2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Botschafter der Pfalz als „Laabsammler im Park“
12/2007
Sie sind die Verkörperung des Pfälzers an sich: Bauernschlau und immer ein wenig redselig; nicht faul, aber perfekt in der Optimierung von Arbeitsabläufen zum eigenen Vorteil; nicht streitlustig, aber immer am „dischbediere“ – das Kabarett-Duo „Spitz und Stumpf“ gastierte Mitte November wieder einmal im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ und fand dort seine Fans und ein ganz neues Publikum gleichermaßen. Kein Problem für die beiden Bühnen-Profis aus Neustadt, die seit Anfang letzten Jahres in der Nähe von Hassloch ihr eigenes Theater „Die Scheier“ eröffnet haben: Sie wickelten einfach diejenigen, die vom Virus „Spitzius und Stumpfius“ schon infiziert waren, zusammen mit den Neueinsteigern um den Finger. Problemlos und mit der besonderen Pfälzer Note, die ihnen dabei absolut entgegen kam.

Und das, obwohl die beiden Pfälzer Archetypen diesmal völlig neues Terrain betreten mussten: Ihr neues Programm „Laabsammler im Park“, das erst im November anlief, deutet nämlich keineswegs, wie man annehmen könnte, wenn man den Pfälzer Dialekt allenfalls als Fremdsprache spricht, auf eine neue Tierart in Eugen „Stumpfs Tierleben“ bei seinem eigenen Sender „Südpfalz-TV Büchelberg“ hin, sondern ist das Ergebnis eines im Verlauf des vorangegangenen Programms “Woimiggl Company“ eingetretenen Schicksalsschlags. Dank der tollen Vorschläge eines gewissen Friedel Spitz, der ja als „ehemaliger Abteilungsleiter der BASF, Abteilung Fahrzeuginstandsetzung, Unterabteilung Fahrzeugpflege, Unterabteilung Waschanlage“ quasi sowas wie ein Top-Manager ist, hat Eugen Stumpf sein Weingut, das bislang die Kulisse für die meist fröhlichen Weinproben-Episoden der beiden Mimen diente, beim „Sportwetten“ verloren und nun sind Spitz und Stumpf als Hartz-IV-Jobber im Park unterwegs. Ebene „laabsammle“ (Aufklauben herabgefallener Blätter). Dort treffen sie – auch das ist zumindest in seinem Umfang eher eine Neuerung – auf ganz verschiedene Charaktere: Den ultracoolen „Checker“ „Turbo“, der mit seinem Hund „Termi“ („Der sammelt Stöcksche, als Spazierstöck“) seine persönliche Sitzstatt verteidigt: „Um moi Parkbonk platziert keener soi Rosett!“ Die Labertasche Olli aus Sausenheim („Es sin oft Leid do, die net vun do sin. Awwer isch frog misch, wu sin die Leid vun do, wonn se net do sin?“) und vor allem – ein auch dramatischer, vor allem aber musik-humoristischer Höhepunkt des gesamten Abends - Rastama „Mister Rasta Basta“, der in einem fröhlichen Liedchen das Schicksal seiner holden Gattin „Patricia, ä Pälzer Krischa“ Revue passieren ließ: „Yesterday I throw my wife into the water of Sealife and in the water the sharky caught her – o happy day!“

Die wirkliche „Spitz und Stumpf“-Stimmung kam aber natürlich mehr in den kurzen Episoden aus dem neuen Ein-Euro-Job-Leben der beiden Pfälzer auf. Ob es der Versuch des stets agilen Spitz ist, mit einem Theaterstück über die lange Freundschaft zwischen den beiden Familien Spitz und Stumpf („Eine Freundschaft, die auf dem Schafott begann“) zu Weltruhm zu gelangen oder die kurzen Erzählungen aus der Zuflucht, die beide nun gemeinsam in Friedels „Ein-Zimmer-Kellerwohnung“ gefunden haben – immer kommt der charmante Witz der beiden zum Tragen. So erzählt Friedel von seinem ersten Computer: „Do war schun Windows druf. Durchs Fenschter hab ich ihn dann a entsorgt!“ Oder Eugen schwadroniert vom Fernsehsessel des Freundes „Frettchenleder mit 50% Alpaca-Anteil“. Aber klar ist, dass sich die beiden nur noch weiter in ihre ohnedies schon heftige Misere hineinmanövrieren: Am Schluss des Programms sind sie aus der vorübergehenden Bleibe bei der Tante genauso rausgeflogen, wie aus dem Hartz-IV-Job im Park. Neuer Nährboden für weitere Geschichten, von denen Eugens Anruf bei der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung („Uf dere Zigarettepackung steht druf, rauchen kann tödlich sein. Do wollt isch für mein Freund frore, wie viel er noch rauche muss“) nur ein Anfang gewesen sein dürfte.

Friedel Spitz Bernhard Weller und Eugen Stumpf Götz Valter haben sich mit ihrem neuen Programm wieder einmal als echte Botschafter der Pfalz erwiesen. Mit neuen Geschichten haben sie ihren wohlbekannten und sehr beliebten Humor verbreitet und das einzige, was schade an diesem Programm war, bestand in einer ebenfalls in ihrem Umfang übertriebenen Innovation: Immer wieder kamen Zwischenszenen mit der Tante und auch „gedankliche“ Beiträge der beiden Protagonisten vom Band. Unnötig und eher störend, wenn man zwei Stars live und in Farbe vor sich haben kann. Aber „bevor isch misch uffreg, is mas liewer glei egal!“


Und „grad ze läd“ (Jetzt erst recht): Spitz und Stumpf sind die ungekrönten Meister ihres Fachs und man darf davon ausgehen, dass bereits in Kürze das nächste Programm von den beiden herauskommen wird, in dem sie die weiteren Ereignisse um Friedel Spitz und Eugen Stumpf erzählen werden. Frei nach dem eigenen Motto „Hey, Labbeduddl, don’t jammerlapp!“



Weitere Informationen im Internet unter http://www.spitzundstumpf.de.