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Erschienen
Viva Voce - und das „Pumpwerk“ wollte nur noch poppen
05/2007
Sie sind seinerzeit eher als „Lückenfüller“ ins „Pumpwerk“-Programm geraten – ein Glück für die Rennstädter, denn seit jenem denkwürdigen Sommer 2005 sind die fünf Jungs ein festes Highlight im Kulturkalender des Hockenheimer Musentempels: „Viva Voce“ machte am vergangenen Samstag erneut Station bei seinem inzwischen beängstigend angewachsenen Fankreis in der Kurpfalz, um mit dem neuen Programm „Unplugged“, einer Art Hymnen-Destillat, in dem die erfolgreichsten Viva-Voce-Titel eingedampft in hoher Konzentration verabreicht wurden, erneut für Furore zu sorgen. Einziger Wermutstropfen des Konzertes, mit dem die fünf Jungs der erfolgreichsten A-capella-Boygroup die Hockenheimer ansonsten begeisterten: Zu wenig aus der eigenen Feder der Voces, zu wenig neue Titel überhaupt.

Der frenetische Jubel, langanhaltendes Gekreische auch aus dem Pubertäts-Alter, in dem man die beatlesmaniaartige Hysterie als altersimmanent abtun könnte, längst entwachsenen Mündern und das ein oder andere aufreizende Unterwäsche-Stück, das auf die Bühne geworfen wurde, waren einmal mehr Beispiel dafür, wie enthusiastisch „Viva Voce“ geliebt wird: Der perfekte Sound, die unnachahmliche, bis aufs äußerste gefeilte Harmonik, die wunderbar abgestimmte Färbung, eine fein dosierte Dynamik und die präzise Rhythmik – zusammengenommen mit dem Liebe-Buben-Image, das die fünf Jungs aus dem bayrischen Ansbach nach wie vor pflegen, beste Zutaten für einen kuschelig-weichgespülten A-capella-Abend weit jenseit der allenthalben zu hörenden „Comedian Harmonists“-Rührseligkeit.

Dafür garantiert natürlich schon allein der wirklich unnachahmlich perfekte Ton der ehemaligen Chorknaben aus der musikalischen Kaderschmiede der bayrischen Landeskirche beim Windsbacher Knabenchor. Auf diesem herausragenden Fundament entfaltet sich unter der Regie der fünf Sunnyboys eine atemberaubende Musikshow, die ihresgleichen sucht: Perfekt, aber auf wundersame Weise sehr natürlich, unterhaltsam und doch mit viel Niveau, sexy ohne auch nur den Verdacht, ordinär zu werden.

Mit sanftem Augenaufschlag und klarer Stimme wickelte Beauty David Lugert die Damenwelt um den Finger, Thomas Schimm präsentierte eine doch recht eigenwillige aber charaktervolle Interpretation des Bon-Jovie-Klassikers „It’s my live“, während Jörg Fischer mit „What’s up“ der Alternative-Rockband „4 Non Blondes“ punktete. Das ist, was „Viva voce“ auf dem Cover-Sektor ausmacht: Einen wohlbekannten Titel an Armen und Beinen packen, ihn auf dem musik-chirurgischen Seziertisch auseinandernehmen, um ihn in neuer, bisweilen sogar noch strahlenderer Schönheit wieder zusammenzusetzen.

Den eigenen Titeln dagegen geben die fünf Jungs auch noch Witz und einen frech-unverblümten Genius mit. Entsprechend waren die eigentlichen Highlights des rund zweistündigen Programms Eigenkompositionen: Das vom sonoren Bass Heiko Benjes gebrachte Lied von der „Fliege“, das „Fettnäpfchen“ des geborenen Zweiten Bastian Hupfer, das sich zwar als „ganze Friteuse“, aber auch als herrliche Spielwiese für den brillanten Tenor herausstellte.

Dazwischen streuten die Jungs einige Image-Titel wie „Hallo Leute“, den Abgesang auf die WM-Niederlage 2006 „Italien, Italia“, das Phänomen der „weinenden Männer“ und den gefühlsechten „Sommernachtstraum“.


Kreischen, Fußgetrappel und ein nicht enden wollender frenetischer Applaus zwangen die Jungs zu zwei wirklich hart erkämpften Zugaben noch einmal auf die Bühne – einmal mehr hat „Viva voce“ die Rennstadt in ihren musikalischen Griff genommen: Und alle wollen plötzlich nur noch „vox-poppen“.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.viva-voce.de.