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Erschienen
"Kurpfälzer Madrigalisten" beenden Marktkonzert-Zyklus
01/2006
Mit einem fast einstündigen Programm verabschiedeten sich am vergangenen Samstag die „Marktkonzerte“ aus dem sich neigenden Jahr. Die „Kurpfälzer Madrigalisten“ beschlossen mit einem lebendigen Streifzug durch internationale Weihnachtsliteratur die von mal zu mal besser besuchte Veranstaltungsreihe in der Evangelischen Stadtkirche. Inzwischen war es die neunte musikalische Miniatur und das Gotteshaus war entsprechend gut besucht. Das mag an den vorangegangenen Kurz-Konzerten gelegen haben, die unter Beweis stellten, dass die „Marktkonzerte“ für Qualität bürgen. Vor allem aber lag es sicherlich daran, dass die „Kurpfälzer Madrigalisten“ mit Kantor Christian H. Bühler und der Altistin Norma Gärtner in Hockenheim ein festes Standbein haben. Neben den Bass, der sonst vor allem durch sein brillantes Orgelspiel berühmt ist, und die tiefe Frauenstimme gesellten sich die Sopranistin Beate Reiser und der Tenor Ingo Wackenhut.

Wenngleich die Einzelstimmen in Duetten noch einmal etwas markanter hervortraten, so auch im Terzett „Do you hear what I hear“, einem beliebten Weihnachts-Klassiker aus der Feder Gloria Shaynes und Noel Regneys, konnten sich die Madrigalisten gemeinsam und im Tutti am besten präsentieren. Hier boten sie eine wohlfeine Mischung aus beschwingter Freude und emotionsgeladener Atmosphäre.

So präsentierten sie mit „Past three o’clock“, einem vom irischen Komponisten Charles Wood Anfang des 20. Jahrhunderts arrangierten englischen Traditional, einen besonders stark an die treibend-beschwingte Madrigal-Tradition angelehnten Titel, der aber wie das musikalische Vorbild auch in breit angelegten, hoch harmonischen Passagen aufgelöst wurde. Eben diese Spannung liegt den vier Sängern, die erst seit Herbst 2004 in dieser Besetzung zusammen auftreten, besonders im Blut: Fein und absolut auf den Punkt dosieren sie Dynamik und Tempi und finden dadurch immer wieder zu höchster emotionaler Präsenz.

Das war vor allem für die feinen und zart angelegten Beiträge von größter Bedeutung: Beim filigranen „Away in a manger“, einem bereits Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlichten Weihnachtsgedicht, das mit der Melodie William James Kirkpatricks zu einem der bekanntesten internationalen Weihnachtslieder avancierte, ebenso, wie beim ruhigen, nur leicht variierenden „In the bleak mid-winter“, einer Anfang des letzten Jahrhunderts zum Gedicht Christina Rossettis hinzugefügten Melodie des irischen Komponisten Gustav Holst. Entspannte Atmosphäre und – auch das ein legitimer Sinn der Musik – Gottvertrauen strahlten die Madrigalisten aus, was insbesondere deshalb bemerkenswert ist, weil das Madrigal ja ursprünglich gerade in der bewussten Abwendung von der geistlichen Musik seinen Ausgang hatte. Warm und weich schmiegten sich die Stimmen in die Töne der gewinnenden Melodien, die wiederum das Kirchenschiff wie eine samtene Decke von Innen auskleideten. Es war dabei eine Wohltat, dass den Sängern jede Affektiertheit abging, sondern Stimmen zum Einsatz kamen, die noch Natürlichkeit atmeten – und trotzdem größte Spannung aufzubauen vermochten.


Mit ihrem Abschlussstück, dem bekannten „Irish Blessing“ in der Variation des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten James E. Moore, schürten die „Kurpfälzer Madrigalisten“ noch einmal kräftig die Begeisterung des Publikums – und setzten einen optimistischen Schlusspunkt unter den diesjährigen Konzertzyklus, der im kommenden Jahr im Mai eine Fortsetzung findet: „And until we meet again, may God hold you in the palm of His hand“.