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Erschienen
Andrea Badey: Zweckpessimismus und Silberstreif am Horizont
03/2007
„Was bleibt, ist die Liebe – alles andere ist noch schlimmer!“ Mit einem derart unverkrampften Blick, frei aller Illusion und doch aufgeladen mit den schönsten Träumen, blickte Anfang Februar die aus Oberhausen stammende Kabarettistin und Schauspielerin Andrea Badey auf das Leben als solches und ihr Leben im besonderen. Es mag sein, dass man eine so unsentimentale Schau auf die Dinge nur im „Kohlenpott“ ausentwickeln kann, in einer Region, in der das „Schicksal als Chance und die Herkunft als Überlebenstraining“ verstanden werden müssen. Diesen auf einer Bühne zu präsentieren, erfordert nicht nur Mut, sondern - will man dabei auch noch hintersinnig bleiben und nicht auf die Gaby-Köster-Plattheit abgleiten – vor allem unglaublich viel Phantasie und Wortgewalt. Und beides brachte die Künstlerin, die in der Presse gerne mit „Vollblutweib“ etikettiert wird, was ihrem weit ausladenden Charakter und ihrer fein ziselierten Sprache keineswegs gerecht werden kann, in ihrem in zwei Stunden Programm gegossenen Ego-Trip „Besser gut geschminkt als vom Leben gezeichnet“ in Form.

In diesem „Musik-Kabarett zwischen Puff und Friedhof“, wie die Badey das selbst titulierte, schlüpft sie in atemberaubender Geschwindigkeit in verschiedene Rollen, gibt die gelallte Poesie einer melancholischen Bar-Dame („Man unterhält sich mit sich selbst, nur, um mal wieder eine bekannte Stimme zu hören“) ebenso überzeugend, wie die zahnlose "Omma", die ihr in Sachen Weisheit doch immer als "innerer Kompass" diente.

Ihre Erzählungen sind zwar leichtfüßig, aber dennoch tiefgründig, sie drischt nicht mit seichtem Witz auf ihr Publikum ein, lässt sie aber auch nicht im Ozean der geflügelten Worte ertrinken. Was Andrea Badey sprachlich macht, ist der meisterliche Drahtseilakt zwischen reinster Poesie und glänzender Putzfrau. Dazwischen streut sie – so solls beim Musikkabarett ja auch sein – kleine klangliche Perlen, bei denen man allerdings den musikalischen Liebreiz hauptsächlich Stefan Kaspring, dem Komponisten, Arrangeur und Pianisten des Abends, zu verdanken hat: In glitzernden Tönen streichelte der aus seinem Klavier hochemotionale Musik heraus, zu der die Badey dann meist eher sprach, als zu singen. Mal mit einem nachdenklichen „Wir zwei, wir wollen wirklich nicht das gleiche: Du willst mich und ich will Dich!“, mal mit einem augenzwinkernden Unterton „für alleinerziehende Kinder“ entführte sie so in Wort und Ton ihre Gäste zu einem Flug über die Welt, irgendwo zwischen Wunderland und Mülldeponie: Ein Paradies voll Alltagssorgen. Das kommt raus, wenn sich die Badey vornimmt, etwas zu machen, was sie angeblich noch nie gemacht hat: „Sag Dir doch einfach mal die Wahrheit“. Dann stellt sie fest: „Wir sitzen alle in einem Boot – und sinken. Aber wir sind glücklich dabei. Nur kurz, aber auf hohem Niveau!“ Und zieht letztlich das Fazit: „Das Leben ist so eine Sache, da will man gar nicht bei sein – da wird einem schon vom zugucken schlecht!“

Aber, wie sollt es anders sein: Die quirlige Frau schüttet in ihre Schwarzmalereien genau im richtigen Zeitpunkt immer wieder einen Schuss Farbe, lässt bei allem Zweckpessimismus stets den Silberstreif am Horizont noch zu. Und hinterließ ihre mal gebannten, immer gespannten und bisweilen auch ausgelassenen Zuhörer mit einer kuscheligen eigenen Version des legendären „Moon River“ auf dieser hoffnungsvollen Straße: „All die, die den Regenbogen von beiden Seiten gesehen haben, die schaffen jede Strecke“.


So blieb, als sie am Ende des Programms ihr Publikum wieder in den grauen Alltag hinauskehrte, ein zwar diffuser, aber auf jeden Fall wohlig süßlicher Eindruck zurück: „Das was schön. Ich weiß nicht, was es war, aber das war schön!“



Weitere Informationen im Internet unter http://www.andreabadey.de