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Erschienen
"Mistcapala" lacht über "Naturkatastrophen der Neuzeit"
01/2007
Die Bayern sind berühmt für ihre Gemütlichkeit, für die besondere Art, diese Gemütlichkeit zu zelebrieren und für die daraus destillierten „Heimatabende“. Etwas in der Art brachte am vergangenen Samstag Abend das „Herrenquartett“ „Mistcapala“ nach Hockenheim. Im Kulturzentrum „Pumpwerk“ standen vier Männer aus dem geruhsamen, für lange Zeit allenfalls durch die dort absolvierte Festungshaft Hitlers bekannte „Landsberg am Lech“ auf der Bühne und verbreiteten zwar keine Heimatstimmung, aber diese spezielle Gemütlichkeit: Warm und weich kam ihr Gesang rüber, der leichtfüßig durch den Abend plaudernd Geschichtchen präsentierte, die unter Beweis stellten, dass „leichte Muße“ nicht immer auch seicht sein muss.

„Entspann, trink ´nen Schluck, lass es einfach laufen“, so postulierten die „Freunde von der Mistcapala“ bereits in ihrem Eröffnungslied – und kultivierten diese relaxte Atmosphäre dann in brillanter Systematik.

So geht es denn an die Grenze, wo man erst mal lernen muss, dass man „nie ein Schweizer Grenzorgan auf seine Humorfähigkeit hin prüfen“ sollte, es geht in den Disney-Park als „Goofy-Darsteller“ oder in den Palast an den Bosporus, wo „Unlustknaben“ für ganz verwöhnte Geschmäcker bereitstehen.

Lenker und Macher dieses spritzig-leichten Themenkarussells sind Armin Federl am Akkordeon und an der Leier, Tobias Klug, der Dresdner Import und strohtrockene Kommentator am Kontrabass, Saiten-König Vitus Fichtl und vor allem der Verwandlungskünstler, Instrumentaljunkie und Ohrenschnalzer Tom Hake. Zusammen bilden sie eine Gruppe, der man bitterböse, meist etwas morbid angehauchte Texte auch Dank der schönen Tongewänder, in das sie ihre Satiren zu hüllen pflegen, nur allzugerne abnimmt.

Da stellt man sich erst mit gewisser Scheu vor, wie das kleine Schoßhündchen „Pepita“ der guten Frau von Basedow auf der Rassehundeausstellung einen ganz besonderen Weg des Erfolgs geht: „Pepita steckt im Huskey-Rachen, ja da kann man nix mehr machen!“ Aber schon binnen kürzester Zeit bringt die schlitzohrige Art, mit der die „Mistcapala“ ihre Stories vorträgt, das befreiende Lachen.

Das ist bei Tom Hake im Grunde schon durch dessen Anwesenheit garantiert. Der Ausnahme-Künstler, der zusammen mit dem Dudelsack- und Tinwhistle-Spieler Dermot Hyde das Folkprojekt „Pipeline“ verfolgt, machte den Abend zu einer grandiosen Variete-Show: Ob als lahmarschiger Grenzer, treuseelige Frau von Basedow oder osmanischer Lack- und Leder-Fetischist – immer hatte der Mann dessen Äußeres etwas von Nick Parks „Wallace“ atmet, die Lacher sofort auf seiner Seite. Besonders brilliant: Sein Auftritt als musikgeplagter Wohnblock-Mieter ganz im Stile „Herbert Knebels“ ließ „Naturkatastrophen der Neuzeit“ gegenwärtig werden: „Leben sie da mal dreißig Jahre – da legt ihre Lebensfreude auch mal ne kleine Verschnaufpause ein!“


Das war beim „Mistcapala“-Auftritt ganz anders: Laut „Stern“-Umfrage „Perspektive Deutschland“ war – zumindest 2003 – die Einwohnerschaft Landsbergs die glücklichste in der ganzen Republik. Löblich also, dass sich „Mistcapala“ aufgemacht hat, dieses Glück auch über den Rest der Deutschen zu ergießen. Und man kann es nicht anders sagen: An diesem Abend im „Pumpwerk“ ist das bestens gelungen.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.mistcapala.de