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Erschienen
Folk-Rocker von "Paddy goes to Holyhead" als Stimmungs-Garantie
04/2007


Er ist einem irischen Nationalheiligen geweiht, dieser 17. März: Dem im 5. Jahrhundert in Irland wirkenden Bischof Magonus Sucatus Patricius, dem vielerlei Wunder nachgesagt werden, denen noch heute – wenngleich auf bisweilen eher verwunderliche Weise – gehuldigt wird. Der „St. Patrick‘s Day“ jedenfalls ist in Irland gesetzlicher Feiertag, aber auch an vielen anderen Orten auf der Welt feiern Iren und Irland-Fans gemeinsam in großen Paraden und Festen den einstigen Missionar.

Wen könnte es also verwundern, dass der jüngste Auftritt der Formation „Paddy goes to Holyhead“ im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ am vergangenen Samstag angesichts des denkwürdigen Termins ebenfalls zu einem wahren Volksfest avancierte.

Zwar hätten mit etwas Gewalt sicherlich noch ein paar Fans mehr in den Musentempel gepasst, doch ausverkauft war die Session dennoch – gerade feiernde Folks brauchen ja auch etwas Platz für ihren Freudentaumel.

Den gab es dann bereits von der ersten Minute an satt: „Paddy Schmidt“ Harald Kligge, der seit etwas mehr als zwei Jahren nach einer dem eigenen Soloprogramm gewidmeten Abstinenz wieder der Frontmann seines Lebenswerks „PGTH“ ist, hatte sein Publikum sofort fest im Griff – ein Profi der Bühne, ein Vollblut-Folkmusiker, ein gefeierter Geschichtenerzähler und tiefgründiger Sänger in einer Person.

Dass es „Paddy goes to Holyhead“ in einer zwar etwas veränderten, aber zumindest in wichtigen Schlüsselpositionen wiedervereinten Formation gibt, mag nicht gleich heilig sein, ein „Wunder“ ist es für die frenetischen Fans, die teilweise von weither angereist waren, aber allemal: Die 1988 von „Paddy Schmidt“ gegründete Truppe, die sich rasch einer ganz eigenen Art des Celtic-Rock verschrieben hatte, feierte Mitte der 1990-er Jahre große, auch bundesweit vielbeachtete Erfolge. 2001 stieg der charismatische Gründer aus und auch Revival-Projekte wie die „Real ould Paddys“ konnten keinesfalls an den alten Erfolg anschließen.

Doch die Fans hatten das beeindruckende Feeling der alten Zeiten keinesfalls vergessen: Bereits im vergangenen Jahr bereiteten sie der Kultband nach deren Reunion einen fast schon orgiastischen Empfang, in diesem Jahr konnte die Stimmung sogar noch ausgebaut werden.

Überraschungen erwartete sicherlich keiner der Gäste; stattdessen gab es Gänsehautfeeling und ausgelassene Tanzeinlagen inklusive – das „Pumpwerk“ verwandelte sich unter dem Einfluss des wohlbekannten Sounds, der allenfalls etwas technischer geworden ist (man setzt heute einen „Sounddesigner“ am Mischpult ein) und eine Brise mehr Rock enthielt, in einen wahrhaftigen Hexenkessel. Wenn das der gute Patrick gewusst hätte.

An der Seite Paddy Schmidts, der mit seiner rauchig, tiefgründigen Stimme, der Gitarre und der Mundharmonika weiterhin die Szenerie bestimmte, traten alte Weggefährten und junge Erben an: Jo Naumann griff wie in den Zeiten des ganz großen Erfolgs in die Tasten des Keyboards und des Akkordeons, der Longtime-Paddy Kalle „the Doc“ Spriestersbach keilte auf seine Drums ein, um den Titeln den nötigen Drive zu geben. 2005 neu dazugekommen sind Uwe „Uhu“ Bender, der einen besonders satten Bass mitbrachte, und die Geigerin Nicole Ansperger, die vielleicht nicht an die vom Publikum besonders geliebten Vorgänger Almut Ritter und Mathias Kohlmann heranreichen konnte, der man aber in alter Tradition einen besonders liebevollen Beifall gab.

Zusammen machten sie Musik, die erwartungsgemäß wenig Neues bot, die aber eine liebgewonnene Tradition perfekt wiederaufleben ließ: Hymnen und Gassenhauer wechselten einander ab, vom rassigen „Bound around“ als Opener bis zum nachdenklich-sanften „Last Song“ in der lange verlangten und verdienten Zugabe war alles dabei, was die „Paddys“ immer schon ausmachte: Die heißgeliebten Trinklieder wie „Seldom sober“ und „Great Song of Whiskey“ ebenso, wie die ruhigen Klassiker im Stile von „Titanic“ oder „Here´s to the People“, dazwischen schnell noch den „Irish Rastafari“ „Red Rasta“ und Jos Schwiegermutter-Ode „The Dragon“ gestreut – eine perfekte Mischung.


Nicht verwunderlich also, dass die Fans nach dem rund zweieinhalbstündigen Programm völlig aus dem Häuschen waren und immer mehr forderten. Wer es miterlebt hat, dem wurde wieder einmal klar: „Paddy goes to Holyhead“ ist eine uneingeschränkte Stimmungs-Garantie. Insofern kann es auf Schmidts Abschiedstitel „Will you ever think of me, will you miss me when I‘m gone?“ nur eine Antwort geben: „Oh yeah!“



Weitere Informationen im Internet unter http://www.paddy.de.