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Carey / Manco
Erschienen
Hellblazer - Hölle auf Erden
05/2007
Panini Verlags GmbH, Nettetal
128 Seiten / € 16,95
Hellblazer stand eine lange Zeit für die anderen, guten amerikanischen „Superhelden“ Comics bei uns in Deutschland und die Serie hatte ihr Zuhause im Haus Speed. Wehmütige Emotionen kommen da in der Comicfan-Seele hoch, musste sich Speed doch vor einiger Zeit in die Reihen der ehemaligen Comic-Verlage einreihen. Ist es toll oder eine problematische Entwicklung, das nun Panini die Serie weiterführt? Monopol heißt Diktatur und das ist immer schlecht, aber ein Monopol kann auch nur das verkaufen, was wir Leser konsumieren. Also erinnern wir uns unserer Eigenverantwortung und freuen wir uns dann doch lieber an guten Comics aus dem Land der Hamburger und Hotdogs und bedanken uns bei Genre-Chef Panini für diesen Comicband.

John Constantine ist ein irgendwie abgefuckter Typ mit offensichtlich okkulten Fähigkeiten. Dämonen, Gespenster und Monster gibt es für ihn und täglich steckt er bis zum Hals in höllischem Schlamassel. Hier trifft „Gespenster Geschichten“ auf „Sam Spade“. „Wenn ich dich brauche, pfeife ich. Mit einer erstickten Note am Schluss“ - gelangweilt herausgespuckte Bemerkungen sind sein Markenzeichen, genauso wie eine völlig politisch unkorrekte Zigarette in der unrasierten Visage. Aber wozu auf Körperhygiene achten, wenn man spätestens nach 13 Seiten durch verwesende Leichen stolpert?

Der Sammelband „Hölle auf Erden“ begleitet John durch den Fünfteiler „All His Engines“. Der Plot klingt vertraut: Ein alter Freund ruft John. Wie aus heiterem Himmel fallen plötzlich zu viele Menschen ins Koma. Das bringt John und seinen alten Freund aus dem links fahrenden England ins rechtsfahrende Amerika. Aber schlimmer als der Verkehr stellt sich Beroul heraus. Der badet in aufgelösten Leichen und sieht auch sonst nicht sehr appetitlich aus. Aber er weiß, warum die ganzen Leute nicht mehr ansprechbar sind. John bringt noch ein paar alte Götter mit ins Spiel, um am Ende erfolgreich und allein vor einem vollen Aschenbecher zu enden.

Leonardo Manco hat auch eins, er kann wunderbar Montster zu Papier bringen, aber bei der Splashpage mit dem amerikanischen Highway verbockt er die Sache mit der Perspektive völlig. Aber was macht eine vergeigte Seite bei den höllisch detaillierten restlichen? Dieser Comic ist bunt und dunkel, passend zur Thematik. Der Zeichner macht keine großen Experimente, er erzählt, und das passend. Manchmal etwas zu schnell, aber das passt zur Feeling des Gespenster Heftchens für älter gewordene Menschen.

John Constantine ist dem Film-Fan vielleicht aus dem gar nicht so schlechten „Constantine“ Film ein Begriff. Dieser Comic erschien passend zum Kinostart in Amerika und war als Einstieg für Nun-Interessierte gedacht. Kein Wunder, das hier der Comic John mit dem Film John mehr Ähnlichkeiten als im „normalen“ Hellblazer Comic hat. Warum Gaiman hier von der Quintessenz der Hellblazer-Serie spricht, bleibt ein Geheimnis des Marketings, teuflischen Spaß macht das Lesen trotzdem.


Abgeschlossener und gut erzählter Comic mit „Gespenster Geschichten“-Flair und viel Schwarz.