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Stephen King
Erschienen
Puls
05/2006
Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co KG, München
556 Seiten / € 19,95


Heutzutage besitzt jeder Zweite von uns ein Handy. Warum auch nicht? Diese handlichen kleinen Dinger machen die Telekommunikation viel einfacher. So kann man fast immer fast jeden erreichen und ist auch selbst leicht erreichbar. Stephen King schafft eine Welt in der Handys jedoch eine ganz andere Rolle spielen. Handys sind unser Verhängnis. Handys machen aus unserer Welt die reine Hölle. Handys sind unser größter FEIND.

Alles beginnt am 1. Oktober, als ein junger Mann, der für die Weltgeschichte ohne besondere Bedeutung ist, die Bostoner Boylston Street entlang hüpft. Boston ist nicht seine Heimatstadt, hier ist er nur zu Besuch. Clayton Riddell ist ein Comiczeichner, der sich nach einer fünfzehnjährigen Ehe von seiner Frau scheiden lies. Sein elfjähriger Sohn namens Johnny, lebt bei seiner Mutter und sieht Clay nur am Wochenende. Während Clay sich ein Eis bestellt, telefoniert die Frau neben ihm gerade mit ihrem Handy. Genüsslich an seinem Eis leckend, beachtet er sie nicht. Plötzlich hört Clay einen Laut hinter sich, der so klingt wie "Räst!". Es hätte auch "Rest" oder "Rost" sein können, aber im Bezug auf spätere Ereignisse, tendiert er zu "Räst!". Die wildgewordene Frau schmeißt ihr Handy auf den Boden, schnappt den freundlichen Eisverkäufer am Kragen und versucht ihn zu würgen. Ein paar Sekunden später nimmt ein Mädchen, welches in Clays Nähe steht, einen Anruf entgegen. Plötzlich schmeißt auch sie ihr Handy mit einer heftigen Handbewegung auf den Asphalt und stürzt sich auf die Frau, die gerade dabei ist den Eisverkäufer zu würgen. Das durchgeknallte Mädchen hat weder ein Messer, noch sonst etwas Gefährliches in der Hand, womit sie die Frau verletzen könnte und trotzdem wird Clay Zeuge eines brutalen Mordes. Sie zerbeißt mit ihren Zähnen die Halsader der Frau und lässt sie auf dem Asphalt verbluten. Clay hört von irgendwo einen schrillen Schrei, der jedoch gleich wieder verstummt. Ein paar Sekunden später sieht er wie ein seriösaussehender Mann einem Hund ein Ohr abbeißt. Das alles passiert innerhalb von Sekunden. Es geht so schnell, dass Clay nicht einmal im Stande ist, zu reagieren. Doch er rafft sich zusammen und versucht der am Boden liegenden Frau zu helfen. Inzwischen scheint jeder um ihn herum durchzudrehen und alle versuchen, einander umzubringen. Man kann nur noch Schreie voller Schmerz und Angst hören. Clay ist verwirrt und verängstigt. Was geht hier vor? Sind plötzlich alle wie auf Knopfdruck verrückt geworden? Und warum liegen überall auf der Straße kaputte Handys?

Als es Clay langsam dämmert, dass dieser Wahnsinn etwas mit den Handys zu tun hat, flieht er zusammen mit einem Mann namens Tom. Sie haben sich gerade erst kennen gelernt, doch Tom scheint noch der Einzige normale Mensch hier in der Gegend zu sein. Während die beiden nach einem Versteck suchen, beobachten sie noch mehrere Verrückte auf der Straße, die ohne jeden Grund über einander herfallen. Bald kapieren sie, dass es wohl ein Puls ist, der alle zu mordenden Zombies macht. Jeder, der einen Anruf macht oder kriegt, wird sozusagen unmenschlich gemacht. Es könnte ein Terroranschlag sein, aber auch ein einfacher dummer Streich, der außer Kontrolle geraten ist. Eines steht fest: Clay muss zu seiner Familie. Er muss herausfinden ob seine Frau und Johnny auch zu Phonern wurden.

Doch leichter gesagt als getan. Die Reise zurück nach Hause erweist sich als ziemlich schwierig. Die Phoner werden immer brutaler und fangen an sich zu organisieren. Sie werden langsam aber sicher zu einem Schwarm, der Clay und seinen Gefährten viele Hürden stellt. Werden sie es trotzdem schaffen, diesem ganzen Wahnsinn zu entfliehen? Mit was für Problemen müssen Clay und seine neuen Freunde, die er unterwegs trifft, fertig werden?

Stephen King ist für seine komplex geschriebenen Romane bekannt. "Puls" ist eine richtige Kurzgeschichte, die mitten in einer Handlung anfängt und einen offenen Schluss hat. Die verwirrende Schreibweise macht dem Leser am Anfang des Romans ein bisschen Schwierigkeiten, doch man gewöhnt sich schnell daran. Im ganzen Buch gibt es keine einzige Verschnaufpause für den Leser. Die Spannung ist vom Anfang bis zum Ende deutlich spürbar. Aber es passiert nie das, was man erwartet. Der Autor hält immer neue Überraschungen parat.

Des weiteren enthält das Buch noch einen Auszug - vom Verfasser eigenhändig geschrieben - aus dem neuen Roman "Lisey´s Story", der im Oktober 2006 im Heyne-Verlag erscheinen wird.

Stephen King lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Tabitha King, in Maine. Er besitzt kein Handy.


Und plötzlich klingt das Klingeln des Handys ganz anders.