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Gerd R. Ueberschär/Winfried Vogel
Erschienen
Dienen und Verdienen
01/2000
Hitlers Geschenke an seine Eliten
S. Fischer Verlag, Frankfu / Main
303 Seiten


In der Geschichtsschreibung ist viel darüber gerätselt worden, warum die Eliten im NS-Staat im Anbetracht des nahenden Untergangs des "Dritten Reiches" fast ausnahmslos treu und loyal zum "Führer" dieses Regimes standen. Mit dem Hinweis auf den Treueid und die angeblichen Suggestionskräfte Hitlers versuchten sich die Mitverantwortlichen der Katastrophe nach dem Kriege ihrer Verantwortung zu entziehen.

Gerd R. Ueberschär und Winfried Vogel nennen in "Dienen und Verdienen" einen Hauptgrund für die Loyalität der Eliten gegenüber Adolf Hitler: Die Dotationen.

In sechs Kapiteln beschäftigen sich die Autoren damit, wie Hitler mit Hilfe äußerst großzügiger Geschenke seine Eliten in Verwaltung, Partei und Militär an sich band und auf sich verpflichtete.

Allerdings sind Dotationen, so der Fachausdruck (lat. dos = Mitgift, Geschenk, Gabe), keine Erfindung des "Dritten Reiches", wie es die Autoren behaupten. Sowohl die Römer wie auch Napoleon und die preußische Könige, aber auch andere Herrscher beschenkten verdiente Mitarbeiter. Allerdings erreichte die Dotationenvergabe im nationalsozialistischen Deutschland eine neue qualitative wie quantitative Dimension.
Dotationen wurden im "Dritten Reich" nicht mehr offiziell in einem Staatsakt vergeben, sondern diskret und willkürlich.
Nicht die Belohnung nach einem gewonnenen Krieg stand bei Hitlers Dotationen im Vordergrund, sondern sie wurden während des Krieges gewährt, um die Beschenkten noch enger an das Regime zu binden. Dotationen waren steuerfrei und wurden aus dem Etat der Reichskanzlei bezahlt. Zuwendungen gab es unter anderem in Form von Geld- und Sachgeschenken. Besonders beliebt waren Rittergüter, die oft Millionenwerte besaßen, und die Hitler besonders verdienten Militärs übereignete.

Während die nationalsozialistische Propaganda Enthaltsamkeit predigte und die Bevölkerung mit Pfennigbeträgen als Stundenlohn auskommen musste, lebte die Führungsschicht in großen Wohlstand. Interessant dabei ist, was die Autoren bei ihrer Recherche zu diesem Buch gleichsam als "Abfallprodukt" herausfanden: Viele der von Hitler verschenkten Immobilien befinden sich bis heute im Besitz der betreffenden Familien.

Das Buch "Dienen und Verdienen" ist für den interessierten Leser sehr zu empfehlen. Die Autoren glänzen durch eine hervorragende Recherche. Ein ausführlicher Dokumententeil sowie ein Quellen- und Literaturverzeichnis am Ende des Buches runden das Bild eines gelungenen Werkes ab.