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Erschienen
Paul Millns bleibt der ewige Geheimtipp
04/2007


„Undercover“ war er auf seinem Plakat angekündigt – der Titel der neuesten, Ende des vergangenen Jahres erschienenen CD auf der einen, eine Art „Lebensschicksal“ auf der anderen Seite: Paul Millns, der britische Singer-Songwriter ist seit mehr als 35 Jahren ein Phänomen ganz eigener Klasse, ein Musiker, der unglaublich beliebt ist und geschätzt wird,dessen ganz großer Durchbruch aber stets verwehrt blieb – ein ewiger „Geheimtipp“.

So verwunderte es nicht, dass selbst im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“, wo Millns am vergangenen Freitag Abend gastierte,beim fünften Auftritt des Ausnahmemusikers Plätze frei geblieben waren. Dem Abend tat es keinen Abbruch, denn eingefleischte Fans kennen das: Paul Millns findet jeder gut, der ihn hört. Aber wenn in zwei Jahren wieder das Plakat an der Straßenecke steht, ist der Name vergessen. Unvergesslich dagegen die Musik.

Das Album „Undercover“, mit dem Millns in diesem Jahr durch ganz Deutschland tourt, ist erneut ein Beispiel dafür, wie ein Künstler dreizehn Titel auf ein Album pressen kann, von denen jeder ein außergewöhnliches Stück Musik ist, das Herz und Seele berührt – und doch derWelthit nicht gelingt.

Was vor allem daran liegen mag, dass sich Paul Millns nicht in eine Schublade pressen lässt: Seine Lieder sind unprätentiös und wohltuend gegenwärtig, sie verlieren sich nicht in bloßer Schönheit oder reinem Geist, wenden sich ab von Mainstream und seichtem Geplänkel.Sie sind eine Mischung wie das Leben selbst, mal traurig, dann wieder mitreißend und explosiv, mal nachdenklich, dann wieder voll Lebensfreude und Humor. Musik für Menschen wie Dich und mich, für Looser ebenso wie für die, die grade mal auf der Sonnenseite stehen. Entsprechend geht es Millns nicht um musikalische Stile und rhythmische Grundmuster. Er schreibt aus dem Bauch und aus dem Herzen heraus; eine Fähigkeit, die jedes seiner Stücke atmet, die man in eine ganz eigene Klasse irgendwo zwischen Blues, Boogie, Soul, Rock und Pop einordnen wird.

Den größten Teil seines „Undercover“-Programms bestritt der Großmeister mit Titeln der vierzehn Vorgänger-CDs; kein Wunder, begeistert seine Musik doch auch beim zigsten Hören immer wieder neu. So heizte er mit dem rassigen „Happy go lucky Joe“ und dem Blues-Reißer „Gasoline heart“ ordentlich ein und setzte damit lebendige Mitmach-Akzente in seinem grundständig eher nachdenklich-ruhigen Programm. Das lebte aus ergreifenden Balladen und ruhigen Blues-Nummern, so dem liebevoll-zärtlichen „World on your shoulders“ als Dank für alle, die aus reiner Menschlichkeit und Nächstenliebe zu Hilfe und Unterstützung bereit sind, oder den beiden Highlights der „Undercover“-CD „History Of A Kiss“ und „No Donkey Ride“. Letzterer Song könnte als Prototyp durchgehen: Unverkrampft, unverblümt, undressiert nimmt Millns das Leben und immer wieder die Liebe unter die Lupe. Er seziert nicht, vielleicht analysiert er nicht einmal. Aber er erzählt in einer unnachahmlich wirklichkeitsnahen Art und Weise mit offenen Worten und bezaubernden Tönen.

Für eben diese hatte er sich in diesem Jahr drei Musiker mitgebracht, die ihren Teil dazu beitragen konnten, aus dem Abend erneut eine vielbejubelte Millns-Nacht zu machen. Ingo Rau mit seinem zart-dezenten Bass ist ebenso ein altbekannter Wegbegleiter des Pianoman wie Drummer Vladi Kempf, der sich in einer fast ebenso ruhig-bescheidenen Art oft mit Besen spielend weitgehend im Hintergrund hielt. Dafür setzte Butch Coulter umso mehr Akzente. Mit der Mundharmonika und der Gitarre warf er die instrumentellen Spots, gab manchen in Töne gekleideten Hinweis, manches Augenzwinkern, manche Note Herzschmerz bei.


Es war ein Abend, wie alle Abende mit Paul Millns sind: Immer wieder spannend, immer wieder ein neues musikalisch-emotionales Erlebnis. Und mit humorvoll-charmanten Einwürfen zwischen den einzelnen Titeln hat er erneut versichert: Auch wenn er kein Star werden wird, Paul Millns kommt wieder – als „Geheimtipp“ für die Einen, als begnadeter Musiker für alle.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.paulmillns.com