2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Messe der Blues-Legenden macht die Nacht zum Fest
02/2007
Sie sind Legenden, haben längst Kultstatus erreicht und haben eine so treue Fangemeinde, dass man schon fast von „Jüngern“ sprechen könnte, wenn es nicht so viele wären: Die „Frankfurt City Blues Band“ (FCBB) machte Mitte Januar wieder einmal Station im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“, wo die Gemeinde bereits auf die Gurus des Blues warteten: Gespannt darauf, wie sich die Musik der Fünf, die dafür bekannt und geliebt sind, dass sie sich selbst als „Blues-Opis“ musikalisch immer weiter entwickeln, seit dem letzten Auftritt vor drei Jahren gemausert hat.

Und natürlich war alles wieder ganz anders, wieder ganz neu und doch unverwechselbar FCBB. Gitarrist Johannes Krayer kommt nun nur noch als Gast und war diesmal nicht dabei, dafür ist der Saxophonist Achim Farr, der bereits Ende der Siebziger des letzten Jahrhunderts den ersten Gipfelsturm der FCBB mitmachte, dann aber bei den „Rodgau Monotones“ zu sehr eingespannt war, wieder in die Stammbesetzung zurückgekehrt – also neue Grundkomponenten für einen Sound, der aber doch seinen speziellen Charakter voll und ganz behalten konnte: Besonders atmosphärisch, mit viel Groove, stark von den vocals des Band-Urgesteins Andreas „The August“ inspiriert, der diesmal seine Finger ganz vom Keyboard ließ, aber auch von den besonders ausgebauten Gitarren-Parts Tillmann Höhns, den man schon zusammen mit Allannah Myles, John Stowell und David Becker gehört hat und von dem die meisten Menschen seine Werbemusik aus dem Fernsehen kennen, unter dem Bass und Drums einen verlässlichen, mitreißenden Grundrhythmus legen – that’s the show of FCBB!

Und damit entfesselten die Blues-Brothers einmal mehr ein Feuerwerk der Emotionen in knisternder Atmosphäre, die keine andere Formation in gleicher Weise zu produzieren vermag: Hier frenetischer Jubel, da ein zärtlich ineinander vertieftes Paar, dazwischen ausgelassene Tänzer – ein Fest für alle.

Dazu trägt immer auch das Publikum, das sich mit größter Aufmerksamkeit den Beats und Grooves hingab, bei: „Wir haben es schon erlebt, da war das Publikum scheiße – da haben wir auch scheiße gespielt. Extra. Aber heute spielen wir extra gut!“ skandierte August in den Saal und bekam prompt die ekstatische Quittung seiner Zuhörer.

Tatsächlich gab die FCBB wieder einmal alles: Zu „Ruby Thuesday“ von den „Stones“ verstieg sich Höhn in ein brillantes und gefühlvolles Gitarren-Intro, dazwischen wie zur Bündelung der Aufmerksamkeit auf den einen Punkt, den der Titel vorgibt, die einfallsreichen, reich durchwirkten Saxophon-Soli Farrs, der seinem Instrument streichelnd die schärfsten und die sanftesten Töne entlockte und natürlich die markante Stimme des Frontmanns August, voll Charakter, bodenständig und war, ein wenig erdig, immer aber voll Gefühl. Ein hartes, unglaublich phantasievolles Schlagzeug-Solo lieferte Drummer Wolfgang Stamm „der Vielumjubelte“ mit „You really got me“ von den „Kinks“ – nur einem weiteren Beispiel dafür, wie die FCBB altbekannte Titel neu aufpoliert. So wie von der vorletzten CD „one, two, go go“ Bob Dylans „Don’t think twice“ – „wir haben Erinnerungen ausgebuddelt, die uns geprägt haben. Dabei haben wir uns nicht dafür interessiert, wie das Original geklungen hat, sondern nur dafür, wie es bei uns klingen würde“. Das ist die Art, in der die „Frankfurt City Blues Band“ Klassiker ins Hier und Heute transportiert: Die Band lebt von einem perfekten Sound, der Botschaft zu vermitteln versteht.


Eine neue Messe der Blues-Gurus mit frenetischen, ekstatischen Jüngern schraubte sich in die „Pumpwerk“-Nacht und machte sie zu einem großen Musik-Fest. Wieder einmal.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.frankfurtcitybluesband.de