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Eric Kroll (Hg.)
Erschienen
The Art of Eric Stanton
06/99
For the man who knows his place
Benedikt Taschen Verlag, K
352 Seiten / DM 69,90


Schon einmal davon geträumt, gefesselt zu sein?

Nicht erst seit die privaten Sender auch außerhalb ihrer Sex-Magazine Sado-Maso Praktiken ihres Tabus - zur glorreichen Vermehrung des Reichtums der Mediengewaltigen - beraubt haben, gibt es Schilderungen dieser Spiel- oder Abart der Sexualität. Dabei gehören Unterwürfigkeits-Phantasien zur Pubertät, manche bleiben dabei halt hängen (Achtung: Wortspiel!). Doch nicht nur die Titten-Sendungen der Werbe-Programme huldigen der etwas härteren Gangart in der zwischenmenschlichen Beziehung. Der letzte Erlanger Comic Salon bedachte den Meister der Sprechblasen-Brutal-Erotic "Magnus" mit einer eigenen Ausstellung, und machte Sex-Comics salonfähig.

Zu den Illustratoren dieser Obsessionen gehört auch Eric Stanton. Im Benedikt Taschen Verlag erschien ein knallroter und unglaublich dicker Band mit vielen Bildern des Amerikaners.

In Stantons Werken bleibt für den Mann meist nur die Rolle als Opfer, die Damen dürfen auf beiden Seiten der Peitsche stehen. Die vielen Illutrationen, Comic-Strip-Auszüge (ganze Storys bilden die Ausnahme) und Titelbilder beeindrucken nicht nur wegen des Themas: Auch die Ausführung ist sehenswert. Besonders die Farbbilder wirken durch ihre pastellene und dennoch grelle Farblichkeit.

Immer wieder begegnen sich bei der Betrachtung Voyerismus, die Lust am Verbotenen und Abscheu und vermengen sich zu einem eigenartigen Gesamteindruck. Besonders die Titelbilder schmückten Schundheftchen, die wohl viele besaßen, aber die wenigsten in das Büchgerregal stellten. Ein nostalgisches Gefühl über weggeschmissene Zeugen der nahen Vergangenheit wird wach und kollidiert erneut mit den Inhalten. Von leichter Demütigung bis zur knallharten Gewaltanwendung reicht die Palette und macht "The Art of Eric Stanton" nicht gerade zu einem Kinderbuch. Aber wo sind die Grenzen in einer Zeit, in der Striptease in mittäglichen Musiksendungen zur Teenager-Erbauung dient.

Eric Stanton wollte auch immer mal etwas anders zeichnen, aber wenn der Magen knurrt, dann führt der leere Geldbeutel schon mal die Zeichenfeder. Dabei erreichen die Schmuddelbilder eine technische Perfektion, an der sich auch heute noch viele orientieren.Wie üblich läßt der Taschen Verlag die Leser nicht allein mit den Bildern. Die Texte, im englischen Original mit Bildern und in der französischen und deutschen Übersetzung am Ende des Buches, bringen ein wenig Licht hinter die Zeichnungen und ihren Schöpfer. Comic-Altmeister Steve Dikto, der der unglaublichen "Spinne" die ersten Schritte anzeichnete, tuschte viele Bilder Stantons. Ebenso wie beim Wandkletterer ziehen die einfach und kantig wirkenden Zeichnungen den Betrachter in ihren Bann. Neben den farbigen Titelbildern ein klares Highlight des Buches.

"The Art of Eric Stanton" ist nicht nur für Sado-Maso- und Lack- & Leder-Fetischisten interessant: Zum einen ist es ein richtig dickes Buch, das einem das Bücherregal gleich viel voller macht, zum anderen ist es voll von vielen gutgemachten Bildern und somit für Comicfreunde und Grafik-Liebhaber einen Blick wert.