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Erschienen
Plastik und Malerei in Zwiesprache mit dem Raum
08/2006


Im Sinne des Wortes raum-greifend kommt die derzeit in der Stadthalle laufende Ausstellung des Kunstvereins daher, die Anfang Juli trotz Fußball-WM und herrlichstem Sommerwetter bemerkenswert viele Liebhaber der schönen Künste zur Vernissage in den Hockenheimer Musentempel lockte: Unter dem Titel „Dialog: Skulptur, Raum, Malerei“ stellen die beiden renommierten Künstler Jörg Bach und Konrad Hummel insgesamt 41 Werke aus.

Aber nicht nur in der Exhibition selbst nehmen die Kunstwerke wie selbstverständlich ihren Raum ein, auch in einem umfangreichen Begleitprogramm dazu, das in den nächsten drei Wochen zahlreiche weitere Veranstaltungen offeriert (wir berichteten), steht die Kunst Hummels und Bachs immer wieder im Mittelpunkt; es sei dem Kunstverein „ein Anliegen, „nicht nur eine Ausstellungseröffnung anzubieten und dann leere Räume zu haben“, so die Vorsitzende Gisela Späth in ihrer Begrüßung, mit der sie auch knapp das Konzept dieses Ausstellungsprojektes erläuterte: „Den ganzheitlichen und grenzüberschreitenden Charakter der bildenden Kunst in den Mittelpunkt“ zu stellen. Bereits in der Vergangenheit hat der noch junge Verein mit seinen unkonventionellen Projekten auf sich aufmerksam gemacht. Insofern gab sich in diesem Jahr erstmals auch Oberbürgermeister Dieter Gummer die Ehre, an der Eröffnung mitzuwirken, wobei er das herausragende Engagement des 2002 gegründeten Vereins und sein besonderes Bemühen um Kinder und Jugend unterstrich. Der Kunstverein gehöre ohne Frage zum „Rückgrat Hockenheims“.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Gambenquintett um Robert Sagasser.

„Beide Künstler überschreiten die Grenzen ihrer Gattungen, der Plastik und der Malerei“, so stieg die Heidelberger Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen M.A. in ihre Werkeinführung ein: So gebe der Bildhauer Jörg Bach seinen Werken über den Titel auf „das poetische Wort und seinen Anspielungsreichtum“ bei, der Maler Konrad Hummel lehne sich titelnd stark an die Musik an. Auch auf diese Weise griffen die beiden Künstler also weit um sich.

Die Bilder Konrad Hummels, die immer wieder wegen ihrer flachen Farblosigkeit in die Kritik geraten, sind chiffrierte Auseinandersetzungen des vor allem in den letzten Jahren mehrfach hochdekorierten Göppinger Künstlers mit der „dunklen Seite der Existenz“, wie Gensichen es pointierte: Gerade die Reduktion auf nur wenige Farben aber dafür nuancenreiche Töne unterstreicht Hummels Abkehr vom Sichtbaren, das er ohnedies allenfalls in ein paar Strichen stets nur andeutend aufkommen lässt, dem er aber stets einen ätherischen Schleier überzieht. Das macht Hummels Bilder, die teils extrem großformatig daherkommen, wie der zwei auf fünf Meter große Triptychon „Incarnatus, auf den ersten Blick etwas beliebig; es bedarf schon eingehender Betrachtung, um die zahllosen, zwar im Symbolhaften verharrenden, aber doch insgesamt durchaus wortreichen Details aufzunehmen. In dieser Zwiesprache mit dem Werk kommt man Hummels Anspruch vielleicht am nächsten, den er mit seiner Titulierung aus dem musikalischen Fach aufdrängt: Dem Hören mehr zuzutrauen, als dem Sehen.

Einer, der sich ebenfalls nicht voll und ganz auf die Faszination des Augen-Blickes verlassen will, sondern zu taktilem Nach-Empfinden und Mit-Fühlen geradezu einlädt ist der Bildhauer Jörg Bach aus Mülheim an der Donau.

Seine teilweise sehr großen Plastiken aus Cortenstahl schöpfen ihre ungeheure Anziehungskraft aus der Faszination des Räumlichen Komplexes und aus der bewusst aufgebauten Spannung zuwischen dem Technisch-Materiellen und dem Organischen. Oder um es mit den Worten der Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen zu sagen, „seinen Plastiken liegen zwar letztlich geometrische Körper wie Kugel, Würfel und Quader zugrunde, aber wesentlich verändert: Er biegt drei- oder vierkantige Rohrstücke, als wären es Schläuche, krümmt sie zu spiraligen Gebilden, so ineinander verschränkt, dass sie nicht mehr voneinander loszukommen scheinen“.

Dabei laden seine Objekte ausdrücklich ein zur Berührung, die sie in eine weitere Lebendigkeit erhebt: Nicht nur die momentan fühlbare Textur des Materials, die teilweise filigran lackierten Flächen, sondern auch die Zeit hinterlässt ihre spuren auf dem rosthautbildenden Stahl, der sich immer wieder Verändert und so das Vitale im scheinbar toten Material unterstreicht.


Die Kunstausstellung „Dialog: Skulptur, Raum, Malerei“ läuft noch bis zum 20. Juli und kann dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, an Samstagen und Sonntagen von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden. Eine Besichtigung, die sich lohnt, weil sie mehrere Sinne anspricht, weil sie die Zwiesprache mit teilweise sehr beeindruckenden Werken ermöglicht und weil sie die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Thematik in eine eigene Erfahrung zu übersetzen versteht.





Weitere Informationen im Internet unter www.kunstverein-hockenheim.de.