Stefan Aust / Robert Fleck (Hg.)
Erschienen
Helmut Schmidt - Ein Leben in Bildern des Spiegel-Archivs
01/2006
DVA Deutsche Verlagsanstalt, München
208 Seiten mit 147 Abbildungen / € 29,90
Helmut Schmidts Leben in Bildern - die Aufnahmen stammen aus dem Bildarchiv des Spiegels, einem der größten Pressebildarchive der Welt, und wurden für eine Ausstellung in den Deichtorhallen der Hafenmetropole Hamburg zu Ehren des Altbundeskanzlers zusammengetragen. Begleitend entstand dieser Spiegel-Bildband. Eine Besonderheit des Geschichtsbilderbuches ist es, dass das Objekt der Begierde selbst bei der Auswahl der Bilder mithalf und so bestimmte, was in die Ausstellung und das Buch aufgenommen werden sollte und was nicht.

Den Bildern vorangestellt ist ein Essay des Spiegel-Autors und langjährigen journalistischen Weggefährten des Ehrenbürgers der Hansestadt Hamburg, Hans-Joachim Noack. Der Aufsatz entstand aus einem Gespräch mit Schmidt bei der Bilderauswahl. Später, beim Rundgang durch die einzelnen Fotodokumente, kann sich der Betrachter bei einzelnen Bildern an die Kommentare des Bundeskanzlers a.D. erinnern, die er im Gespräch dem Spiegel-Autor aufgegeben hat - nicht nur insofern ist Noacks Aufsatz von höchster narrativer Güte: Süffisant und gleichzeitig informativ. Helmut Schmidt selbst brillierte bei dieser Zusammenkunft offenbar in einer Art und Weise, die dem des Nighttalkers und Nachnamensvetters Harald Schmidt in nichts nachzustehen schien.

Da nach Auffassung der Herausgeber keine Kanzlerschaft so umfassend in der Hell/Dunkel Technik dokumentiert worden ist, wie die des studierten Volkswirt Schmidts, hat man für die Dokumentation bewusst ausschließlich Schwarz-weiß-Aufnahmen ausgewählt. Die Zeitspanne der Fotos umfasst das Leben des einstigen Angehörigen der SPD-Troika "Schmidt,Brandt,Wehner" von der frühesten Kindheit bis zu den Tagen der Wiedervereinigung Deutschlands 1990. Zu jenem Zeitpunkt Anfang der 1990er Jahre begann beim Spiegel der Übergang von den Schwarz/Weiß-Fotos zu den Farbabbildungen. Eindrucksvoll sind dabei vor allem auch die Aufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Auf einem ist Schmidt mit seinen Kriegskameraden abgebildet. Eine Zeit der gossen "Schei..." wie der Altkanzler des öfteren zu sagen pflegt, wenn er darauf hinweist, dass nur die wenigsten auf dem Foto diesen schrecklichen Krieg überlebt hätten. Eine emotional bewegende Aufnahme zeigt den damals noch jungen Offizier mit seinem Sohn Helmut Walter, genannt "Moritzelchen", der wenige Monate nach seiner Geburt an Meningitis verstarb. Diese Privataufnahmen werden abgelöst durch die Pressefotos, die allesamt im Spiegel zusammen mit Textbeiträgen abgebildet waren, nun aber allein auf den Betrachtern einwirken. Die Aufnahmen sind nicht gestellt und spiegeln den Facettenreichtum schmidtscher Mimik. Der Betrachter begibt sich auf Zeitreise und findet sich in Tagen wieder, die historisch nur ein Wimpernschlag von der Gegenwart entfernt sind, vielen Menschen aber bereits als die "guten alten Zeit" vorkommen: Ein amtierender Bundeskanzler, der Muse findet, mit seinem privaten Opel Rekord zu fahren, wäre heute schon aus sicherheitstechnischen Gründen fast undenkbar.
Dann Schmidt mit den Großen der Welt aus Politik und Kultur. Wie nahe Freud und Leid zusammenliegen, zeigen zwei eineinander gegenübergestellte Fotos: Zunächst der Ägyptische Präsident Sadat, der mit dem Kanzler im offenen Wagen durch Kairo fährt und die Huldigungen der am Straßenrande stehenden Bevölkerung genießt, daneben eine Aufnahme des Attentats, dem Sadat im Oktober 1981 zum Oper fiel.
Ein wirkungsmächtiges Bild symbolisiert das Ende der Kanzlerschaft Helmut Schmidts im Herbst 1982: Gemeinsam mit einem Sicherheitsbeamten, der den Abschieds-Blumenstrauß trägt, verlässt Schmidt seine Wirkungsstätte und läuft, der Kamera den Rücken zugewandt, eingerahmt von zwei mächtigen Bäumen den Park des Kanzleramtes entlang.

Des weiteren finden sich in diesem Schmidt-Album Privataufnahmen, die der Kanzler auf Dienstreisen mit seiner alten Kamera machte, sowie Portraits von Schmidtfreunden. Eine Zeittafel mit den wichtigsten Stationen des Lebensweges dieses großen deutschen Kanzlers runden das gewonnene positive Bild ab.


Die Bilder suggerieren - gewollt oder nicht - einen Mann, der mit Prinz-Heinrich-Mütze in seiner ganz eigenen Liga spielt. Von einem, der viele andere Spitzenpolitiker, auch Kanzler, wie kreisklassige Amateure aussehen lässt. Für Schmidtianer ein Muss.

PK