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Hammock / Bisley / Nihei / Lewis / Moebius
Erschienen
Halo Graphic Novel
02/2008
Panini Verlags GmbH, Nettetal
128 Seiten / € 16,95
Comics zu Computerspielen gibt es immer wieder, ob knuddelig wie bei Mario oder Sonic oder heftig wie bei Silent Hill – liegt es an den eher schwachen Stories der Vorgaben, dass Comics zu Spielen bessere Geschichten liefern als Film-Adaptionen? Und wie schlägt sich der First-Person Shooter Halo?

Zuerst stösst dem Comic-Freund der Begriff Graphic Novel bitter auf, denn hier handelt es sich keineswegs um eine geschlossene Geschichte. Statt dessen bekommt man vier äußerst unterschiedliche Comics in einem Band plus einer 26 Seiten starken Galerie. Das ist per se nicht schlecht, aber halt keine Graphic Novel – wie man auch immer diesen momentan gerne bemühten Begriff füllen möchte.

Was noch stört, ist das Lettering. Fette Druckbuchstaben erwartet man seit der Einführung guter Schriften mit Handschrift-Feeling Anfang der 80er eigentlich nicht mehr in gut gemachten Sprechblasen. Die erleichtern das Lesen auch nicht wirklich, aber in drei der vier Geschichten gibt es auch nicht wirklich viel zu lesen.

Simon Bisley beginnt mit „Die letzte Reise der Infinite Succor“ und zeichnet, was er am liebsten zeichnet: Platzende Körper, die irgendwie schwer deformiert erscheinen. Da kommt ihm die Flood aus dem Halo-Universum gerade recht. In dem Gemetzel wird Covenant Commander Rtas Vadumee eingeführt – wobei gleich erklärt wird, welche in den Spielen bisher namenlose Figur das zu sein hat.

Geschichte gibt es bei den Comics eher wenig, dafür grandiose Grafik wie bei Tsutomu Niheis „Ausbruch aus der Quarantäne“. Aber es geht hier um ein Comic zu einem Shooter. Dass ausgerechnet der Altmeister Moebius die 16 Seiten zeichnet, die den Begriff Geschichte verdienen, macht „Zweiter Sonnenaufgang über New Mombasa“ zu einer Perle dieses Bandes.

Hier zeigt sich der fast siebzigjährige unglaublich frisch. Poppige Farben, Tiefe durch die flächige Kolorierung, viel Detail und saubere Grafik. Dazu ein Mensch im Konflikt zwischen seiner manipulierenden Arbeit als Verschönerer von Kriegsbildern und seiner Authentizität als selbstständig denkendes Individuum.

Da scheiden sich wohl die Beurteilung von Spiele- und Comic-Fans, da gerade Moebius in einer Review des Bandes bei Amazon als enttäuschend bewertet wurde. Die Galerie ist umfangreich und hat auch einige Comic-Zeichner im Aufgebot. Leider wirken die drei doppelseitigen Bilder wegen des Trade-Formates nicht mehr.

Marvel plant eine Ongoing Serie zum Spiel, da wird es wohl weitere Ballereien geben.


Netter Band für Spielefans und Moebius-Verehrer.