2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Stephan Bauer ist der Looser von Nebenan
01/2008
„Neulich zum Beispiel hatte ich Ebola“ – was soll von einem kommen, der sich mit solchen Problemen rumschlagen muss? Anfang Dezember hat Stephan Bauer, der Mann, der einst sein Leben in einem kleinen Dorf am Aufstieg der Schwäbischen Alb fristen musste, im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ einen neuen Reigen mit düster-traurigen Episoden aus seinem Leben zum besten gegeben: Eine Mischung aus brüllkomischer Tragik und herzerfrischender Melancholie.

Gute zwei Stunden nuschelte sich der Knautschgesichtige durch sein von Schicksalsschlägen gebeuteltes Leben, das unter dem Programmtitel „Die Nächste bitte“ firmierte, mit Fug und Recht aber auch „Mir geht’s im Moment nicht so wahnsinnig gut“ lauten könnte. Niedergeschlagen vom Stress des Alltags, dem man in Bauers Situation nicht einmal durch Fitness-Programme („Ich wurde beim Sport schonmal verhaftet wegen Herumlungerns“) oder Wellness-Trips („danach fühlt man sich superjung, sieht aber aus wie ne Kopie vom Ötzi“) begegnen kann, klagte er vor vollem Haus seinem wirklich lautstark mitfühlenden Publikum sein Leid.

Das hat sich jüngst deutlich verstärkt, nachdem Stephan Bauer sich von seiner Gattin getrennt hatte - „auf Zeit“, wie er betonte: „Erstmal für 30 Jahre, danach sehen wir weiter“. Klar, dass man da an sich selbst, der Welt und seinem Glück zweifeln kann. Vor allem, dann, wenn man schon von Anbeginn keine Fortune hatte. Aufgewachsen in völliger Armut („Wenn ich ein Mädchen gewesen wäre, hätte ich als Kind nichtmal was zum Spielen gehabt“), als Jugendlicher bei den Doktorspielen immer nur die Sprechstundenhilfe, später umgeben von Frauen, die „sehr nett, aber sehr korpulent“ sind („Als ich sie eincremen wollte, musste ich das Sonnenöl mit der Rolle auftragen“) und dann auch noch Sternzeichen Schütze: „In der Astro-Welt ein Super-GAU“. Ein verlorener Kämpfer gegen die Unbill des Alltags.

Bauers Erfolgsrezept, mit dem er nicht nur in den großen Comedy-Sendungen unserer Tage, sondern gerade auch bei Live-Publikum punkten kann, ist seine unkapriziöse Art, der einfache „Looser von Nebenan“ zu sein: Ohne großes Trara, einfach nur zuhause in der Rolle des ewigen Verlierers, der sich im Klaren darüber ist, dass Lotto auch nur „der letzte Strohhalm für all diejenigen ist, die beim kapitalistischen Verteilungskampf die Arschkarte gezogen haben“. So einem hört man gerne zu: Nicht nur, weil man sich passagenweise durchaus selbst erkennt, sondern vor allem, weil es uns immer wohl tut, wenn wir über einen lachen können, dem es noch schlechter geht, als uns selbst. Und schlechter geht es Bauer ohne Frage: „Als ich im Brockhaus das Wort ´dysfunktional´ nachgeschlagen hab, war da das Bild meiner Mutter abgedruckt“.

Durch sein Gejammer hindurch war Bauer aber auch für manchen wirklich guten Tipp zu gebrauchen: Wenn die Mutter was Persönliches zu Weihnachten will, warum nicht mal „eine herzförmige Schachtel mit schmutziger Wäsche“?! Wenn man das nötige Kleingeld hat und seine Mitmenschen ärgern will, dann nur zu: „die Bundesligarechte kaufen und dann Synchronschwimmen senden“.

Erstaunlich war die unverhohlene Freude, mit der sein im Schnitt durchaus schon etwas reiferes Publikum vor allem Bauers Zoten bejubelte. Grauhaarige Damen brüllten sich weg vor Lachen, als er über „diese sagenumwobene Klitoris“ schwadronierte und rätselte, „wie man auf einem Areal von nur wenigen Quadratmillimetern andauernd danebenfassen kann“. Genau sie sind ja aber auch die angebliche Zielgruppe des Enddreißigers: „Ältere Frauen haben nicht mehr solche Flausen im Kopf wie diese Vierzigjährigen!“


Zwei Stunden blanken Humors mit einer unverschämt selbstmitleidigen Nuance: Man sollte Molkereiprodukte nach diesem genialen Jammerlappen benennen. Wir schlagen vor: „Der große Bauer“.



Wenn Sie ein Auge auf Stephan Bauer geworfen haben, dann können sie ihre Bewerbungsunterlagen einsenden unter http://www.stephanbauer.de