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Erschienen
Blinklichter bringen den starken Lausbub Michel
02/2008
Im vergangenen Jahr hätte sie ihren hundertsten Geburtstag gefeiert, doch seit in wenigen Tagen sechs Jahren ist sie tot: Die wohl bekannteste Kinderbuchautorin Astrid Lindgren hat neben „Pippi Langstrumpf“ und „Ronja Räubertochter mit „Michel aus Lönneberga“ einen der beliebtesten jungen Helden der Geschichte erdacht.

Dass der auch heute noch – 45 Jahre nach seiner literarischen Geburt – die Massen bewegt, stellteMitte Januareine fast unüberschaubare Kinderschar in und vor dem Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ unter Beweis, die zum Theaterstück „Immer dieser Michel“ geströmt war. Wer sich nicht im Vorverkauf eine Karte gesichert hatte, war schlecht bedient, musste teilweise bis fast ans Hoftor des Musentempels anstehen und für eine ganze Reihe vor allem der Eltern hieß es zuletzt im völlig ausverkauften Haus: „Nichts geht mehr“.

Am kindlichen Großaufgebot war sicher nicht nur der kesse Knabe aus dem Småland in Schweden schuld; das inzwischen längst zur festen Institution gewordene „Blinklichter-Theater“, das sich der Geschichte des Blondschopfs angenommen hat, ist ein Garant für Kurzweil, phantasievolle Unterhaltung und vor allem für unendlich viel Spaß. Das wissen sowohl die Großen, als auch die Kleinen. Trotzdem schien selbst der erfahrene Kindertheatermann Wolfgang Messner vom Kindersegen etwas überrascht.

Er war in die Rolle Alfreds, des Knechts auf dem Katthult-Hof, geschlüpft und nahm die Kinder vom Hier und Heute mit zur Familie Svenson, wo man einige der lustigsten Abenteuer Michels nochmal miterleben durfte. Es war eine Reise in eine Vergangenheit, in der die „Uhren noch anders, langsamer, gingen“ und in der „das Leben noch recht lustig war: Mit Musik und Tanz und Lachen und Fröhlichsein“.

Genau das stand bereits bei den bisherigen Stücken der „Blinklichter“ – im Pumpwerk haben Wolfgang Messner und Werner Ries unter anderem schon „Die verliebte Wolke“, „Wenn Teddybären träumen“ und zuletzt Mozarts „Meine kleine Nachtmusik“ gegeben - stets im Zentrum. So machte diesmal Messner jede Menge Tiere nach, brachte die Charaktere der Mutter Alma („Hände waschen und Zimmer aufräumen – alle Mütter sind gleich!“) oder des Vaters Anton („Strafe muss sein!“) auf den Punkt und erzählte die Geschichten mit Puppen, Scherenschnittfiguren, Schattenspielen und – erstmals – einem echten Mitmachtheater. Nachdem nämlich die Geschichte, in der Michel seinen Kopf nicht mehr aus einer Suppenschüssel herausbekam, und der Feiertagsunfug, der Klein Lina an den Fahnenmast brachte, erzählt waren, spielte Messner zusammen mit drei Besuchern die Versuche des kleinen Lausejungen nach, der Magd Lina mit ihren Zahnschmerzen zu helfen – ohne die Zange des Schmieds. So verwandelten sich Max, Alisa und Felix in den „Michel des 21. Jahrhunderts“, in die jammernde Lina und das Pferd Lukas und nachdem man gemeinsam einen neuen Pferdelaufstil erfunden und ausgiebig gejammert hatte, durfte man zusammen sogar allen die Zunge rausstrecken.

Das ist die große Stärke der „Blinklichter“: Aus dem Vollen zu schöpfen, was Phantasie, theatralische Mittel und vor allem kindliche Freude am Spielen angeht. So holt man eine Geschichte, die eigentlich schon hundert Jahre zurückliegt, in unsere Tage und vor allem hat man gemeinsam jede Menge Spaß.

So gelang es dem „Blinklichter-Theater“ einmal mehr, eine Hundertschaft Kinder begeistert mitfiebern, mitsprechen, mitsingen und mitmachen zu lassen und gleichzeitig auch noch eine Botschaft an den Mann zu bringen: „Man wird stark, wenn man muss“, so sagt sich Michel, als er in einer Heldentat den Knecht Alfred in einer dunklen Winternacht durch einen Schneesturm zum Arzt bringt und damit rettet.


Insofern räumte man mit einer alten Fehleinschätzung auf: Michel ist keineswegs ein böser Junge, er gerät in viele seiner „Streiche“ eher versehentlich hinein und ist im Herzen gut und tapfer. Und so bekamen sein und Astrid Lindgrens Credo donnernden Applaus aus hunderten Kinderhänden: „Sei stark, wenn Du musst – und bleibt trotzdem ein rechter Lausbub dabei!“

Weitere Informationen im Internet unter http://www.blinklichtertheater.de.

 

 

 
 

©:www.blinklichtertheater.de