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Erschienen
„Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“
12/2007
Anime Virtual, Frankfurt
Schon mal verliebt gewesen? Gespürt, wenn die Zeit greifbar wird und die Probleme der Welt hinter dem unkontrollierbaren Summen im Bauch unsichtbar werden? Oder wenn die Träne, dessen, dem man sich nicht ganz so sehr an seiner Site wünscht, die Sehnsucht nach dem Anderen, vermeidlich Richtigerem einem brennende Gräben der Schuld in die Brust brennt? „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ kennt all das, und nach dem Film fühlt man mit ihr.

Ja, dieser Film ist ein phantastischer Film, denn Makoto kann durch die Zeit springen. Und auch ja, der Film erzählt wunderbar langsam die Geschichte einer zarten Liebe eines verletzlichen Mädchens. Klar sind SF-Fans mit Faible für Raumschlachten und fliegende Autos hier nicht gut bedient, außer sie haben immer noch ein Herz und keine Blutpumpmaschine in ihrer Brust. Aber jeder, der schon mal die Zeitlosigkeit eines Frühlingstages in den endlosen Momenten nach einem kurzen Blick auf den Freund erlebte, wird diesen Anime lieben. Die ganz normal faule Makoto verbringt ihre Zeit am liebsten beim Baseballspiel mit ihren beiden Freunden Kôsuke und Chiaki. Zuerst scheint es, als sei sie an keinem der Beiden als „richtigem“ Freund interessiert, aber das ändert sich. Und da fangen für die 17-jährige die Probleme an. Soll sie den einen den kleinen Mädchen, die ihn anhimmeln überlassen? Wie soll sie auf das Liebesgeständnis des Anderen reagieren? Sie hat Angst, sich entscheiden zu müssen. Wie gut, das sie zufällig eine Nuss fand, mit der sie durch die Zeit springen kann. aber kann sie ihre Probleme so in den Griff bekommen? Statt einfacher Lösungen findet sie natürlich immer neue Probleme. Und als sie bemerkt, dass sie nur noch einmal durch die Zeit reisen kann, wird alles verdammt kompliziert. Und dann noch der Bahnübergang, der nach der abschüssigen Straße auf dem Weg nach Hause zusammen mit der kaputten Fahrradbremse Makotos Leben mehr als einmal grundlegend beeinflussen wird.

Ganz ohne Blut kommt auch dieser japanische Zeichentrick-Leckerbissen nicht aus, aber hier unterstreicht es nur die Hilflosigkeit der Protagonistin, den emotionalen Höhepunkt des Dramas bereichernd. Und weil es einfach ein wunderschöner Film ist, wird diese zu tiefst betrübende Szene in einem nicht all zu süßem Happy End aufgelöst – vielen Dank.

Die Zeichentricktechnik ist perfekt – zeitgemäß. Keine grafischen Experimente sondern wunderbar erzählende Bilder. Die von einem Film gegenüber einer Serienfolge zu erwartende Qualität wird geboten, die Bilder lenken aber nicht vom Inhalt ab. Mehr über den Film kann man auf der Extra DVD der Delux-Version hören. Dort sprechen Risa Naka, Takuja Ishida und Mitsutaka Itakura die japanischen Sprecher von Makoto, Chiaki und Kôsuke sowie der Regiseur Hosoda über ihren Film. Das ist für japanische Verhältnisse ein echtes Juwel, denn in Japan werden die Sprecher wie Filmstars behandelt. Im Hintergrund läuft dabei der Film und die vier plaudern geleitet durch die Fragen von Herrn Furuka Lieblingsszenen und die Arbeit bei der japanischen Synchro. Wer ein echter Otaku ist, kommt um dieses Extra nicht herum, wer einfach nur einen zarten Liebesfilm sehen möchte, ist mit der Einzel-DVD gut bedient.


„Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ enttäuscht, wenn man einen Science-Fiction Film erwartet. Dafür erobert er ein offenes Herz im Sturm und hinterlässt das Gefühl einer warmen Brise auf der Haut – einfach wunderschön.