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Erschienen
Ijon Tichy
08/2007
EuroVideo Bildprogramm GmbH, Ismaning
1 DVD mit sechs Folgen / ca. € 13,00
Es muss doch ein Grund zum Sektkorken-knallen-lassen sein, wenn das der eher hausbackenen Unterhaltung verpflichtete ZDF mal eine SF-Satire produziert. Da treffen Bullyparades ihrn Pavel und Bronko auf die wilden Ideen eines Polen, der den Baron von Münchhausen vor Jahrzehnten ins Weltall verfrachtete. Der leider 2006 verstorbene Autor Stanislaw Lem bewies mit seinen „Sterntagebüchern“, wie gut intelligenter Humor mit fein platzierter Sozialstudie zusammenpassen kann. Held dieser Geschichten war Ijon Tichy. Immer im Kampf mit den fast metaphysisch verklausulierten Tücken der Menschlichkeit fand er seinen Weg durch ein seltsames und meist unverständliches Leben, das dem unseren auf den zweiten Blick verdammt nahe war.

Das war der Ijon Tichy der Bücher: ein weltgewandter Botschafter des unfreiwillig unlogisch denkenden Menschen, der aber gerade dadurch den Gegebenheiten trotzen konnte. Nun gibt es diesen Mann nicht nur in der Literatur gleich mehrfach, dank des ZDFs haben des Unsinns willige Menschen sich den Traum von einem bewegten Tichy verwirklichen können. Der bekam dann eine Pro 7 auf witzig getrimmte Mundart verpasst und eine wundersam hübsche, wenn auch nur holografische Assistentin in Form der bildhübschen Filmschauspielerin/Moderatorin Nora Tschirner zur Seite gestellt. Beides macht Flachdenker glücklich, aber gereicht die ulkige SF-Unterhaltung auch für den etwas kopfbetonteren Zuschauer für einen Schmunzler? Sicher kommt die Serie mit ihren sechs kurzen Folgen nicht bei jedem an. Besonders der dem alten, literarischen Ijon Tichy verbundene Mensch kann hier viele Ecken und Kanten finden, um seinen Unmut fest zu machen. Aber die Folgen sind eigentlich unschuldig.

Die Macher nehmen die Tugend einer „Raumpatrouille Orion“-Produktions-Not und machen sie zur Tugend: Statt eines aus Haushaltsgegenständen zusammen gesetzten Kokpits gibt es hier ein Altbau-Wohnzimmer samt Haushaltsgegenständen als Kokpit. Man achtete nicht nur auf Star Trek Voyager typische verklebte Nasen, sondern ließ diese aus Plastikschläuchen bestehenden Nasen auch noch deutlich angeklebt aussehen. Das lässt dem nicht orthodoxen Freund des Genres die Mundwinkel beben und lässt ihn mit dem schon erwähnten schnell-mal-grinsen-wollendem Flachdenker gemeinsam diese kleine Serie gut finden. Sozial-Integration der fröhlichen Art - vielen Dank.

„Frei nach Stanislaw Lem“ ist wörtlich zu nehmen. Die Urgedanken der Episoden sind Lem, die Darbietung ganz und gar ungewöhnlich. Eine Neuinterpretation, so wie wir sie von ähnlichen Kulturgütern wie dem „Ring der Nibelungen“ bei nicht zu vermeidenden Festspielen kennen. Da werden Steuergelder ohne die Möglichkeit zum Lächeln aus dem deutschen Etat für eine dies nötig findende Minderheit entfernt - hier bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob er lieber aus lauter Elend zum guten alten Buch greift - was keine schlechte Idee ist - oder sich vielleicht doch über den hinter dem platten und nicht immer witzigen Radebrech in Russendisko-Manier verborgenen Sozialwitz neben dem Schmunzeln einen Gedanken macht.


Weil nicht teuer Pflichtkauf für SF-Komplett-Sammler der nicht weh tut; für Bullyparaden Fans eine Alternative zur Periode unerträglich und für Trash-Film-Fans unvermeidbar. Da sollte man antesten, zu welcher Art der Ijon Tichy Konsumenten man gehört.