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Erschienen
Lydie Auvray fesselt und verzaubert
11/2007
Einen Vorgeschmack auf die große Gala, mit der Anfang November in der Kölner Kulturkirche das 30-jährige Bühnenjubiläum und gleichzeitig der 25. Bandgeburtstag ihrer Formation "Les Auvrettes" gefeiert wird, gab die "Grand Dame" des Akkordeons, Lydie Auvray, Ende Oktober im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk". Zwar hatte sie in der Rennstadt nicht ihre langjährigen Wegbegleiter Hannes Wader und Elke Heidenreich dabei, die in Köln mit ihr feiern werden, aber dafür bekam man im ehemaligen Wasserwerk eine Extraportion Auvray – mit allen Sinnen, mit unglaublich viel Gefühl und mit einer Virtuosität, die wieder einmal staunen ließ.Bis auf den letzten Platz ausverkauft war das Konzert und es atmete wie bereits bei den vorangegangenen Auftritten eine ganz eigentümliche Mischung aus Spannung und Begeisterung: Gebannt lauschte das Publikum jedem Ton, jeder Nuance, mit der Lydie Auvray in bunten Farben aus Tönen Geschichten und Geschichtchen zu erzählen pflegt, fühlte mit und nach und legte nur zwischen den einzelnen Stücken kurze Pausen ein, um im tosenden Applaus seiner Freude an der Musik Luft zu machen.Im Gepäck hatte sie neben einigen älteren Stücken – darunter der runderneuerte, ganz zu Beginn ihrer Karriere geschriebene Tango "Das bisschen allein sein kann ich auch ohne euch" – einen Streifzug durch ihre im vergangenen Jahr erschienene jüngste CD "Regards" und damit zahllose Beispiele, dass sich Lydie Auvray treu bleibt, während sie sich immer wieder neu erfindet: Irgendwo im Spannungsfeld zwischen Tango, Walzer und karibischem Folk findet sie ihre Inspiration für Stücke wie "Chanson d´amour" oder "Clef du ciel". Einen besonderen Leckerbissen neben dem quirrlig-verschmitzten "Für Else", das der unbequemen Autorin und Kabarettistin Elke Heidenreich gewidmet war, servierte die aus der Normandie stammende Kölnerin mit ihren vier Männern mit "N´oubliez pas", mit dem sie ihre "Lieblingsinsel" Martinique, von wo auch ihr Mann Franck stammt, daran erinnerte, die kulturellen Wurzeln nicht einer um sich greifenden Amerikanisierung zu opfern.Wenngleich natürlich alle Musik auf Auvray und ihr eigens für sie konzipiertes Pigini-Akkordeon zentriert war, was vor allem durch "Guingette", eine Kostprobe von der einzigen Solo-CD "Pure", unter Beweis gestellt wurde, trugen doch die vier Männer an ihrer Seite ihren Teil zum Gesamterlebnis bei: Der Bassist Thomas Tscheschner, Keyboarder Wolf Mayer, Drummer Harald Heinl und der Neuzugang und Gitarrist Markus Tiedemann haben neben einem ganz eigenen Charakter jeweils selbst eine markante Musiker-Karriere im Gepäck.Zusammen produzieren diese fünf Ausnahme-Künstler, die dem "Klavier der Armen" eine ganz neue Ausdruckskraft verliehen haben, Musik, die Aufmerksamkeit, Zuhören und Mitfühlen erfordert – vielleicht finden sie auch deshalb vorrangig ein etwas reiferes Publikum. Das hängt dann an den Lippen der Frau mit dem charmanten französischen Akzent, lauscht gerührt und gefesselt den Klängen und Melodien, den pulsierenden, weit gespannten und in sich selbst verwobenen Motiven von großer Magie.


Mit ihrem Auftritt in Hockenheim haben Lydie Auvray und ihren „Auvrettes“ einmal mehr unterstrichen, dass Live-Konzerte elementar sind – zumindest, wenn man neben erstklassiger Musik auch noch eine derart atemberaubende Bühnenpräsenz mitbringt, wie sie diese Formation auslebt: „Best regards“ von ganzem Herzen.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.lydieauvray.de.