2017
 
 
 

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Paul Grist
Erschienen
Kane - Leben in Eden
06/99
Carlsen Verlag GmbH, Hamburg
116 Seiten / DM 29,90
Kane ist ein einsamer Polizist. Niemand seiner Kollegen möchte mit ihm reden, gescheige denn mit ihm zusammenarbeiten, denn Kane erschoß seinen Partner. Das war zwar in Notwehr, aber wen kümmerts. Der Leser lernt Kane bei einem Einsatz kennen.

Ein Kleinkind wird von einem Psycho in einer verlassenen Kirche festgehalten. Während die schießwütigen Spezial-Einsatzkräfte vor der Kirche auf den Einsatzbefehl warten, geht Kane auf eigenes Risiko zu dem Kidnapper. Nur Kanes neue Partnerin versteht die Welt nicht mehr: Warum lassen die "Kollegen" ihren Partner mit einer manipulierten Waffe ins Messer laufen? Sie allein steht Kane bei. Als die Situation geklärt ist, dürfen dann die Spezialisten endlich das Gebäude in Schutt und Asche legen. Der düstere Gundton wird durch die Kritik an der sensationsgeilen Presse nicht heiterer. Die letzten Worte des ersten Teiles "(Meine Zeit in der Hölle,) die hat wohl gerade erst angefangen" tun das ihrige.

Carlsen faßt in dem Band "Leben in Eden" die ersten vier Hefte der englischen Serie zusammen. Erst in der Bonus Story "Schießübung" wird einem der Witz, der zugegebenermaßen anfangs ziemlich versteckt in diesem Comic steckt, bewußt. Allein diese fünf Seiten sind die knapp 30 Mark wert. Spätestens dann wird die Figur des "Hasen" verständlicher, der sich besonders über die Anrede "Hallo Bugs Bunny" ärgert, denn er ist kein lustiger Hase. Um den Hasen dreht sich übrigens auch der nächste Handlungsabschnitt, der hoffentlich bald veröffentlicht wird. Aber Vorsicht: Bei dieser geballten Ladung trockenen Humors sollte man etwas zu Trinken in der Nähe haben.

Die schwarz/weißen Seiten trübt kein Grauton. Gelegentlich tauchen Schraffuren auf, aber nicht so, daß sie stören würden. Die Seiten mit den eingeklinkten Fernseh-Bildern sind eine Hommage an "The Dark Knight Returns" (DIE Batman Story überhaupt). Auch die Parallelen zu "Sin City" von Frank Miller sind Absicht, aber eher auf das Zeichnerische beschränkt. Kane hat leise Untertöne mit einer guten Prise Ironie, ganz im Gegensatz zum ultrabrutalen Hard-Core Thriller "Sin City". Bei der Übersetzung wurden auch die Wörter im Hintergrund nicht vergessen. Die Seiten wurden leicht verkleinert und der Strich wirkt etwas kräftiger, das Papier ist gröber und gelber, aber wen kümmerts?

"Leben in Eden" ist ein gelungener Auftakt der neuen "Comic Art"-Reihe bei Carlsen. Einen großen Nachteil hat dieses Comic: Es ist zu schnell zu Ende.

Wer nach der Lektüre dieses Comics eine Zeile an den Schöpfer Kanes schreiben will, hier die Adresse: Paul Grist - Dancing Elephant Press - 207 Marcliffe Road - Sheffield S6 4AH - England