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Bernet / Wiechmann
Erschienen
Andrax 1 – Experiment des Grauens
11/2007
Cross Cult, Asperg
144 Seiten / € 18,00
Kauka, das sind Fix und Foxi, vielleicht noch Lupo, aber wer verbindet mit dem Namen Kauka noch Action-Comics wie die „Cosmos Crew“ oder „Manos Kelly“? Aber das Thema Kauka mit der einzig wahren wirklich deutschen Asterix-Version Barabas und der Comic-Historie von Autor Peter Wiechmann von Kauka zu Zack und zurück ist für sich alleine spannend und Bücher füllend. Doch nun zu Andrax, der ist Held einer der lange vergessenen Serien bei Kauka und nun wieder bei CrossCult zu lesen.

Vermeidlich typisch CrossCult: Der Hardcover-Band ist klein, handlich und in Schwarz/Weiß. Das erinnert angenehm an die Hellboy-Augabe der Asperger. Es ist Band eins der Gesamtausgabe und bietet mit 144 Seiten einen fundierten Einstieg in die postapokalyptische Welt in 2000 Jahren und die sieht hier so aus: Die Welt ist in die Steinzeit zurückgefallen. Wir Leser erkunden von Bestien beherrschte Meere und von Robotern kontrollierte Städte an der Seite des Zehnkämpfers Michael Rush. Der wurde 1976 von einer üppig gebauten Dame entführt und vom verrückten Wissenschaftler Magor für 2000 Jahre auf Eis gelegt.

Die einzelnen Geschichten hatten unterschiedliche Längen, waren mal mehr Fantasy, mal mehr Horror und mal Science-Fiction und wie damals üblich maschinengelettert. Der antiquierte Charme des klassischen Times-Fonts wurde durch einen Font mit Handletter-Feeling ersetzt. Doch nicht nur das, Herr Wiechmann hat die Texte überarbeitet. Bei den immer noch nicht immer sinnvollen Inhalten der Sprechblasen fragt man sich warum nur? Früher suchte Michael einer Erklärung, warum sich ein Stein und ein Schwert in der Nebelwand auflöste: „Dafür muss es eine ganz normale Erklärung geben“, heute diagnostiziert er statt einer Strahlenmauer etwas anders: „Irgendwas leistet Widerstand!“. Das macht immer noch nicht richtig Sinn und ist eben auch nicht mehr das Original. Auch alle Schilder und Inschriften wurden geändert, was nicht immer Sinn macht. So wurde früher unser Held auf Transparenten als neuer Führer gefeiert, heute hat er die Stellung eines Königs. Das macht aber keinen Sinn, da der ehemalige Herrscher sich gerne wählen lassen würde – da macht das Amt des Anführers mehr Sinn als die des Königs. Zumindest sind heutzutage die Sprechblasen gleichmäßiger gefüllt. Früher wechselten sich überquellende kleine Blasen mit von nur mit wenigen Worten gefüllten Riesenblasen ab.

Das in der neuen Ausgabe die Farbe fehlt ist kein Verlust. Die Kolorierung aus den 70ern war grausig. Da muss man sich für die einfarbige Variante bedanken, genauso wie für den Band an sich. Denn Andrax ist trotz der Kritik mit Verngügen zu lesen. Auch wer die alten Hefte hat, wird sich schnell mit dieser Buchausgabe anfreunden und die Originale nur zu Vergleichszwecken herausholen. Das liegt an der damaligen unregelmäßigen Veröffentlichung als Fortsetzungsgeschichte im Magazin Primo und später den vereinzelten Episoden in der Zack-Box, die sich mit etwas Pech ohnehin aufgrund der fürchterlichen Produktionsqualität schon längst zur Loseblatt-Sammlung mutiert hat. Bei der aktuellen Ausgabe gibt es den fast authentischen SF-Comic-Pulp-Klassiker Andrax gut gebunden, mit allen Geschichten, neuem und gut aussehendem Lettering in einer tollen Papierqualität, die man hoffentlich auch noch in 30 Jahren gerne in die Hand nimmt.


Andrax ist klasse, und der Verleger äußerte völlig zu Recht „Wenn man auf 70er Jahre Fantasy-SF-Pulp steht, ist die Serie genau das Richtige. Alle, die eine völlig logische und originäre Story mit modernem Erzählstil erwarten, sollten aber lieber die Finger davon lassen.“ – wobei das mit dem „die Finger davon lassen“ ist zu hart, Andrax ist eben solider Trash und macht als solcher ordentlich Spaß, sicher auch den Literatur-Fans mit SF-Faible auf Intellektualitäts-Urlaub.