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Jodorowsky/Janjetov/Beltran
Erschienen
Die Techno-Väter #1: Albino, der Meister der Spiele
03/1999
Feest Comic Verlag, Stuttgart
54 Seiten / DM 22,80
Im edlen Hard-Cover und Überformat präsentiert sich das neuste Jodorowsky-Album.
Wieder im "John Difool"-Universum angesiedelt, wie auch schon die Geschichten um die "Meta Barone", werden hier in wunderschönen Bildern die Memoiren des Techno-Vaters "Albino" erzählt. Auf den ersten Blick also alles vom Feinsten.

Schlägt man den Band auf, beeindrucken vor allem die kräftigen Farben. Albinos Raumschiff sieht ein wenig nach einer Armband-Uhr aus, und dieses Gefühl des Déja Vu verlässt den Leser nicht mehr. Doch zur Story.

Das designierte Orakel der Herrscher-Familie wird während eines Piratenüberfalls von sechzig Piraten vergewaltigt. Nachdem die Piraten wieder abgezogen sind, bleiben neben den Toten und der Geschändeten noch einige Kampftiere der Piraten zurück. Allein und vom Imperium verstoßen gebirt Panépha drei Kinder: Den schönen dunkelhäutigen Jungen Almagro, den weißhäutigen Mutanten, der die Geschichte erzählt und die vierarmige Onyx. Panépha schwört Rache. Aus der Milch der Kampftiere macht sie Käse, und mit der Zeit schafft sie es, genügend zu verdienen, um sich einen der stärksten Kampfraumer zu kaufen.
Währenddessen wachsen die drei Kinder heran. Almagro wird der Liebling der Mutter, der Albino entwickelt ein Geschick beim Programmieren - und Onyx muss den Boden schrubben. Der Albino wird zur Ausbildung an einen Techno-Vater verkauft. Während der Lehre werden die Herrscher der Techno-Kaste auf die besondere Begabung des Albinos aufmerksam. Panépha und Almagro werden von den Söldnern hintergangen und befinden sich nun in Gefangenschaft eben der Piraten, die sie vernichten wollten.

Kein Science-Fiction neueren Datums scheint mehr ohne virtuelle Welten auszukommen. Egal ob "Otherland" oder "Snowcrash", alle müssen die Entwicklung des Internets in ihren Geschichten verbraten. Leider bleibt es bei den meisten Autoren dabei, dieses neue Medium als weiteres Gimmick zu benutzen. Kein Anzeichen eines krativen Weiterdenkens zu diesem Thema ist zu bemerken. Um echte "Internet-Fiction" erleben zu können, müssen wir wohl warten, bis die heutigen Netzkinder endlich selbst Geschichten erzählen werden. Die Idee, sich mit einer Käserei an einer Piratenbande zu rächen ist nett, passt aber mehr in "Per Anhalter durch die Galaxis".

Wo wir gerade beim Aufzählen von Vorbildern/Vorlagen dieses Comic sind: Das Design, besonders das des Kampfraumers, erinnert nicht nur an die Enterprise.
Und mit den Zitaten geht es insbesondere bei den Zeichnungen weiter.
Zuerst fühlt man sich wie in einer keimfreien Version alter Moebius-Comics. Die Details sind feiner, aber die Art, durch Punktierungen Oberflächenstrukturen zu schaffen, kommt klar vom Meister. Auch der "Henker" hat eine bunte Version von Major Gruberts (aus der "Luftdichten Garage") Uniform an. Die Mitschüler des Albinos tragen Sternenflotten-Uniformen, der Barde der Söldner ist direkt einer Bilal-Geschichte entsprungen und die Massenszene mit den Aliens könnte aus einem Wolferton-Strip stammen. So bleibt ein gemischtes Gefühl zurück.


Diese weitere Vermarktung des "John Difool"-Erfolges ist nett gelungen, es fehlt ihr aber an Eigenständigkeit.

Die hemmungslose Kopier-Orgie ist technisch brilliant und das Format mit Hard-Cover und Überformat entspricht endlich dem hohen franko- belgischen Standard zu einem angenehmen Preis.