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Erschienen
300 - Der Kommentar
05/2007
„300“ ist ein grandioser Comic und ein problematischer aber perfekt gemachter Film. Ja, der Film hält sich fast pedantisch an die grafische Ästhetik der gezeichneten Vorlage. Die Aussage bleibt dabei völlig auf der Strecke. Millers Arbeit ist von Reduzierung geprägt. Grafisch und erzählerisch zieht sich dieser rote Faden durch seine wegweisenden Comics „Batman - The Dark Knight Returns“ und „Sin City“. Statt satter Farbverläufe und detaillierter Hintergründe setzt er auf Licht und Schatten. Bewusst vermeidet er in seinen Bildern wie in seinen Storys auf Grautöne. Das zweite große Thema bei Miller ist der Held. Dieses Bild demontiert er schon in seinem ersten bahnbrechenden großen Batman-Comic und zerfetzt den in Amerika zumeist strahlend dargestelten Protagonisten Batman in der zehn Jahre später entstandenen Fortsetzung „DK2“. Anders als seine Autoren-Kollegen, die in den Neunzigern auch bösen Helden blutgeil Gewaltorgien erleben ließen, übersteigert er bewusst bekannte Sujets. War „Batman - The Dark Knight Returns“ noch von einem bevormundenden Helden geprägt, revidiert Miller diese Aussage in seinem „DK2“ und entzieht den Helden hier komplett die Berechtigung, über den normalen Menschen zu bestimmen. Auch die „Sin City“ Geschichten kennen eher den versagenden Helden, der eigentlich nur in der Gewalt etwas Gerechtigkeit in die Geschichte bringen kann - das klingt schon so krude reduziert bitter, ist es in der leider immer langatmiger werdenden Serie um so mehr. „300“ ist in dieser Entwicklung ein Höhepunkt. Miller enthält sich jeglicher Wertung, er zeigt den archetypischen Helden bei seiner eigentlichen Arbeit, dem Morden. Fast ohne schmückendes Beiwerk, reduziert auf das Wesentliche.

Der Film macht genau das Gegenteil. Bildgewaltig und ohrenbetäubend überrollt er den Zuschauer mit prachtvoll erstellten Bildern. Comic und Film zeigen Gewalt, der Comic präsentiert sie, der Film schwelt untermalt vom bombastischen Sound getragen in dieser Brutalität. Wo der Comic Zeit zum Zurückblättern lässt, reist der Film das Publikum von einer Blutfontäne zur nächsten. Und weil es in der gezeichneten Vorlage zu wenig Sex und Gewalt gibt - besonders „zu wenig Gewalt“ soll hier perfide klingen - erfindet der Film mal schnell noch ein wenig in diese Richtung zum Comic dazu. Opulenz statt Reduzierung, Entmündigung des Konsumenten statt Vorlage zur Kritik. Szenisch ist der Film eine perfekte Umsetzung des Comics, inhaltlich wird die hier Miller unterstellte Aussage vergewaltigt.


„300“ ist und bleibt trotz aller Kritik ein grandioser Comic und ein vielleicht leider wegweisender Film.