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Ted Naifeh
Erschienen
Courtney Crumrin und die Wesen der Nacht
03/2006
eidalon Verlag, Brandeburg
128 Seiten / € 9,90
Wow! Ein eigenwilliges Mädchen ohne enorme Oberweite, Geschichten voller Wesen der Nacht aber ohne blutiges Gemetzel oder explodierender Bösewichter und angeschlossene Geschichten – und das in einem amerikanischen Comic. Es gibt eben auch immer Ausnahmen von der Regel und die machen dann auch oft am meisten Spaß.

Dabei fängt das Comic eher ungelenk an. Die Bilder haben etwas von Mignola, sehen aber eher verzerrt aus. Und auch die ersten Seiten lesen sich eher unspektakulär.

Courtney ist ein introvertiertes Kind zweier Society Junkies am Rande des finanziellen Bankrotts. Um dem monetären Engpass zu entgehen, zieht die Familie in das Haus des Großonkels Aloysius Crumrin. Aber wessen Großonkel ist er eigentlich? Cortneys oder der ihres Vaters? Oder vielleicht der von Courtneys Opa? So genau weiß das niemand. Aber Aloysius ist verdammt alt und das Haus voller geheimnisse. Aber das kümmert die Eltern unserer Heldin nicht, die haben ja ihre Handies und versuchen lächelnd in die lokale High Society vorzudringen.

Courtney könnte es eigentlich auch egal sein, in welcher Stadt oder in welcher Schule sie die Außenseiterin ist – und Mitschüler, die einem ans Taschengeld wollen, gibt es auch überall. Aber Bücher mit Titeln wie „Ein Bestiarium der Wesen der Nacht“ gibt es vor allem in der großen und für das kleine Mädchen eigentlich verbotenen Bibliothek des alten Crumrins.

Klingt recht bekannt und vorhersehbar. Und es bleibt auch angenehm ruhig in diesem Comic. Obwohl im ersten Kapitel ein Junge wahrscheinlich stirbt, gibt es kein Blut zu sehen. Statt dessen lernt der Leser Courtney immer besser kennen. Und neben den vier Abenteuern mit Kobolden und Wechselbälgern gewinnen sie und ihr Großonkel – oder der ihres Vater oder der dessen Vaters – immer mehr Zutrauen zu einander.

So wandelt sich der ungelenke erste Eindruck zu einer seltsamen Verbundenheit mit den Figuren in diesem Comic, das neben Gewalt auch auf Farbe verzichtet.

Naifeh war übrigens auf dem Comicfest von Angouleme mit Mignola und Shanower („Age of Bronze“ bei Image) auf einem Podium und beantwortete brav nette Fragen und stichelte ein wenig mit einem genervten Mignola „Hey – you have Mignola here – so ask something“ – was der Hellboy-Zeichner mit einem recht seltsamen Gesichtsausdruck quittierte.


Ruhig und frisch – liebenswert und mysteriös!